Ganz schön bissig ...
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Überraschung | Februar 2009
Happy Birthday!
von Ingo Pietsch

Mark saß mit seiner Freundin am Frühstückstisch. Er trank Kaffee und sie las das tägliche Käseblatt.
`Sie ist süß, sieht gut aus, aber warum ist sie nicht sonderlich helle?` Vielleicht war das der Grund, warum es beide schon fünf Jahre miteinander ausgehalten hatten.
„Hier steht, dass der Eisbär Sandy morgen 25 Jahre alt wird – genau wie ich!“
Er starrte sie genervt an: „Und da unten ist dieser Lothar Bohlen abgebildet – wieder mit einer Neuen! Als wenn das irgendjemanden interessieren würde.“
Sie blickte entrüstet zurück, dann klarte sich ihre Blick wieder, als wäre die gehässigen Worte an ihr abgeprallt, und entgegnete ihm: „Ich hoffe, du lässt dir was Besonderes für mich einfallen.“
Etwas musste er sich für sie einfallen lassen. Denn wenn er sich nicht wenigstens ein bisschen um sie bemühte, wurde sie erst schnippisch und dann redete sie eine Zeit lang nicht mit ihm. Und solchen Stress konnte Mark nun wirklich nicht gebrauchen, dafür war das Leben viel zu kurz.
Eigentlich machte sie auf ihn einen glücklichen Eindruck, aber bei Frauen wusste man ja nie.
Mark hatte sich schon Gedanken für morgen gemacht und die wollte er auch gleich am nächsten Tag in die Tat umsetzen.
„Ich habe etwas ganz Tolles für dich, aber du musst dich noch bis morgen Abend gedulden!“
Freudestrahlende Augen schauten ihn an – so einfach war das.

Und dann war da noch Udo, Marks bester und gleichzeitig einziger Freund. Udo war ein Waschlappen, ein Looser hoch drei. Zumindest dachte das Mark über Udo.
`Irgendwie umgebe ich mich nur mit Idioten`. Mark hielt sich für den Größten und das lag auch daran, dass ihm das Meiste, was er anpackte, gelang.
Mit Udo konnte man prima um die Häuser ziehen und Pferde stehlen. Leider stand Udo immer in Marks Schatten und Udo glaubte er würde von seiner Freundschaft profitieren. Aber Mark war schlauer und nutze das Vertrauen und die Freundschaft maßlos aus.
Die beiden trafen sich einen Tag später. Mark wollte mit Udo alles besprechen. Eigentlich nur, um vor seinem Freund anzugeben, was für eine tolle Idee er doch gehabt hatte.
Mark hatte sich für den Tag frei genommen, aber das musste seine Freundin ja nicht wissen. Sie hockte wahrscheinlich eh nur vor dem Fernseher oder ging Klamotten kaufen.
Nachdem sich Mark ausgequatscht hatte und Udo immer nur nickte, ging es los. Als erstes wollte Mark sich so einen MP-Dingsbums-Player kaufen, damit es ihm in der Kiste nicht zu langweilig würde.
Gesagt, getan. Dann gingen die beiden mittags in einen Schnellimbiss und ehe sie es sich versahen, war es Nachmittag.
Zu guter Letzt kamen sie dann bei dem Tortengeschäft an, das diesen besonderen Service hatte.
Udo verabschiedete sich und begab sich schon einmal an den Ort des Verbrechens, wie er es nannte.
Nachdem die finanziellen Angelegenheiten erledigt waren, wurde Mark in die Torten-Kiste verfrachtet und der Deckel über ihm wurde geschlossen.
Es handelte sich um eine rechteckige Box aus Holz, die wie eine Torte dekoriert war. Auf Wunsch konnte man den oberen Teil auch tatsächlich als Torte bestellen. Aber dieser Aufsatz war nur aus Kunststoff, schließlich wollte er ja nicht die ganze Wohnung einsauen. Rechteckig war sie außerdem, da sie sonst nicht durch eine normale Tür gepasst hätte.
Gleich darauf wurde die Box ins Auto verladen und Mark konnte anschließend das Brummen des Motors hören.
Es war zwar dunkel, aber dafür gerade so geräumig, dass er sich drehen konnte. Nach draußen blicken konnte er eh nicht. Bei diesem Modell waren die Luftlöcher im Deckel eingelassen, deshalb sah er nicht, was um herum geschah.
Was er doch alles für Strapazen auf sich nahm. Er wusste ja auch, welche Belohnung er dafür bekommen würde.
Er grinste. Sie war so berechenbar. Er brauchte nur zu schnippen und schon machte sie alles, was er wollte.
Eigentlich wollte er gar keine andere. Sie war genau die richtige für ihn. So treudoof.
Treu war er natürlich auch. OK, er war ein paar Mal fremdgegangen. Na und? Sie hatte es sowieso nicht gemerkt.
Für Mark bedeuteten diese `paar Mal`, treu sein. Die Welt drehte sich ja auch um ihn.
Langsam wurde es warm in der Kiste und er begann zu schwitzen. Lange konnte es nicht mehr dauern, dann wären sie da. Die Musik aus seinem neu erworbenen Gerät lenkte ihn ab.
Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf, weil er sonst einfach nicht die Zeit hatte, zu entspannen und über alles nachzudenken.
Ständig nervte sie ihn mit abgebrochenen Fingernägeln oder ob ihr das Kleidungsstück stand oder nicht.
Ihm wurde immer heißer. Er steigerte sich derart in seine bemitleidenswerten Gedanken, dass er gar nicht bemerkte, wie sein Transport hielt und die Kiste ausgeladen wurde.
Ein Stück wurde sie noch gerollt. Dann bewegte sich die Tortenkiste nicht mehr weiter. Mark glaubte „Viel Spaß, wir lassen dich jetzt bis morgen früh alleine!“ zu hören. So richtig verstanden hatte er es nicht, da Geräusche durch das Holz nur gedämpft an sein Ohr drangen.
Es war still geworden.
Jetzt war der Moment gekommen: Er stemmte mit dem Rücken den Deckel der Torte nach oben.
Es war dunkel und es roch muffig. Und irgendwo in der Dunkelheit knurrte etwas, und das war nicht Marks Magen…

Udo lief in der Wohnung auf und ab. Wie sollte er das Mark erklären? Warum hatte er sie nicht aufgehalten?
Udo hatte nachmittags geklingelt und zum Geburtstag gratuliert. Er hatte sich in Marks Auftrag praktisch selbst eingeladen. Udo war klar, dass es eigentlich ein romantischer Abend zu zweit werden sollte. Da war er das fünfte Rad am Wagen. Aber Mark konnte diese Schnulzenmusik und das ewige `willst du mir nicht irgendwas sagen Gelaber` einfach nicht ab.
Udo hielt inne und setzte sich aufs Sofa. Er sah ständig auf die Uhr und fragte sich, wann denn die Lieferung nun kommen würde.
Vor seinem geistigen Auge lief ab, was vor einer halben Stunde passiert war: Marks Freundin hatte ihn mehr oder weniger freiwillig in die Wohnung gelassen. Sie hatte einen gehetzten Eindruck auf ihn gemacht, so als hätte sie es eilig irgendwo hin zu kommen und ihn gleich wieder loszuwerden. Und da lag er gar nicht mal falsch.
Ein halb gepackter Koffer lag aufgeklappt auf dem Wohnzimmerfußboden. Ein großer Karton stand direkt daneben.
Als sie bemerkte, dass er ihre vermeintliche Flucht vor Mark erkannt hatte, brach sie in Tränen aus. Sie liebte ihn doch, aber er erwiderte diese Liebe nicht. Er behandelte sie wie sein Eigentum und manchmal sogar nur wie Luft. Sie wusste auch, dass er sie mehrmals betrogen hatte. Heute, als er sich etwas `Besonderes` für sie hatte einfallen lassen, wollte sie ihn verlassen. Heimlich, still und leise. Sie wollte einfach nur geliebt werden. Sie war nicht bloß ein Objekt, mit dem man machen konnte, was man wollte. Sie hielt die Wohnung sauber, kochte, machte die Wäsche, brachte den Müll nach draußen und erledigte Behördengänge.
Er musste zu Hause nicht einen Finger krumm machen. Und ihre Shopping-Touren bezahlte sie selbst, weil sie nebenbei noch jobbte und sie ihm nicht auf der Tasche liegen wollte.
Udo starrte sie die ganze Zeit wie ein Auto an. Er sagte nicht ein Wort, weil er wusste, dass sie Recht hatte. Er hielt seinen Mund auch noch, als sie mit Packen fertig war, ihre Sachen nach draußen brachte und ihm zuwinkte, ehe die Tür ganz leise ins Schloss fiel.
Irgendwann klingelte es an der Tür. Udo öffnete und es wurde eine rechteckige Torte hinein geschoben. Er unterschrieb und dann war er wieder allein in der Wohnung.
„Äh, Mark, du kannst rauskommen. Nur ich bin hier. Mark?“ Niemand antwortete. Erst jetzt fiel ihm dieser strenge Geruch auf.
Hoffentlich war Mark nicht erstickt!
Udo ging um die Torte herum. Dort hing ein kleiner Zettel. Auf ihm stand: „Alles Gute zu deinem 25-jährigen Geburtstag, Sandy!“
Das war doch richtig, denn Marks Freundin hieß Sandy. Aber warum war da ein kleiner Eisbär auf dem Zettel abgebildet?
Udo schwante es. Er riss den Deckel der Torte hoch und stierte auf einen großen Haufen frischer Fische.
`Wenn die Fische hier sind, wo ist dann Mark?`

Letzte Aktualisierung: 11.02.2009 - 20.31 Uhr
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