Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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April 2008
Verehrtes Begegnen
von Juli Jaschek

An einem glänzenden Maitag kam Masao Takaki, Juniorchef einer mittelständischen Handelsfirma, in München an. Sein Filialleiter Yamamoto hatte ihn abgeholt und als sie im Taxi zu seiner neuen Wohnung fuhren, vorbei am Friedensengel, dem Nymphenburger Schloss und all dem Frühlingsgrün der Parks, kam Masao diese Stadt noch herrlicher vor, als er sie sich vorgestellt hatte.
„Sehr schön“, sagte er mit tiefer Stimme und lächelte würdevoll, wie es sich für einen Spross seiner Familie geziemte.
„Ja“, bestätigte Yamamoto. „München ist eine Augenweide.“
Dass etwas, was den Augen eine Weide bot, die anderen vier Sinne womöglich benachteiligen könnte, erfuhr Masao am nächsten Tag, als er sich in einen der berühmten Biergärten begab, um das Münchner Bier zu genießen. Eine wuchtige Frau, die den Busen fast blank trug, näherte sich seinem Tisch, beugte sich herab, bis der Busen vor seinem Kinn hing und kläffte ihm eine Reihe von Lauten ins Gesicht.
Innerlich zuckte Masao zurück, nach außen sagte er sehr ruhig: „I-hu me-hu-te Bi-ru bitte.“ An der Waseda Universität in Tokyo hatte er zwei Semester Deutsch studiert, dabei war sein Professor, ein älterer Herr, der Japan niemals verlassen hatte, mit ihm durch die gesamte deutsche Grammatik von den Pronomen bis zu diffizilen Nebensatzkonstruktionen geturnt. Eine Bierbestellung in einem deutschen Lokal der Neuzeit war im Unterricht nicht vorgekommen.
Der Mund oberhalb des Busens öffnete sich wieder, heraus kam ein Strom von Lauten, die sich wie „Ka leee la ta tooo“ anhörten.
Masao nickte, wieder sehr würdevoll, und nach einer Weile knallte die Frau ihm einen Teller mit einem riesigen Stück roten Fleisch auf den Tisch. Die Rechnung lag bei. Masao kostete etwas, legte dann das Geld auf den Tisch und fuhr mit dem Taxi zu dem japanischen Restaurant, das Yamamoto ihm empfohlen hatte.
Was seine Augen heute verzehrt hatten – das Busenfleisch und das rote Stück auf dem Teller – war eindrucksvoll gewesen. Aber Ohren und Zunge würden leer a ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 30.04.2008 - 21.47 Uhr
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