Honigfalter
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Dezember 2008
Dämmerung
von Wilhelm Hasse

Eines Nachts wurde der Mann wach und schaute zum Fenster hinaus. Was er sah, erstaunte ihn sehr. Es war nicht dunkel. Er suchte den Himmel ab, nach einem leuchtenden Mond, nach glitzernden Sternen, aber der Himmel war blau. Der Mann konnte zwar keine Sonne sehen, vermutete sie aber irgendwo, denn wo sonst sollte die Helle herrühren, wenn kein Mond, kein Stern und nicht einmal ein Polarlicht dafür sorgten. Auch konnte in diesen Breiten keine Mitternachtssonne vorkommen, das wusste der Mann. Er öffnete leise das Fenster und spähte in seinen Garten. Die Tulpen hatten ihre Kelche geschlossen, kein Sperling tschilpte, keine Amsel scharrte nach Würmern. Er wandte seinen Blick zur Straße, da fuhr kein Auto, ging kein Mensch entlang, und die Schaufenster der Läden waren vergittert. Der Mann war sicher, einem Naturereignis der besonderen Art beizuwohnen, was sein Mitteilungsbedürfnis erregte. Er weckte seine Frau. Diese war sehr ungehalten, denn sie hatte sich gerade in traumschwerem Tiefschlaf befunden und weigerte sich, den Kopf zum Fenster zu drehen, geschweige denn, sich zu erheben. Auch nicht, als er ihr aufgeregt immer wieder von der wundersamen Helle in einer eigentlich finsteren Nacht berichtete. Sie knurrte ihn an, ob er wisse, wie spät es sei, und zog sich die Decke über den Kopf. Der Mann seufzte, weil er sein Erlebnis mit niemandem teilen konnte. Dann ging er ins Wohnzimmer und schaltete das Radio ein. Es gab sanfte Nachtmusik, und der Nachrichtensprecher ließ weder durch seinen Tonfall etwas Außergewöhnliches erkennen, noch wichen die Meldungen vom Üblichen ab. Der Mann warf einen Blick auf die Kirchturmuhr. Ein Sonnenstrahl ließ die Zeiger blitzen. Und so etwas kurz nach Mitternacht! dachte der Mann und ging kopfschüttelnd zu Bett. Lange lag er wach und grübelte und grübelte, bis er fest überzeugt war, sich geirrt zu haben, dann schlief er ein. Als der Wecker klingelte, sprang er auf, öffnete das Fenster und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. Seine Frau erhob sich gähnend, trat hinter ihn, schaute hinaus, reckte sich und streckte sich und rief: “Oh, es dämmert schon. Das wird ein schöner dunkler Tag!”

Letzte Aktualisierung: 10.12.2008 - 20.14 Uhr
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