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März 2008
Zehn Minuten
von Monika Reidegeld

Sie hatte einfach aufgelegt, als er ihr gestand:

„Natürlich haben wir mit einander geschlafen.“

Der Hörer war ihr fast aus der Hand geglitten. Er war immer schwerer geworden. Sie konnte gerade noch verhindern, dass er auf den Boden fiel.

In diesem Augenblick wurde sie in zwei Hälften geteilt. Ihr Kopf hatte wohl verstanden, was er da gesagt hatte. Ihr Gefühl aber wollte nicht folgen.

„Natürlich … “. wiederholte sie betäubt und starrte sie auf die weiße Wand, als wenn sich dort gleich etwas ereignen würde.

„Natürlich“ hatte er gesagt, als wenn es die selbstverständlichste Sache der Welt war, mit einer anderen Frau zu schlafen, wenn man einen Ärger mit seiner Freundin hatte. Als logische Folge sozusagen.

Sie hätte ihm vieles zu getraut.

Das nicht.



Wie gerne hätte sie geweint und ihr ganzes Elend hinausgeschrieen. Aber statt einer reinigenden Reaktion verstärkte sich die Erstarrung. Ihr Körper versteinerte von Sekunde zu Sekunde mehr.

Am schlimmsten war die Erkenntnis, dass sie sich vollkommen in ihm getäuscht und das zog ihr den Boden unter den Füßen weg.

Sie hatte ihre ganze Zukunft auf ihn gebaut.



Unwillkürlich spürte sie seinen Geruch in der Nase. Würzig, zimtig, männlich.

Sie schnupperten an seinem ungewaschenen T-Shirt zu, roch an seinem Kopfkissen. In manchen Momenten hatte sie ihn derart geliebt, dass sie ihn am liebsten in sich eingesaugt hätte. Er roch wie ein sonniger Urlaubstag, nach Wohlbehagen und Geborgenheit. Er duftete nach Glück und Genuss. Sie hätte ihn unter Tausenden heraus riechen können.



Sie hatte nur einen Wunsch gehabt: Alles sollte bleiben, wie es war.

Und jetzt lag sie da. Das Kissen fest an sich gepresst.

Die Zeit wurde unbedeutend.



Es folgten bleierne Tage und schlaflose Nächte. Endlos kreisten Fragen und in ihrem Kopf, die sie ohnehin nicht beantworten konnte. Sie erinnerte sich seiner Schwächen. An ihr „Trotzdem“, wenn sie sie sich vor Augen führte.

Das war ihr noch nie passiert. Es gab bisher immer ein „Aber“. Es war das erste Mal gewesen, dass es ein „Trotzdem“ gab.



Auch nach mehreren Wochen wollte sich kein Gefühl einstellen.



Eines Tages rief er an. Ganz unverhofft, wie damals, als er ihr das Geständnis machte.

Er wollte sie sehen, sagte er.

Es täte ihm Leid, klagte er. Ein schlimmer Fehler, gab er zu.

Keinen Tag mehr wollte er ohne sie sein. „Bitte“, sagte er flehend. „Gib mir nur zehn Minuten. Ich bitte dich.“



Gegen den Rat ihrer Freundinnen traf sie sich mit ihm. Gegen ihren Willen zog sie das Kleid an, das er so sehr liebte.



Er wartete schon im Restaurant auf sie. Und sein faszinierter Blick sagte ihr, dass sie den Kampf gegen diese Frau gewonnen hatte.

Er redete ungewöhnlich viel an diesem Abend. Sagte ihr, dass alles keine Bedeutung für ihn hatte.

„Es war nur der Körper“, entschuldigte er sich.

Er sprach von einem „Remake“ und lächelte verheißungsvoll.

Sie gestattete ihm, sich neben sie zu setzen, ihre Hand zu halten.



Sie wollte gerade ihr Glas anheben und ihm zuprosten, als ein Geruch in ihre Nase stieg. Ein unbekannter, unangenehmer. Etwas zu würzig, zu zimtig, entschieden zu männlich.



Sie stellte das Glas wieder auf ihren Platz.

Tränen stiegen ihr in die Augen.

„Es geht nicht“, sagte sie.

Letzte Aktualisierung: 20.03.2008 - 10.11 Uhr
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