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Oktober 2008
Freitag
von Sabine Barnickel

Freitag, 13. Juni, sagte der Kalender. Das konnte nur ein guter Tag werden, dachte Jo, ein persönlicher Glückstag, schließlich war er selbst an einem solchen Tag geboren: Freitag, 13. September 1985. Er summte fröhlich irgendein Lied im Radio mit. Er war überzeugt davon, dass sein Vorhaben heute unter einem besonders guten Stern stand und lachte über das Radio-Horoskop: Der gründlichen Jungfrau werden heute Stolpersteine in den Weg gelegt – vertagen Sie größere Unternehmungen…

Er hatte sein Vorhaben penibel geplant, sich gegen alle Eventualitäten abgesichert. Die Besitzer der Gründerzeitvilla waren am Vortag für ein verlängertes Wochenende verreist, das Sicherheitssystem war leicht zu knacken gewesen, somit war er in der Lage gewesen, die Alarmanlage punktgenau außer Gefecht zu setzen: Einmal um das Haus zu betreten und einmal, um es genauso wieder zu verlassen – dazwischen konnte sich niemand unbemerkt kommen oder gehen, nicht einmal die Bewohner selbst. Zeitfenster: eine Stunde dreißig.
Jetzt hatte er genau noch zwanzig Minuten, bis er das Haus wieder verlassen konnte, ohne Alarm auszulösen. Zeit, um noch einmal zu kontrollieren, ob er nicht doch Spuren hinterlassen hatte, reine Routine und Beschäftigungstherapie gegen aufkeimende Nervosität. Nein, sie würden wahrscheinlich tagelang nicht bemerken, dass etwas fehlte. Wertvolle Zeit die Beute unauffällig zu Geld zu machen. Er war zufrieden.
Jos Blick fiel auf den Schrank mit der Waffensammlung – alles voll funktionstüchtig, inklusive Munition. Er runzelte die Stirn. Er hatte kein Interesse an Waffen. Er hatte keine, wollte auch nie eine benutzen, hasste Gewalt in allen Formen. Irgendetwas stimmte nicht, nicht mehr. Er war ein guter Beobachter, Detailliebhaber. Und mit Sicherheit fehlte da eine der Pistolen, die sich vorhin noch an ihrem Platz befunden hatte. Er schüttelte den Kopf, das konnte nicht sein. Mit behandschuhten Fingern fuhr er über das Schloss des Schranks. Alles in Ordnung. Wie konnte er übersehen haben, dass die Sammlung nicht komplett war?

Noch fünfzehn Minuten, bis er das Haus verlassen konnte. Sein Blick hing immer noch an dem leeren Platz in der Waffensammlung. War da ein Geräusch im oberen Stockwerk? Die feinen Härchen in seinem Nacken stellten sich auf. Wurde er etwa paranoid?

Jo ging nach oben, die Unruhe trieb ihn. Er wollte eigentlich nur noch raus, aber das ging noch nicht. Immer noch zwölf Minuten Zeitfenster. Die Tür zum Schlafzimmer stand einen Spalt offen. Er hatte sie geschlossen. Irgendetwas stimmte hier mit Sicherheit nicht. Raus, raus, raus aus diesem Gefängnis, warnte ihn sein Unterbewusstsein. Doch er hatte keine Wahl, nicht in den nächsten elf Minuten. Er ging weiter auf die Tür zu, zögerte kurz bevor er sie aufstieß.

Seit fast zehn Minuten starrte ihm sein Abbild aus den Spiegeltüren des Schlafzimmers entgegen. Er beachtete es nicht, stand einfach da, regungslos, jegliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Auf dem Bett lag der leblose Körper einer Frau, daneben eine Waffe – die fehlende Pistole aus der Sammlung, mit Sicherheit. Eine Minute noch, doch er stand wie angewurzelt da. Zeit eine Entscheidung zu treffen. Man würde seine Fingerabdrücke auf der Waffe finden, man würde ihn finden. Er trug immer noch seine Handschuhe, als er nach der Waffe griff...

Letzte Aktualisierung: 12.10.2008 - 21.51 Uhr
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