Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Dezember 2007
Es war so finster und auch so bitterkalt
von Tanja Muhs

„Bist du okay da drin?“ Dollys Stimme mischt sich mit dem Klicker-Klacker, das ihre Ringe machen. „Sag was! Ist alles in Ordnung bei dir? H.?“
Es klingt wie schrilles Hohngelächter, Ätsch!, Ätschebätsch, aber ist doch nur die Aussprache des ersten Buchstabens meines Vornamens hier in Las Vegas. Zu Hause bin ich H wie Hosenscheißer, H wie „Hau ab oder es setzt was!“ oder einfach H wie Hans gewesen.
Heiß ist der zugeklappte Toilettendeckel unter meinem Hintern, die Tür vibriert unter Dollys Schlägen, Dollys Rufen gräbt sich in mein Ohr wie die Krallen einer Harpye, aber es ist doch nur sie, denn Harpyen gibt es nur im Märchen und ganz bestimmt nicht hier.
„Soll ich einen Arzt rufen? Sag was oder ich hol Dick und der schlägt die Tür ein!“
Ich will ihr antworten, doch meine Zunge klebt am Gaumen. Sie soll ihn nicht holen, Dick, Richard, den Dick meiner Schwester Marilyn, denn er wird wütend auf sie sein und mir geht es gut, mir ist warm. Dollys Absätze klackern den Flur schon hinunter wie die Münzen in den Slot der Maschine, hektisch wie die zittrigen Hände eines Gambling Junkies. Gleich werden sie zurück sein, gleich schon, Dick mit einem Brecheisen und Dolly im Negligee, sehr bald, denn Dollys Zeit ist Dicks Geld. Marilyn kommt nicht, zumindest nicht zu mir, denn sie arbeitet in Suite 7 bis Mitternacht. Ein braves Mädchen ist sie gewesen. Jetzt trägt sie viel zu kurze Röcke und einen anderen Namen, einen der amerikanisch klingt. Seit der Nacht im Wald friert sie und auch Dick kann sie nicht wärmen, denn er ist nicht der Märchenprinz auf dem weißen Pferd, sondern nur ihr Dick, nicht mehr.
H wie Harpye, wie der erste Buchstabe meines Namens, H wie Heroin. Meine Finger greifen nach dem Waschbeckenrand, eine Halo um mein Bild im Spiegel, das Band, das auf der Reise her mein Bündel einst zusammenhielt und das jetzt meine Venen schnürt, löst sich von meinem Oberarm, rutscht, macht ein keckerndes Geräusch, als es zu Boden fällt.
Im Spiegel sehe ich ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 01.01.2008 - 13.47 Uhr
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