Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Februar 2008
Omnia Vincit Amor
von Michael Rapp

„Ziehe auf dem Stadtplan eine Gerade von Lust nach Verstand, bestimme den Goldenen Schnitt, und wende dich von diesem Punkt aus Richtung Morgensonne. Dort findest du den Übergang.“ So hatte das Internet-Liebesorakel den Weg beschrieben.
Leon stand vor einem kleinen Blumengeschäft zwischen Bahnhofsviertel und Universitätscampus und fragte sich, ob er langsam verrückt wurde, sechzig Euro für so einen Unsinn zu bezahlen.
Das Schaufenster des Ladens war reich geschmückt. Neben Rosen, Iris und Jasmin hingen Herzgirlanden; Valentinskarten und Pralinenschachteln in allen Größen bedeckten jeden Zentimeter zwischen den Schnittblumen und Sträußen. Ein süßlich kommerzielles Potpourri.
Und über all die Waren hinweg lächelte die junge Floristin Leon an. In ihrem weißen Kleid sah sie aus wie ein Rauschgoldengel.
Leon betrat den Laden und musste sofort niesen. Der Duft der Blumen war überwältigend. Als hätte jemand eine Flasche Parfüm umgestoßen. Gleichzeitig herrschte ein geradezu tropisches Klima. Die Luft legte sich wie ein Ölfilm auf Leons Haut, und das Atmen fiel ihm schwer.
„Einen schönen Valentinstag wünsche ich Ihnen“, sagte die Floristin. „Was kann ich tun, um Ihr Leben zu versüßen? Suchen Sie Blumen für die Liebste? Eine Karte, die Ihre innersten Gefühle zum Ausdruck bringt? Einen Liebestrank?“ Sie zwinkerte.
Leon trat vor den Tresen, an dessen Ecken zwei mit Pfeil und Bogen bewaffnete Porzellanputten saßen und still vergnügt lächelten. Hoffnung keimte in ihm auf.
„Ich suche das Land der Liebe.“
Das Lächeln der Verkäuferin gefror.
„Entschuldigen Sie bitte, aber so etwas führen wir nicht.“ Sie schien sehr bemüht, den Blickkontakt zu halten.
„Dann ist hier nicht der Eingang zu Amors Reich?“, fragte Leon und sah sich demonstrativ um. Außer einer Tür hinter der Frau, die mit dem Schild „Privat“ gekennzeichnet war, konnte er keinen Durchgang entdecken.
Die Floristin war aschfahl geworden. Der Schweiß stand ihr auf der Stirn. „Amor? Noch nie gehört. Wer soll das sei ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 01.03.2008 - 12.46 Uhr
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