Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten
In diesem Buch präsentiert sich die erfahrene Dortmunder Autorinnengruppe Undpunkt mit kleinen gemeinen und bitterbösen Geschichten.
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April 2009
Heiko 2.0
von Susanne Ruitenberg

„So, Frau Wagner. Ich benötige eine letzte Unterschrift von Ihnen, dann sind wir mit den Formalitäten durch und Sie können ihn mitnehmen.“ Kundenberater Seitz schob ihr ein eng beschriebenes Blatt Papier zu, sie überflog es:
‚Ich, Matilda Wagner, bestätige hiermit ... Ware in einwandfreiem Zustand erhalten, wie am Samstag, den 6.4.2026 vorgeführt ... Kein Umtausch, keine Reklamation ...’
Ohne zu zögern, unterzeichnete sie auf der vorgesehenen Linie und reichte das Blatt zurück. Seitz zog eine Kopie, reichte ihr diese, steckte das Original in eine Hülle und ließ es in seinem Safe verschwinden. Wie umständlich, dachte sie; alles auf Papier, anstatt wie üblich mit dem Chip im Daumen zu unterzeichnen. Das passte gar nicht zu der hochkomplexen Ware, die hier angeboten wurde, aber das war nicht ihr Problem. Ihr Problem war eher, wie sie die dreißigtausend Eurodollar zurückzahlen sollte.
Seitz drückte einen Knopf auf seinem Schreibtisch. „Bitte das Exemplar Heiko Wagner zur Auslieferung herein bringen.“
Kurze Zeit später klopfte es und zwei Assistentinnen in identischen grauen Hosenanzügen traten ein. Matilda sah gebannt zur Tür. Ein hoch gewachsener Mann ging zwischen ihnen.
Ihr Mann.
Er war perfekt, wie sie in der Vorführung vorhin hatte sehen können. Fehlerfrei. Besser als das Original. Wenn schon diese teure Prozedur, hatte sie gedacht, dann gleich richtig, und „KORREKTUR OPTISCHE FEHLER“, „KORREKTUR VERANLAGUNG ZU KRANKHEITEN“, und „VERJÜNGUNG“ angekreuzt. In das Feld „Anzahl Jahre“ hatte sie allerdings nur fünf geschrieben. Schließlich musste er noch zu ihr passen. Da stand er vor ihr und sie wischte den Gedanken beiseite.
„Hallo Heiko.“
„Hallo, Liebes“, antwortete er, und zwinkerte ihr zu. In diesem Moment wusste sie, dass sie die richtige Entscheidung gefällt hatte. So hatte immer nur ihr Mann gezwinkert. Nein, korrigierte sie sich gleich in Gedanken. Dieser ist jetzt mein Mann, egal, seit wann es ihn gibt und wie er entstand. Und wie ihr armer Schat ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 01.05.2009 - 10.32 Uhr
Dieser Text enthält 8084 Zeichen.

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