Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Ann Nissuth IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Mai 2009
Sechzehn
von Ann Nissuth

Mein Gott, ist das stickig. Hoffentlich penne ich nicht ein. Macbeth has murdered sleep? Wieso habe ich bloß Englisch-Leistungskurs genommen? Das schaffe ich niemals! Zumindest nicht bei Faller. Der würde auch besser Laller heißen.
Spät war’s gestern wieder. Und patschnass bin ich geworden. Mal ganz davon abgesehen, dass ich Angst vor Gewitter habe. Mam meint, das kommt noch aus meiner Babyzeit. Da haben mich ihre Eltern mal in einem Gewitter auf dem Balkon vergessen. Keine Ahnung. Aber die blöden Gemeindeblättchen müssen nun mal Donnerstag ausgetragen werden. Und das Geld dafür brauche ich dringend. Seit mein Erzeuger nicht mehr bei uns wohnt, klemmt’s bei uns nur noch. Und Mam meint, wenn er seinen Job bei Opel in Lautern verliert, wird’s noch enger. Dabei hab ich jetzt schon keine Zeit mehr für’s Leichtathletiktraining. Komm ja noch nicht einmal mehr regelmäßig in ICQ rein.
Ob Mam schon wieder zu Hause ist? Sie hat ihren Dienst heute getauscht, weil sie zum Arzt musste. Irgend so ein Knoten in der Brust. Nichts Schlimmes, hat sie gesagt. Aber sie hat mich nicht angeschaut dabei. Und klar weiß ich, dass sie Angst hat. Ich auch. Aber das sag ich ihr nicht. Sonst macht sie sich auch noch Sorgen um mich. Und das soll sie nicht. Hat schon genug um die Ohren mit ihrem beknackten Job. Schichtdienst und ständig Druck von ihrem Chef. Glaub nicht, dass der sie schon mal gelobt hat. Zofft nur rum. Und gescheit zahlen tut er auch nicht. Ich soll’s mal besser haben. Will ich auch.
Wenn nur der Faller nicht wäre, der Arsch!
Wenn Jan sich noch ein bisschen mit seinem Stuhl zurücklehnt, kann ich ihm den Nacken kraulen. Jan. Der Typ mit dem knackigsten Arsch in der Klasse. Schwarm aller Weiber. Und meiner leider auch. Mit Lena hat er ja angeblich Schluss gemacht. Und ich würde viel besser zu ihm passen. Wie mach ich ihm das nur klar? Freu mich schon auf die Klassenfahrt nach München. Noch ein paar Mal babysitten, dann habe ich das Geld dafür zusammen. Da geh ich mit ihm an die Isar und …Hach, ich glaub, ich bin die letzte Jungfrau hier!
Das blaue Schul-T-Shirt passt perfekt zu ihm. Ich hab’s heut auch in blau an. Gut, dass sie die eingeführt haben an unserer Schule. Sieht wenigstens auf den ersten Blick keiner, ob du arm oder reich bist.
Ich werde ihm jetzt durch die Haare wuscheln. Muss mich nur ein bisschen vorbeugen.
Trau ich mich aber leider nicht.
Wieso schauen die jetzt alle auf einmal zu mir her? War doch nur ein Wunschtraum.
„Hanna Buschmann!“
Scheiße, der Faller redet mit mir!
Wieso ich nicht aufpasse, wo ich das schließlich bitter nötig hätte? Weil ich den Macbeth nie kapiere, wenn du ihn so durchlallst, du Depp!
Jan hat sich umgedreht. Er hat wunderschöne Augen. Und die schauen ganz nachdenklich jetzt.
Respektlos? Hat dieses Hirn gesagt, ich bin respektlos? Das ist gerade mal zwei Wochen her, dass du Fettsack vor der ganzen A über die Ermelin hergezogen bist. Von wegen gut, dass es in ihrer Größe keine Bikinis gibt. War sicher Neid, weil wir sie mögen und dich nicht.
Respektlos? Einer, der mich ständig vor allen rund macht? Der permanent über das Klientel an Gesamtschulen herzieht, obwohl er selbst an einer unterrichtet? Der regelmäßig nach Alkohol stinkt, was ich nun mal überhaupt nicht ab kann?
„Ich stelle mir gerade vor, wie Sie im Lackstring aussehen.“
Rache für die Ermelin!
Stille.
Hab ich das nun echt gesagt? Lisa?!? Meine Freundin sieht mich erschrocken von der Seite an. Jan grinst. Ein paar unterdrückte Lacher.
„Raus!“, brüllt der Faller und wechselt von bleich auf knallrot. Aber da bin ich schon aus der Tür heraus. Weg! Nur erst mal weg, bevor der Typ endgültig explodiert.
Drinnen bricht die Hölle los. Jemand kommt hinter mir her. Ich drücke mich in die nächste Nische.
„Ich bin’s nur.“
Jan.
„Hab keine Angst“, sagt er. „Der kriegt sich schon wieder ein. Und überhaupt: Meine Eltern sind die Woche hier weg …“
„Was?“
Ich bin vollkommen durcheinander.
„Na ja. Ich meine, wir können zusammen für die Englischarbeit lernen. Ist ja auch ein gutes Training für mich.“
„Wieso? Du kriegst doch auch so 14 Punkte.“ Ganz allmählich komme ich zu mir.
„Ach weißt du, da kann ich an dir schon mal für später üben.“
„Üben? Für später?“
Seine grünen Augen lachen mich an: „Ich will mal Lehrer werden“.

Letzte Aktualisierung: 24.05.2009 - 22.44 Uhr
Dieser Text enthält 4242 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2022 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.