Sexlibris
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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Juli 2009
Sei stark!
von Eva Fischer

Sie haben mir versprochen, wiederzukommen.
Sie haben gesagt, sie h├Ątten einen Anspruch auf einen freien Abend am Wochenende. Ich solle diesmal nicht schreien, sondern vern├╝nftig sein.
Ich habe versprochen, brav zu sein.

Aber sobald ich h├Âre, wie sie die Haust├╝r schlie├čen, und es dunkel wird, da wacht das Tier hinter der Wand wieder auf. Es hat bisher immer das Loch gefunden, um in mein Zimmer zu schleichen. Das gro├če, schwarze Ungeheuer legt seine Pranken auf mein Bett und br├╝llt mir in meine Ohren. Es gelingt mir einfach nicht, taub zu sein.
Was ist, wenn sie nicht wiederkommen? Wenn sie einen Verkehrsunfall haben? Wenn sie es leid sind, sich jeden Tag um mich zu k├╝mmern? Wenn sie f├╝r immer fortgehen! Wenn sie mich ganz allein hier in meinen Bett zur├╝cklassen? Wer gibt mir dann etwas zu essen? Etwas zu trinken? Nur nicht wieder schreien! Ich habe versprochen, brav zu sein. Ich brauche sie doch!
Das Tier nimmt die Pranken von der Bettdecke und legt sich friedlich auf den Boden. Ich wei├č, das Tier hat keinen festen Schlaf so wie ich, aber wir bem├╝hen uns beide. Wir versuchen, die Ger├Ąusche im Haus als harmlos zu deuten, das Ticken der Wanduhr, das Surren des K├╝hlschrankes, das Knacken der Holzdecken. Drau├čen fahren Autos vorbei, werfen das Licht ihrer Scheinwerfer an die Wand. Kein Martinshorn durchbricht die monotonen Motorger├Ąusche. Wir wiegen uns in Sicherheit, bis die Schatten an der Wand Gestalten annehmen.

Da ist sie wieder die Frau mit dem Kinderwagen. Sie schiebt ihn ├╝ber einen Feldweg. Das Kind ist auf einen kleinen Koffer gebettet, wo sich all ihr Hab und Gut befindet. Es schreit nicht, sondern blickt die Mutter vertrauensvoll an. Die Frau m├Âchte keinem begegnen, keinen Mann mit Uniform. Sie ist auf der Suche nach der sch├╝tzenden Gruppe, die sie verloren hat. Sie wei├č nicht, ob sie heute etwas zu essen finden wird, f├╝r sich und ihr einj├Ąhriges Kind. Angestrengt blickt sie den Feldweg entlang, der sie auf eine Hauptstra├če f├ ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte geh÷rt zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verstńndnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen m÷chten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett ver÷ffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schr÷ter

Letzte Aktualisierung: 01.08.2009 - 12.49 Uhr
Dieser Text enthńlt 4533 Zeichen.

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