Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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November 2008
Die Alte vom Walde
von Sylvia Seelert

Der Rücken schmerzte. Jeden Morgen, wenn sie sich ächzend aus ihrem Bett erhob. Streckte sie sich ein wenig, knackten ihre Knochen dabei wie Äste im Sturmwind. Die Zeit hatte sie gebeugt und tiefe Falten in ihr Gesicht gemeißelt. Auf einen knorrigen Eichenstock gestützt humpelte sie in die Küche und begann mit dem Tagewerk. Sie schürte die Glut in dem alten Steinofen, bis das Feuer aufloderte und sich seine Hitze in der ganzen Hütte ausbreitete. Mehl, Eier und Milch rührte sie zusammen und knetete dann mit krummen Fingern den Teig durch.
Ein Knistern und Rascheln schreckte sie auf. Es kam nicht von den Holzscheiten im Ofen. Jemand war dort draußen und machte sich an ihrem Haus zu schaffen. Mit erhobenem Stock stieß sie die Tür auf und blickte in zwei erschrockene Gesichter. Ein Junge und ein Mädchen. Beide blondgelockt und in Lumpen gehüllt. Der Junge hielt ein Stück Lebkuchenziegel in der Hand und der Mund des Mädchens war mit Zuckerguss beschmiert.
„Taugenichtse, bestehlt eine arme, alte Frau“, schrie sie mit vor Wut bebender Stimme.
„Arme Frau … ha … das is’ doch ein Witz!“
Der Junge schwenkte die Hand mit dem angebissenen Backwerk in ihre Richtung.
„Mit Lebkuchen und Keksen machen Sie zu Weihnachten ein Mordsgeschäft.“
„Nicht, Hänsel!“ Das Mädchen zupfte den Jungen am Ärmel seines ausgeleierten Sweatshirts.
„Geschäft … von wegen …“, krakeelte die Alte. „Die Discounter machen mir den Markt kaputt und seit der Finanzkrise ist ein großer Teil meiner Altersvorsorge dahin.“
Sie donnerte ihren Stock auf den harten Lehmboden.
„Und dann kommen zu allem Übel noch so zwei dahergelaufene Gören, knabbern an meinem Häuschen herum und sind frech zu mir. Wegen Diebstahl sollte ich euch anzeigen!“
Hänsel versteckte schnell den Kuchen hinter seinem Rücken.
„Ähm, der Wind hat den Ziegel herunter gerissen. Ich habe ihn nur aufgehoben, nicht wahr, Gretel?“
Hilfesuchend blickte er zu dem Mädchen, das verschämt auf den Boden guckte und dort mit ihrer Fußspitze imaginäre ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 30.11.2008 - 21.30 Uhr
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