Burgturm im Nebel
Burgturm im Nebel
"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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Mai 2008
Erinnerung in Silber
von Karl-Otto Kaminski

Der uralte Fliederbusch verdeckt fast ein Drittel der ungepflegten Backsteinfassade, aus der blinde Fenster schauen. Die rissigen Rahmen brauchen dringend einen Anstrich. Damals standen im Vorgarten nur Blumen. Jetzt reifen hier in der warmen Septemberluft Gurken und riesige Kürbisse. Am rostigen Gitter des Zaunes protzen Tomatenpflanzen mit erntereifen Früchten. Von der Gartenbank, auf der ich gern mit Mutter und den Großeltern saß, wenn sie ihre beschwerliche Arbeit auf den Feldern und in den Ställen hinter sich gebracht hatten, ist nichts mehr übrig.
Ich blicke seltsam gehemmt durch das marode Hoftor. Durch die schmiedeeisernen Stangen bin ich als kleiner Bengel manchmal ausgerissen. Einiges davon ist weggerostet in über sechzig Jahren.
Auf der anderen Seite des Hofes hängt stur und sinnlos ein halbes Scheunentor in seinen Angeln. Es gibt da keine Scheune mehr, nur einen Holzpfosten und ein paar Mauerreste, zwischen denen sich mächtige Holunderbüsche breit gemacht haben. Ein verrottender Giebelsparren deutet sinnlos in den weiß betupften Himmel. Im üppigen Unkraut davor geht ein Dutzend schmuddeliger Hühner emsig scharrend seiner Arbeit nach.
Neugierig beäugt mich ein hässlicher, struppiger Hund. In seiner Hütte, wenn es denn noch dieselbe ist, habe ich mir bei unserem treuen Cäsar die ersten Flöhe meines Lebens geholt. Jetzt gibt sein Nachfolger Laut, lässig, wie nebenbei. Er empfindet meine Anwesenheit offenbar nicht als gefährlich.
„Kto tam?“ Eine bunt geblümte Kittelschürze erscheint in der dunklen Türöffnung. Mein Herz macht einen kleinen, unvernünftigen Satz. Die Ohmchen! So wie diese kleinwüchsige alte Frau da, unter deren dunklem Kopftuch die schlohweißen Haare hervorquellen, habe ich meine Großmutter in Erinnerung. Aber die kann jetzt natürlich gar nicht dort stehen. Wir verloren sie im Februar 1945 auf der Flucht bei einem Tieffliegerangriff für immer im Schnee. Und selbst wenn sie es überlebt hätte, wäre sie heute bereits 124 Jahre alt.
„Czego  ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 31.05.2008 - 21.10 Uhr
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