Der himmelblaue Schmengeling
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Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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April 2008
Heimweg
von Ann Nissuth

„Ciao, bella“. Antonio lächelt honigsüß. “ Soll ich dich noch nach Hause begleiten?” Was bildet sich der Kerl eigentlich ein? „Lass gut sein, bello“, antworte ich so cool wie möglich. Ich werfe mir mein Cape über und stolpere graziös zur Tür. War vielleicht doch ein bisschen zu viel „Orgasmus“ heute. Obwohl, hat mir gestern schließlich auch nicht geschadet.
Draußen überfällt mich ein leichter Schwindel. Es ist unangenehm kühl und ich mummle mich fester ein. Aus Gewohnheit nehme ich den Weg über den Parkplatz. „So früh schon unterwegs?“ Ein gutaussehender Mittdreißiger kommt mir grinsend entgegen. Und während ich noch krampfhaft überlege, ob ich nun zurückgrinsen oder aber ihn ordentlich in den Senkel stellen soll, ist er schon lange fort. Feiger Sack! Ich meine, der kann doch eine reife Frau wie mich um diese Uhrzeit nicht einfach so verbal von links begrapschen! Oder hat der im Licht der altehrwürdigen Laterne etwa „Notgeil“ auf meiner Stirn gelesen? Schrecklich, das Wort! Nur noch zu toppen von dem Gefühl, genau zu wissen, was es bedeutet.
Bei Karin oben brennt noch Licht. Ach ja. Zu Zeiten, als sie noch solo war, hätte ich jetzt Sturm bei ihr geklingelt, wäre locker die dreiundachtzig Stufen hochgeschwankt, und sie hätte lächelnd in der Tür gestanden und gemeint: „Komm rein, Kaffee läuft schon.“ Aber nun ist sie ja wieder bemannt und nichts läuft mehr. Keine stundenlangen Wanderungen mehr durch den Wald. Keine erhitzten Diskussionen mehr, ob etwa Thomas Mann seine Umwelt missbraucht hat, indem er sie verewigte. Kein Ablästern mehr über irgendwelche sonnigen Typen in irgendwelchen obskuren Kneipen. Keine gemeinsamen Abende vor dem Fernseher mehr mit Miss Marple und Tortillas süß-sauer… Gott, ist mir schlecht! Tschüss, Karin! Werd du doch glücklich mit deinem blöden Banker. Nie mehr klamme Zeiten, das hat ja schließlich auch was.
Frierend tappe ich die Straße entlang. Wieso wohne ich nur so elend weit weg vom Schuss? Bus fährt um diese Zeit natürlich keiner un ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 30.04.2008 - 21.46 Uhr
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