Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Mrz 2008
Lydia
von Heidi Eleonora Wiench

Ich kann es nicht fassen, ich muss auf meinem Zimmer bleiben!
Dabei bin ich ein braves Mädchen…, und das bisschen Spielen im Heu…?
Das kann nicht der Grund sein für den Arrest, oder doch? Mal sehen…, denk nach Lydia…!

„Sebastian, du musst heute auf Lydia aufpassen, Papa und ich müssen in die Stadt“, sagte die Mutter und stellte ein Glas frisch gepressten Orangensaft vor ihren Sohn auf den Küchentisch.
„Ach manno, ich will aber mit Thomas und Frank im Baumhaus spielen“, schmollend verzog Sebastian den Mund.
„Es muss aber sein, Schätzchen. Uns bleiben nur noch ein paar Tage und ich muss dringend die Papiere fertig machen. Sei ein braver Junge, bitte, es ist mir sehr wichtig, ich werde mich doch auf dich verlassen können?“ Fordernd sah sie ihren Jungen an.
„Na gut“, nuschelte Sebastian in seinen Orangensaft. „Wann seid ihr wieder da?“
„Dauert nicht lange, mein Schatz. Du wirst schon noch rechtzeitig zu deinen Freunden kommen. Wie wär`s, wenn du mit Lydia nachher zu Schlachter Meyer läufst und dir ein Paar Würstchen holst! Hier hast du Geld, und nun schmoll nicht mehr. Mach nur das, was ich dir erklärt habe, dann passiert schon nichts. Bist doch unser Großer! Aber denk daran, kein Würstchen für Lydia, du weißt, sie reagiert allergisch auf Schweinefleisch.“ Mahnend erhob sie den Zeigefinger, band ihre Küchenschürze ab und fuhr mit herrischem Ton ihren Mann an: „Wir müssen los Schatz. Leg doch bitte endlich diese Zeitung weg, wir kommen noch zu spät!“
Langsam faltete Sebastians Vater seine Tageszeitung zusammen, trank seinen Kaffee aus und stand gemächlich vom Küchentisch auf.

Kurz darauf saßen die Beiden in ihrem Auto und fuhren vom Hof.

Ich lief hinter Sebastian her, der in sein Zimmer hinauf gepoltert war, und setzte mich neben ihn.
Zärtlich streichelte er mir über den Kopf.
„Lass mich noch ein bisschen am Computer spielen, Lydia. Kannst dich ja solange auf mein Bett legen, ok?!“
Kurze Zeit später sprang er auf und rief: „Los Lydia, lass uns zum Schlachter gehen, mal sehen, ob der wirklich was für uns hat!“
Er setzte sein Basekap auf, hüpfte die Stufen der Treppe hinunter und lief aus dem Haus.
Es war ein herrliches Gefühl, diesen warmen Tag draußen mit Sebastian zu verbringen. Voller Stolz schlenderte ich neben ihm her.
Der Wind spielte mit meinen langen Haaren, die in der Sonne glänzten.
Ich war glücklich.

Als wir in die Straße bogen, in der unser Schlachter seinen Laden hatte, sah ich ihn das erste Mal. Groß und Stark war er, und er strotzte nur so vor Energie.
Seine kurzen Haare schimmerten, wie die Federn eines Raben.
Da bemerkte er mich.
Angewurzelt blieb ich stehen, doch er starrte mich ungeniert an. Seine schwarzen Augen funkelten herausfordernd.
Mit hocherhobenem Kopf und all meinen Mut zusammen nehmend, stolzierte ich an ihm vorbei.
„Hallo Süße“, raunte er mir zu.
Ich reckte meine Nase noch höher in die Luft, und würdigte ihn keines Blickes.
Zu meinem Glück ging seine Familie in die andere Richtung weiter, sodass er mir nicht folgen konnte.

„Hallo Herr Meyer“, freundlich grüsste Sebastian den Schlachter.
„Ah, der Sebastian, na, bist mit Lydia unterwegs, was? Na, dann pass mal gut auf, es sind wieder einige Wochenendler im Dorf“, verschmitzt lächelte er und fügte mit einem zwinkernden Auge hinzu:„Hier, nimm, ich weiß doch, weswegen du hier bist!“
„Klasse, danke Herr Meyer, tschüss!“
Genießerisch biss Sebastian von der Wurst ab.
„Komm Lydia, wir gehen zum Baumhaus, Mama wird schon nichts dagegen haben, wenn ich mit Thomas und Frank spiele. Ich bin ja immer in deiner Nähe.“

Übermütig rannten wir durch das hohe Gras, auf unser Haus zu. Gleich daneben stand die alte Scheune.
In den Ästen der verknöcherten Eiche, die beide Häuser bewachte, hatten sich die Jungs ihr Baumhaus gebaut.
Thomas und Frank waren schon da und begrüßten uns mit lautem Hallo.
Während die Drei in ihr Baumhaus kletterten legte ich mich in den Schatten.
Das Gras duftete herrlich und Fliegen schwirrten durch die Luft. Ich träumte vor mich hin, als plötzlich…
„Hallo Süße, so trifft man sich wieder.“
Erschrocken fuhr ich herum.
Er war es. Dieser Typ von vorhin.
„Wollen wir nicht ein wenig spielen, was meinst du?!“
Ich stand auf und schlich um ihn herum.
Dann rannte ich los, so schnell ich konnte.
Er blieb dicht hinter mir.

„Sebastian, wir sind wieder zu Hause!“, rief der Vater als er die Haustür aufschloss.
„Ach, ich bin ja so froh“, sagte seine Frau, die dich hinter ihm war, „dass Alles so reibungslos geklappt hat, jetzt brauchen wir nur noch…“, sie brach ab. Diese Stille im Haus war unheimlich. Zaghaft und dann immer lauter rief sie: „Lydia, mein Schätzchen, komm zu Mama! Komm zu Mama! Komm zu Mama!“
Sie stürmte die Treppe zu Sebastians Zimmer hinauf.
„Hier oben sind sie auch nicht! Wo können die Zwei sich bloß versteckt haben?“
Außer Atem und mit hektischen Flecken am Hals, kam sie wieder hinunter und lief ratlos die Diele auf und ab.
„Ich schaue im Garten nach! Nun hilf mir doch suchen!“ schrie sie ihrem Mann zu, der in die Küche gegangen war um seine Zeitung weiter zu lesen.

„Oh nein! Das kann doch nicht wahr sein!“ Ein gellender Schrei ließ das Zwitschern der Vögel verstummen.
Aufgeschreckt kamen Sebastian und sein Vater gleichzeitig bei ihr an. Sie stand mit offenem Mund und kalkweißem Gesicht vor dem Scheunentor und zeigte auf etwas, dass sich im Heu bewegte.
„Was machen die Beiden da, Mama?“ fragte Sebastian und machte große Augen.
„Sebastian, du solltest doch auf Lydia aufpassen…“, ihre Stimme versagte.
„Aber ich war doch nur zehn Minuten im Baumhaus, und die ganze Zeit lag Lydia unten im Gras.“
Hilfe suchend schaute Sebastian zu seinem Vater auf.
„Na die Colliezucht können wir dann wohl vorläufig vergessen!“ lachte dieser und nahm seine Frau tröstend in die Arme.

Na sicher ! Das Stroh ist an Allem Schuld, nicht ich…! Das muss es sein.
Obwohl…, sie hat mich stundenlang gebürstet, bis auch die letzte Klette aus meinem Fell heraus war.
Na ja, dann bleibe ich eben hier, in der Verbannung, sitzen, warte auf mein Abendessen und freue mich auf den nächsten Ausflug mit meinem Freund Sebastian.

Letzte Aktualisierung: 14.03.2008 - 17.27 Uhr
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