Das alte Buch Mamsell
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Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Mai 2008
Unerwünschter Besuch
von Regina Lange

Ein Zwölfstunden Arbeitstag lag hinter mir und ich freute mich auf mein neues Zuhause. Mein Mann und ich waren erst vor einigen Monaten von Kalifornien nach New Jersey gezogen. Ryan ging hier einen neuen Job nach und ich konnte als freischaffende Fotografin praktisch von überall arbeiten, solange ich meine Kamera und mein Laptop dabei hatte. Mit viel Eifer und Elan machten wir uns an die Renovierung des Hauses und gestalteten es nach unseren Vorstellungen. Unsere gesamten Ersparnisse waren drauf gegangen und dazu hatten wir noch einen kleinen Schuldenberg hinzubekommen. Wir blickten beide dennoch zuversichtlich in die Zukunft und hofften die Schulden in ein paar Jahren getilgt zu haben.
Die Haustür knarrte beim Öffnen. Hm, hier müsste noch einmal Öl ins Scharnier, dachte ich. Mein Schlüsselbund warf ich in eine kleine Schale, die auf einer Anrichte in unserem großen Eingangsbereich stand. Meine Füße schmerzten. Die Pumps und meine Jacke blieben auf dem Fußboden liegen. Ryan regte sich manchmal über meine Unordnung auf, doch das störte mich heute nicht. Er war auf Geschäftsreise und konnte mich heute nicht rügen. Ich wollte direkt ins Badezimmer und ein heißes Bad genießen. Auf dem Weg stutzte ich für einen Moment. Irgendetwas war heute anders. Ein fremdartiger Geruch stieg mir in die Nase. Schweiß und Zigarettenrauch. Das war merkwürdig. Wir rauchten beide nicht und dieser übel riechende Schweißgeruch ekelte mich an. Er sickerte aus dem Wohnzimmer in den Flur. Angespannt betrat ich es.
„Nein! Das kann nicht sein!“
Mein Herzschlag schien einen Moment auszusetzen und dicke Tränen liefen über meine Wangen.
„Wer macht so etwas?“ Kopfschüttelnd presste ich meine Hand auf dem Mund. Stand wie angewurzelt da und ließ meinen Blick durch unser verwüstetes Zimmer schweifen. Es war nicht viel von unserer liebevollen Einrichtung übrig geblieben. Die Schubladen unserer Schrankwand waren herausgezogen und der gesamte Inhalt auf dem eichenfarbigen Laminatboden verstreut worden. Vasen, Bilder, Kerzenständer, Figuren, alles, was ich in mühevoller Kleinarbeit ausgesucht, gekauft und dekoriert hatte, lag zerschmettert auf dem Boden. Bücher aus dem Regal gerissen. Die neue Ledergarnitur war übersät mit Messereinstichen. Die Sofakissen aufgeschlitzt. Scherben über Scherben von Gläsern, Flaschen und Geschirr lagen überall. Unfassbar. Meine Beine fingen an zu zittern, gaben nach und ich landete auf meinen Knien. Das schöne neue Heim lag wie ein geplatzter Luftballon vor mir und ich saß schluchzend mittendrin. Wut und Trauer erfüllten mich. Ein Magenstechen riss mich aus meiner Lethargie und Angst überkam mich. War ich überhaupt alleine im Haus?
Mühevoll rappelte ich mich auf, griff nach dem Schürhaken vom Kamin und schlich durch die Wohnung.
„Hallo, ist hier jemand?“
Natürlich keine Antwort. Wenn hier noch jemand verweilte, dann würde er bestimmt nicht auf meine blöde Frage reagieren.
Vorsichtig ging ich in Richtung Schlafzimmer. Einen Moment verharrte ich. Horchte, ob irgendwelche Geräusche zu vernehmen waren. Nichts! Den Schürhaken fest umklammert schob ich behutsam die halb geöffnete Tür auf. Entsetzt ging mein Blick durch unser Schlafzimmer. Dreckige Fußabdrücke verunzierten die gute Satinbettwäsche. Der gesamte Inhalt des Kleiderschranks und des Kosmetikkoffers lagen auf dem beigefarbenen Teppichboden verstreut. Einschließlich des 100 Dollar Parfüms, welches die Auslegware aufgesogen hatte. Ich war in Rage und mein Puls raste. Wer war für diese mutwillige
Zerstörung verantwortlich?
Der Täter hielt sich scheinbar nicht mehr hier auf und so ging ich bewaffnet mit dem Schüreisen vorsichtig weiter, um die anderen Zimmer zu überprüfen. In einem schlimmeren Zustand als die bisherigen Räume konnten sie kaum sein. Der Fußboden knarrte. Ich zuckte zusammen. Blieb wieder stehen und lauschte. Totenstille. Nur mein heftiger Atem durchbrach die Stille wie ein Echo im Gebirge. Schritt für Schritt tastete ich mich näher an unsere Küche heran, aus der wieder dieser ekelhafte Geruch mir entgegen strömte. Sollte er doch noch…
Das plötzliche Schrillen des Telefons ließ mich zusammenfahren. Ich stand wie versteinert da. Es klingelte mehrmals bis sich schließlich der Anrufbeantworter einschaltete. Ryans Stimme erklang: „ Hallo Liebling…“
Ich spurtete zum Telefon ins Wohnzimmer. In dem Moment als ich den Hörer abnehmen wollte legte sich eine Hand auf meinen Mund und eine kalte Klinge drückte gegen die Kehle.

Letzte Aktualisierung: 27.05.2008 - 09.36 Uhr
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