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Juni 2008
Die Spieluhr
von Susanne Ruitenberg

Hans schlenderte mit seinen Markteinkäufen im Korb die Grabenstraße entlang. Erst vier, er hatte noch Zeit, bis die Sportschau anfing. Wie langsam die Tage vergehen ohne den anstrengenden Berufsalltag, dachte er, und sah einem Kind zu, das geschickt mit seinem silberfarbenen Tretroller einem Hundehaufen auswich. Ganz in Gedanken, war er zu weit gelaufen. Umkehren? Nein, er würde einfach die nächste Querstraße nehmen. Er hob den Kopf. „Birkenstraße, habe ich dich schon einmal betreten?“ Das Straßenschild schwieg sich aus. Hans bog in die Straße ein. Eng war sie, vollgeparkt mit Autos, der Gehweg verschwand unter einer dicken Lage Platanenblätter. Er stocherte mit der Fußspitze darin herum. „Straßenschild, du lügst.“ Die Häuser versteckten sich hinter den Bäumen, als schämten sie sich für ihr schäbiges Aussehen. Petunien und Geranien welkten auf manchem Balkon vor sich hin und aus einem Fenster im Erdgeschoss des ersten Hauses schaute eine alte Frau heraus. Hans lupfte seinen Hut. „Guten Tag.“ Sie knallte das Fenster zu. „Spinnerin“, murmelte er und setzte seinen Weg fort. Eine Markise kam in Sicht. Ein Laden in dieser verschlafenen Straße? Als würden sie die Abwechslung Willkommen heißen, beschleunigten seine Füße und trugen ihn vor das Schaufenster. „Wilberts Fundgrube“ stand in zerkratzten Klebebuchstaben auf der Tür. Staubige Überbleibsel vergangener Leben hinter trüber Fensterscheibe. Dann sah er sie. Eine Spieluhr, mit einer Balletttänzerin darauf. Sie hob sich von dem ganzen Tand ab wie eine Rose, die aus toter Landschaft sprießt. Das Porzellanmädchen hob die Hände über den Kopf, sah in die Luft. Auf einem Fuß stand sie, das andere Bein hatte sie angewinkelt, die Fußspitze zeigte zum Knie als wolle sie sagen „schau, wie anmutig“. Sie trug ein Tutu aus rosafarbenem Tüll. Aber was Hans’ Blut in seinen Ohren rauschen ließ, ihn schwindelig machte, war ihr Gesicht. Unmöglich! Das war Agnes, seine Agnes, wie sie vor über vierzig Jahren auf der Kerb ausgesehen hatte.  ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 19.07.2008 - 14.02 Uhr
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