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Mai 2009
Deutscher Herbst
von Bernd Kleber

„ ... Da lag die Ewigkeit wie ein schöner Maitag vor unsern Augen; goldne Jahrtausende hüpften, wie Bräute, vor unserer Seele vorbei. ¹ ... “

Die Nachrichten zu dieser Zeit waren dominiert vom Terrorismus. Schleyer, der Arbeitgeberpräsident, war entführt worden. Wir aber waren geschockt, weil unsere Deutschlehrerin gestorben war.
Einige Wochen des Mutmaßens, des Gedenkens waren vergangen. Aber eine neue Lehrerin gab es noch nicht. Der Direktor hatte uns Bücher genannt, die in diesem Schuljahr gelesen werden sollten. Mit ihnen sollten wir uns beschäftigen. In den für Deutsch vorgesehenen Unterrichtsstunden durften wir nach Hause gehen oder lasen im Klassenraum.
Eines Tages, ich weiß nicht, wie viel Zeit seit dem Tod der alten Dame vergangen war, betrat der Direktor mit einer Frau den Raum. Augenblicklich wurde es ruhig und alle Blicke waren auf die beiden gerichtet. Eine junge Frau stand dort mit einer imposanten Frisur, die viel Aufmerksamkeit erregte. Feuriges Rot umwallte das schmale, blasse Gesicht. Sie hatte volle Lippen und ihre großen Augen schauten durch eine riesige Brille, wie sie 1977 modern war. Der smaragdfarbene Lidschatten schimmerte über fächerartigen Knef-Wimpern. Sie trug ein knöchellanges Kleid mit breiten Streifen in schrillen Grüntönen, die schräg nach unten bis zum Boden ausliefen. Unter ihrem Arm hielt sie eine derbe Rindsledertasche. Ihre Figur konnte sich mit der von „BB“ oder „CC“ vergleichen lassen. An dieser Schule waren alle ihre Kollegen und Kolleginnen mindestens dreißig Jahre älter.
Als der Direktor seine Ansprache beendet hatte, gab er der Neuen ein Zeichen. Die legte ihre Aktentasche mit kühnem Schwung auf den Lehrertisch und wandte sich an uns:
„Guten Tag, ich unterrichte ab heute bei Ihnen Deutsch, die Sprache, die Schönes in die Welt brachte, aber auch die Sprache, die Hass und Leid bedeutete. Wir werden uns hauptsächlich mit dem Schönen dieses westlichen Zweiges der germanisc ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehrt zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verstndnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen mchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett verffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schrter

Letzte Aktualisierung: 01.06.2009 - 10.36 Uhr
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