Der Tod aus der Teekiste
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Überraschung | Februar 2009
Mitbringsel
von Karl Heinz Winkler

Bei Schwertbrechers hatte die Urlaubsvorbereitungssaison begonnen. Nicht etwa, dass die Zeit knapp wurde, nein, man war ja erst im Juni zurück gekommen und jetzt ist Oktober, aber Ilona, die Frau Schwertbrecher, vertrat die Meinung, dass eine rechtzeitige Planung die besten Aussichten auf gute Plätze und ein zeitiges Buchen fette Rabatte versprach. Herrn Schwertbrecher, also dem Hans-Gerhard waren die Praktiken seiner Frau bekannt und er wusste, was die nächsten Monate auf ihn zukommen würde.

Nun saßen sie Abend für Abend auf dem Sofa, tranken mal ein Schälchen Tee, auch mal ein Glas Wein und sie, seine Frau, blätterte in den alten nicht mehr aktuellen Katalogen aller möglicher Reiseanbieter. Das alles hätte den Hans-Gerhard ja auch gar nicht gestört, wenn er nicht ständig, in den unmöglichsten Momenten, in diese Planung einbezogen worden wäre. Immer wieder wurde er beim spannendsten Krimi, die Verhaftung des Täters stand kurz bevor, bei hochinteressanten Dokumentationen und anderer sehenswerter Beiträgen, durch einen spitzen Aufschrei seiner Frau aus der Handlung der Sendung gerissen. Sie hatte wieder ein Urlaubsziel gefunden, welches ihrer Meinung nach lohnte, besprochen zu werden. Hans-Gerhard blieb nichts anderes übrig als Interesse zu heucheln und das Für und Wider eines bestimmten Angebotes zu diskutieren, obwohl ihn das nicht so richtig interessierte.

In der ersten Januarwoche musste er dann los, um die diversen Reisebüros abzuklappern, damit die Kataloge für die nun beginnende Saison zusammengetragen werden konnten. Da Schwertbrechers nur mit dem Bus zu reisen pflegten, das war bequemer und auch zur Betrachtung der Landschaften bestens geeignet, brachte Hans-Gerhard die neuesten Angebote ins Haus, welche sich mit dieser bequemen Reiseart befaßten. Es waren mehrere Beutel, meist Geschenke des Veranstalters, gefüllt mit Prospekten, die dadurch im Hauhalt landeten und neben den ungültigen nun in der ganzen Wohnung verstreut rumlagen. Die Auswahl des neuen Zieles wurde intensiviert und beschränkte sich nicht nur auf den Abend, sondern begann bereits am Frühstückstisch, sodass Teller und Tassen in dem Papierwulst kaum noch zu finden waren und auch die sonst regelmäßig gelesene Tageszeitung fristete ein fast unbeachtetes Dasein.
Es prasselte Angebot auf Angebot, vorgelesen von Ilona, auf Hans-Gerhard ein, immer wieder mit der Frage, was er denn davon halte, als ob seine Meinung wichtig wäre. Er druckste jedes mal rum und meinte, man solle sich alles gut überlegen, denn so eine Reise möge ja auch optimal und für beide Seiten erfreulich sein. So ging das mehrere Wochen und Ilona drängte auf eine Entscheidung, da man den Frühbucherrabatt in Anspruch nehmen wolle.

Eines Morgens, die Fragerei wollte wieder kein Ende nehmen, platzte es aus Hans-Gerhard heraus, dass er dieses Jahr noch einmal auf der Insel Krk urlauben möchte. Ilona fiel die halb volle Tasse Kaffee aus der Hand, Hans-Gerhard raffte, da ja schuldig an diesem Vorkommnis, die Kataloge zusammen, holte einen Lappen und versuchte den über die ganze Tischfläche verbreiteten Kaffee nebst Scherben zu beseitigen. Eine nie da gewesene Diskussion begann. Hauptargument von Ilona war die Frage ob es denn nicht reiche, dass man früher immer wieder an die selben Urlaubsorte fahren musste und heute..., heute, wo einem die ganze Welt offen stehe, gewillt der Herrn ein zweites mal an den gleichen Ort zu reisen. Egal, irgendwann und aus nicht nachvollziehbaren Gründen setzte sich Hans-Gerhard durch, vermutlich das erste Mal in seiner Ehe, und eine Reise zur Insel Krk wurde gebucht. Die fünf Prozent Frühbucherrabatt und fünf Prozent Treuenachlass im Preis versöhnte Ilona etwas. Allerdings nörgelte sie während der Reise fast pausenlos rum. So gefiel es ihr zum Beispiel nicht, dass die Landschaft, welche durchfahren wurde, wieder die gleiche sei wie bei der letzten Reise und es kaum etwas Neues zu sehen gab. Dieses Argument war aber, typisch für Frauen, an den Haaren herbeigezogen, denn erstens hatte sie während der Busreise im vergangenen Jahr fast nur geschlafen und von der Landschaft kaum etwas mitbekommen und zweitens fuhr der Bus dieses Jahr eine vollkommen andere Strecke.

Alles in allem jedoch konnte dieser Urlaub als voller Erfolg bezeichnet werden. Die Kulturangebote waren etwas ausgedehnter, das Hotel war besser und das Wetter unterschied sich im Vergleich zum Vorjahr erheblich zu seinen Gunsten. Am letzten Abend dieser doch wieder gelungenen Wochen saßen Schwertbrechers noch einmal am Strand und genossen den Sonnenuntergang, als Ilona nach dem wirklichen Grund seines Wunsches einer Wiederholung des Urlaub auf der Insel fragte und Hans-Gerhard gestand, dass er im vergangenen Jahr vergessen hatte, eine Handvoll Sand für seine Sammlung mitzunehmen.

Letzte Aktualisierung: 04.02.2009 - 20.04 Uhr
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