Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
In diesem Buch präsentiert sich die erfahrene Dortmunder Autorinnengruppe Undpunkt mit kleinen gemeinen und bitterbösen Geschichten.
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Dezember 2007
Der Unfall
von Manuela Schulz

Aus den Augenwinkeln sehe ich die Frau anfahren, aber irgendwie glaube ich es nicht. Ich bin auf der Hauptstraße!!! Auf der Hauuuuuupt … Es kracht, knirscht und klirrt. Etwas sticht ganz gemein in mein rechtes Ohr. Ich kann nicht hinfassen, denn meine Hände umkrallen das Lenkrad, alles geht schräg, auf der Gegenspur der LKW, ich will da nicht hin! Kupplung, Bremsen, lenken, lenken, lenken … Scheiße, Scheiße, Scheiße … Augen zu, ohrenbetäubendes Quietschen, Schnaufen, ein dicker Motor hämmert dumpf, Schnaufen, Zischen ... dann ist es still.

Ich blinzle. Ein riesiger Kühlergrill grinst mich mit verchromten Lippen durch die Windschutzscheibe an. Vorsichtig sauge ich Luft ein. Ich atme also. Atmen ist schon mal gut. Weiter! Aber wie? Mein Kopf ist leer. Ich starre auf den Kühlergrill. Wer, zum Teufel, ist Iveco? Dann fällt es mir ein! Der Anzug! Ich muss unbedingt Edgars Anzug aus der Reinigung abholen! Genau, das war` s. Dann ist da noch der Baumarkt, Bruno `s Termin beim Tierarzt, ich darf nicht vergessen Brot zu holen und soll unbedingt vor dem Baumarkt noch Isolde zurückrufen.
„Ist mit Ihnen alles in Ordnung?“
Ich drehe den Kopf zur Seite. Ein kahler Schädel mit kleinen hellblauen Augen schwebt über dem Beifahrersitz. Wie kommt der hier rein?
„Ist alles in Ordnung mit Ihnen oder soll ich den Notarzt rufen?“, fragt der Schädel. Ich überlege. Ich denke an Edgars Anzug, den Baumarkt, den Tierarzt, das Brot und meine Schwägerin und will auf keinen Fall, dass noch irgendein Notarzt in diesen Ablauf gerät.
„Nein, nein, mit mir ist alles OK!“, versichere ich hastig mit einer Stimme, die nicht aus mir, sondern von irgendwo zu kommen scheint.
„Sind Sie sicher?“, will der Kopf wissen.
Was denkt sich der Schädel? Hält der mich für unzurechnungsfähig?
„Ja klar doch!“, sage ich fest. Immerhin atme ich und habe ein ausgefeiltes Timing für die nächsten drei Stunden.
„Können Sie aussteigen?“
Der Typ gibt einfach keine Ruhe. Natürlich kann ich. Ich will aber nicht. ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 01.01.2008 - 13.48 Uhr
Dieser Text enthält 8519 Zeichen.

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