Das alte Buch Mamsell
Das alte Buch Mamsell
Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Februar 2008
Die Tulpen
von Susanne Ruitenberg

Thijs erwachte aus tiefem Schlaf mit dem Gefühl, er würde ersticken. Mit einer ungeduldigen Bewegung warf er die Decke, die nicht die Seine war, aber dennoch jede Nacht den Weg zu ihm fand, auf die andere Hälfte des Bettes. Auch heute hatte diese nichts von ihrer Leere eingebüßt. Wie ein Ertrinkender schnappte er nach Luft und lauschte dem unruhigen Pochen in seinen Ohren. Nur langsam beruhigte sich sein Herzschlag. Trübes Licht schimmerte durch die Ritzen im Fensterladen, ganz schwach, als traue es sich nicht, ihn zu stören. Sollte er sich erheben? Er richtete sich halb auf und ließ sich im nächsten Moment wieder in die Kissen fallen. Wozu der Aufwand, es interessierte keinen, ob er den ganzen Tag im Bett liegen blieb. Die Welt könnte kaum weniger Notiz von ihm nehmen, wenn er tot wäre. Tot, wie die einzige Person, die sich je für ihn interessiert hatte. Bis ... ja, bis zu diesem Dienstag im letzten Frühjahr, fast genau vor einem Jahr. Er sah sie noch vor sich, wie sie zum Blumenhändler aufgebrochen war, den Korb im Arm, die Ärmel ihrer karierten Gartenbluse hochgekrempelt, einen Erdfleck auf dem Rock, weil sie den ganzen Morgen Blumenzwiebeln gesetzt hatte. Keiner setzte im Frühjahr Blumenzwiebeln. Außer seiner Annemariek. Sie war überzeugt davon, dass die Blumen dadurch viel länger blühten. „Schatje, ich springe eben zu Marijkes Lädchen, ich brauche mehr Dünger“ hatte sie gesagt und dabei mit dem Gartenhandschuh gewunken.
Als sie auf den Radweg abgebogen war, hatte er ihr mit dem Finger gedroht und gerufen „Fahr nicht so rasant. Du weißt, das geziemt sich nicht für eine Dame jenseits der Sechzig.“ Sich gegenseitig zu einem altersgemäßen Benehmen anzuhalten war eine lieb gewordene Neckerei, seit sie ein gewisses Alter erreicht hatten. Wie oft hatte er lachend und Kopf schüttelnd am Rand eines Spielplatzes gestanden, während seine Annemariek unter den entsetzten Blicken der Kinder jede Schaukel und jede Rutsche ausprobiert hatte; ohne Grund, nur um nicht zu verges ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 01.03.2008 - 12.46 Uhr
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