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Juni 2008
AUFSTELLUNG BITTE !!
von Heidi Eleonora Wiench

Hätten Sie einen Augenblick Zeit, mich in die „Welt des Sports“ zu begleiten?
Als ausgebildete Jazz Dance Trainerin habe ich seit gut zwanzig Jahren die Gelegenheit, Menschen mit Hilfe von Musik und Bewegung in Form zu bringen.
Nun, denke ich, ist es an der Zeit, ein wenig über meine Anfänge zu plaudern.

In einem Sportcenter finden sich Geräte, die bei regelmäßiger Benutzung, Bauch, Brust und Po straffen sollen.
Fahrräder, Laufbänder und Stepper stehen aufgereiht wie Soldaten vor einem dieser gigantischen Spiegel, welche einen sofort auf jede, noch so klitzekleine, Problemzone aufmerksam machen.
Die Fußböden sind, den Hygienevorschriften sei Dank, meistens gefliest und, um die Atmosphäre gemütlicher zu gestalten, stehen in einigen Ecken Grünpflanzen, die jeden Tag aufs Neue den Kampf gegen das Kohlenmonoxyd aufnehmen müssen.

Meine Problemzonen fest im Blick, wagte ich den ersten Schritt und betrat so einen Sportpalast.
Laute Musik und fast schon militärische Anweisungen begrüßten mich, worauf mein Magen sofort mit einem flotten Wippen antwortete. Ganz im Rhythmus versteht sich.
`Hier wird man dich foltern! ` Schrie mich mein innerer Schweinehund an.
Mit Skepsis und Neugier folgte ich den rhythmischen Klängen und fand mich vor einer großen Glasscheibe wieder, die etwa dreißig Männer und Frauen vom Rest der Welt abschirmte. Alle versuchten auf dem scheinbar glatten Parkettboden den Schritten der „Vortänzerin“ zu folgen, was in den hinteren Reihen zu Kollisionen führte.
Mein Mut, eine „Sportskanone“ zu werden, sank mit jedem Schritt in Richtung Rezeption. Ich stellte mir mein Erscheinungsbild in so einem Kurs vor.
Ein grauenvoller Gedanke, der sofort die zwingende Frage aufwarf: Musst du dir dass antun?
Ich konnte diesen Gedanken nicht zu Ende führen, denn, strahlend und aufs höchste motiviert, kamen Supermann und sein perfekter Körper auf mich zu.
`Auf der Straße würde der dich gar nicht bemerken`, ging es mir durch den Kopf und ich wurde puterrot.
Nach einem kurzen Gespräch über meinen Gesundheitszustand und mein bisheriges „sportliches“ Leben, brauchte ich nur noch meine Unterschrift unter das Aufnahmeformular zu setzen.
Los ging es mit einem Rundgang durch die geheiligten Räume.
Als erstes führte mich Supermann in seinen Fitnessraum.
Hier nahm mir eine Duftwolke aus Davidoffs Cool Water gepaart mit Männerschweiß, den Atem. Kurze Erklärungen folgten, bei denen es sich Supermann nicht verkneifen konnte, ein wenig herablassend zu grinsen.
Oder bildete ich mir das nur ein?!
Und weiter ging es.
Da, der Tanzsaal! Hilfe suchende Blicke trafen durch die Glasscheibe meine Augen, doch ich musste weiter.
Es folgte der Damenumkleideraum, welcher mit abschließbaren Metallschränken und Holzbänken ausgestattet war, die so schmal waren, dass gerade ein kleiner Teil meines Gesäßes darauf Platz fand..
Jacken und Taschen standen in wildem Durcheinander herum und zahllose Schuhe verströmten ihr besonderes Aroma. Das leise Gedudel der Musik im Hintergrund machte mich nervös und meine Nasenflügel zitterten, beim Versuch nicht zu viel des neuen, unbekannten Duftes einzuatmen.
Neugierig schaute ich mich um.
Hinter der Holztür, an der Sauna stand, fanden sich tatsächlich eine finnische Sauna, ein türkisches Dampfbad und eine Biosauna.
`Bio? Hört sich gut an. Hier kannst du dann deinen „Superkörper“ zur Schau stellen!
Jetzt nur nicht kneifen! Du hast unterschrieben!
Ich zog mir mein brandneues Sportoutfit an, das ich auf Anraten der Verkäuferin eine Nummer größer gekauft hatte, und betrachtete mich im Spiegel.
`Brauchst du wirklich Sport? `, fragte mich mein Abbild, doch ich war bereit. Bereit den Kampf mit den Pfunden aufzunehmen.
Brav meldete ich mich beim Trainer zurück, der mich kurz musterte und mit mir im Schlepptau in den Trainingsraum ging.
Hier hatte jemand, um der Gefahr des Todes durch Sauerstoffmangel zu entgehen, ein Fenster geöffnet. Super Idee!!
Mit der Bemerkung, Aufwärmen sei wichtig, stellte mir Supermann das Ergometer – ich sag heute immer noch Fahrrad dazu – ein und war auch schon wieder entschwunden.
Also radelte ich.
Mein Handtuch, welches ich sportlich aktiv um den Hals geschlungen hatte, hielt mein Make up davor zurück, in meinem Ausschnitt zu verschwinden.
Ich radelte und radelte, während ich neugierig mein Umfeld beobachtete.
Was einem doch alles entgehen konnte, wenn man seine Abende vor dem Fernseher verbrachte!
Ein super Film lief da vor meinen Augen ab und ich teilte die „Schauspieler“ in folgende Kategorien ein:

MÄNNER
„Der Gockel“: Lächelnd, in kurzen Hosen und Muskelshirt, stolziert er durch den Trainingsraum, um hier und da einen Gruß fallen zu lassen
„Der sich Liebende“: Immer mit der neuesten Sportmode bekleidet, kommt er an keinem Spiegel vorbei, ohne hinein zu schauen.
„Der alte Hase“: In engen Radlerhosen und T-Shirt, in nicht zu schätzendem Alter. Meistens geht „Mann“ mit leicht abgewinkelten Armen, frei nach dem Motto „Brust raus, Bauch rein“.

FRAUEN
„Die Hübsche“: Die gar nicht schwitzt, weil ihr Make up sonst verrutscht (wie macht die das?)
„Die Schüchterne“: Die mit gesenktem Kopf trainiert und möglichst nicht wahrgenommen werden möchte
Und zu guter Letzt: „Die im Rudel auftreten.“ Achtung, Männerwelt wir kommen! Wir sind lustig, immer gut drauf und brauchen keinen von Euch!
Mit dem fragenden Blick zum nächsten Mann: Na, gefällt dir mein Po?

Die Zeit verging wie im Fluge. Supermann kam zurück und ich musste meine interessante Studie abbrechen.
Er brachte mich zum Tanzsaal, wünschte mir, wieder grinsend, alles Gute und ließ mich stehen.
Der Tanzsaal war inzwischen leer. Die Ausdünstungen derer, die zuvor gefoltert wurden, hingen noch in der Luft.
In wenigen Minuten würde die Anfängerstunde beginnen.
Mir schwante Böses als es nun hieß: „Aufstellung bitte“
Diese erste Stunde brannte sich in mein Gehirn.
Ich gab mein Bestes. Immer darauf bedacht, nicht Rechts mit Links zu verwechseln, nicht auf dem glatten Boden zu stürzen und meinen Mitstreitern auszuweichen wurde ich nach fünfundvierzig Minuten erlöst. Ich war völlig erledigt.
Klitschnass geschwitzt schlich ich zurück in die Umkleide, zog mich um und schleppte mich nach Hause.
Eine Woche später, es mögen auch ein paar Tage mehr gewesen sein, als der nachlassende Muskelkater wieder alltägliche Bewegungsabläufe zuließ, fing ich an, regelmäßig in die Tanzstunden zu gehen.

Nun, das waren sie also, meine Anfänge als „Sportskanone“.
Ich hoffe es hat Ihnen ein wenig Spaß gemacht, mit mir in Erinnerungen zu schwelgen. Na ja, und vielleicht treffen wir uns ja eines schönen Tages, wenn es wieder einmal heißt: „Aufstellung bitte!!“

Letzte Aktualisierung: 04.06.2008 - 13.17 Uhr
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