Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Mai 2008
Der Dialog
von Martina Michel

Der Blick zur Uhr verriet ihr, kurz vor 11°°. Wenn sie sich beeilt und schnell noch den Küchenboden wischt, hätte sie fast zwei Stunden Zeit für sich bis sie die Kinder von der Schule abholen muss.
Da könnte sie fast ihr Kleid sogar zu Ende nähen um es morgen zur Arbeit anzuziehen.
Dafür liebte sie ihren freien Tag. Schnell den Haushalt gemacht und dann abtauchen in Ihre eigene Welt – nur Zeit für sich selbst.

Sie hatte gerade zum letzten Wischschwung angesetzt, als es an der Tür läutete. Mist – das sind bestimmt Schwiegereltern. In letzter Zeit ist eine unangenehme Regelmäßigkeit dieser Besuche entstanden.

Sie setzte ihr Lächeln auf, wie andere ihre Brille und öffnet die Tür. Fast wäre es ihr aus dem Gesicht gefallen – tatsächlich wieder Schwiegereltern. Irgendwie musste sie ihnen klar machen, dass sie nicht so auf diese regelmäßigen Besuche an ihrem freien Tag stand. Aber die Frage ist „Wie sage ich´s den Schwiegereltern?“

Schwiegermutter: „Wir waren gerade in der Nähe, nä Günther ?“
Schwiegervater: „Hmhm und wollten nur kurz vorbei schauen! Woll´n auch gar nicht lange stören!“

Sie schloss die Tür und schaute auf ihren frisch gewischten Boden, auf dem sich leichte Fußspuren Richtung Küche abzeichneten. ´Gerade in der Nähe!`dachte sie, während sie ihren Schwiegereltern in die Küche folgte und ihre Strumpffüße die Spuren beseitigten ließ. ´Bei zwei Straßen weiter wohnen, ist man immer in der Nähe!`

„Kaffee?“ lächelte sie und machte schon mal das Wasser heiß.

Schwiegervater: „Ja, ach wenn du eh einen kochst.“
Schwiegermutter: „Ach mach dir keine Mühe, ich trink bei Günther mit, nä Günther?“

Beim Milch in den Kaffee gießen, fielen die Champignon in ihren Blickwinkel. Wenn sie schon nicht zum Nähen kam, dann könnte sie das Mittagessen schon mal vorbereiten. Vielleicht kam sie nach dem Essen zum Nähen.

Schwiegermutter: „Also das habe ich gerade in der Bella gelesen. Man soll gar nicht so viele Pilze essen, die sind für die Kinder ganz schwer verdaulich, nä Günther?“
Schwiegervater: „ Ja im Bericht, neulich im Fernsehen, sagte ein Fachmann, dass die Pilze voll mit Pestiziden sind.“
Schwiegermutter: „Wir holen unsere immer bei EDEKA, da soll es ja die Besten geben, nä Günther?“

„Meine hier sind vom Ökomarkt! Und einmal im Monat ganz gut verträglich!“

Sie stellte sich mit ihren zu schnippelnden Pilzen ans Fenster, mit dem Rücken zu ihren Schwiegereltern. So konnten sie nicht sehen, dass sie bei deren „Täglich-grüßt-das-Murmeltier-Bemerkungen“ mit den Augen drehte oder Grimassen zog. Gleich kam bestimmt das Thema Küche. Am Wochenende hatten sie und ihr Mann, ihren Schwiegereltern erzählt das sie Küche und Wohnzimmer tauschen wollten. Dann könnten sie einen großen Küchenblock in die Mitte stellen und den großen alten Bauernschrank als Küchenschrank benutzen, das wollte sie immer schon gern haben.

Schwiegervater: „Also Brigitte und ich haben gestern über eure Küchenidee gesprochen, dass wäre total dumm, wenn ihr das macht, dann würdet ihr, wenn ihr das Haus verkaufen wolltet, es nie verkauft kriegen. Da hab ich gerad´ letztens einen Bericht gesehen.“
Schwiegermutter: „Außerdem hast du doch eine schöne Küche, nä Günther?“

„Hmhm!“ - das glaubte sie jetzt nicht. Hatte sie jetzt ein Dejavue oder konnte sie Gedanken lesen?
Wieso mussten die sich immer in alles einmischen und Ahnung haben sie auch keine.
„Aber dann musst du mal zu IKEA gehen, da sind ganz viele große Wohnküchen, die sind total in jetzt,
das wäre eher ein Kaufgrund. Aber davon mal abgesehen - wir wollen doch gar nicht verkaufen.“
Fast hätte sie sich vor Wut aus versehen in den Finger geschnitten.

Wie ein Pantomime holte sie ihr Lächeln wieder hervor, drehte sich um fragte: „Möchte jemand noch einen Kaffee?“

Schwiegervater: „Och , ja ´nen Kleinen! Wir wollen ja auch gleich wieder los“
Schwiegermutter: „Günther, du sollst nich´ so viel Kaffee trinken!“

Genau – und schon gar nicht an meinem freien Tag in meiner Küche! wollte es gerade aus ihr heraus sprudeln. Doch sie war geübt im Aushalten und stellte den Wasserkocher noch mal an.
Der Blick zur Uhr verriet ihr, dass es kein Entrinnen gab. Zu früh um schon mal los zu fahren, zu spät um noch Zeit für sich zu haben. Aber sie brauchte die Nudel und die waren im Keller.

„Bin gleich wieder da!“ Sie ging runter zum Vorratsraum und tat so als müsst sie fürchterlich lange nach den Nudeln suchen. Während dessen war schon der nächste Küchendialog in ihren Gedanken in Gange. Schwiegermutter, Schwiegervater und die Nudeln – ach bestimmt auch die Lasagne.

Wie beim Weg zum Henker schlich sie, die Nudeln im Gepäck, die Treppen wieder hoch zur Küche.
Sie hatte kaum den Nudeltopf in der Hand, als Schwiegermutter anfing:

„Ach, das Günther aber auch keine Nudel isst. Früher, als Günther noch gearbeitet hat, da hab ich mir ja mittags mal Nudeln gemacht.“
„Nee, die Dinger kommen mir nicht auf´n Teller!“
„Am besten ist ja meine Spinat-Lasagne, da kannste Beate fragen!“
Wäre Beate jetzt da gewesen, hätte sie „Nä, Beate!“ auch noch beigefügt.

Im Gegensatz zu Kapitän Hook hätte sie jetzt gern das zeit tickende Krokodil gehört.
Sei es, dass es Zeit wäre die Kinder abzuholen oder das einfach Schwiegerelterns Zeit vorüber ist.
Wieso hatte sie nicht so ein Notknopf. Auf den sie in den ´Hilfe, Schwiegereltern sind da` Zeiten drauf drücken konnte und dann würde eine Nachbarin sie anrufen und sie bitten schnell zu kommen um ihr bei Nirgendetwas zu helfen.

„Und sonst so?“ Ach her je, wieso fragte sie das denn jetzt. Nun ist jegliche Hoffnung verloren.
Arzt, Einkauf, Vermieterin, Fußball...- jetzt hatte sie die ´Schwiegervater`-Frage gestellt.

„Also beim Einkauf heute morgen, nä Brigitte?“
„Ja, da ist nix los, die Leute ha´m kein Geld mehr in der Tasche!“
„Die Einzigen, die da die Tüten wegschleppen, sind die ganzen Arbeitslosen...“
„Mindestens vier Tüten schleppen die da weg, nä Günther?“
„Ja und wenn sie da nicht sind, sitzen sie beim Arzt, da waren wir auch heut´morgen.“
„Das war vielleicht voll, über ´ne Stunde mussten wir warten, nä Günther? Dabei ham die nicht ma´was! Und du mit deinem kaputten Arm musstest so lange warten, nä Günther?“

Einkaufen – das ist es!

„Ach Mist, ich habe gar kein Kuchen für heute Nachmittag, da wollte noch ´ne Freundin zum Kaffee kommen! Tut mir Leid, aber ich muss jetzt schnell vor der Schule noch mal zum Einkaufen!“

Letzte Aktualisierung: 20.05.2008 - 11.13 Uhr
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