Der himmelblaue Schmengeling
Der himmelblaue Schmengeling
Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Juli 2009
Sei stark!
von Eva Fischer

Sie haben mir versprochen, wiederzukommen.
Sie haben gesagt, sie hätten einen Anspruch auf einen freien Abend am Wochenende. Ich solle diesmal nicht schreien, sondern vernünftig sein.
Ich habe versprochen, brav zu sein.

Aber sobald ich höre, wie sie die Haustür schließen, und es dunkel wird, da wacht das Tier hinter der Wand wieder auf. Es hat bisher immer das Loch gefunden, um in mein Zimmer zu schleichen. Das große, schwarze Ungeheuer legt seine Pranken auf mein Bett und brüllt mir in meine Ohren. Es gelingt mir einfach nicht, taub zu sein.
Was ist, wenn sie nicht wiederkommen? Wenn sie einen Verkehrsunfall haben? Wenn sie es leid sind, sich jeden Tag um mich zu kümmern? Wenn sie für immer fortgehen! Wenn sie mich ganz allein hier in meinen Bett zurücklassen? Wer gibt mir dann etwas zu essen? Etwas zu trinken? Nur nicht wieder schreien! Ich habe versprochen, brav zu sein. Ich brauche sie doch!
Das Tier nimmt die Pranken von der Bettdecke und legt sich friedlich auf den Boden. Ich weiß, das Tier hat keinen festen Schlaf so wie ich, aber wir bemühen uns beide. Wir versuchen, die Geräusche im Haus als harmlos zu deuten, das Ticken der Wanduhr, das Surren des Kühlschrankes, das Knacken der Holzdecken. Draußen fahren Autos vorbei, werfen das Licht ihrer Scheinwerfer an die Wand. Kein Martinshorn durchbricht die monotonen Motorgeräusche. Wir wiegen uns in Sicherheit, bis die Schatten an der Wand Gestalten annehmen.

Da ist sie wieder die Frau mit dem Kinderwagen. Sie schiebt ihn über einen Feldweg. Das Kind ist auf einen kleinen Koffer gebettet, wo sich all ihr Hab und Gut befindet. Es schreit nicht, sondern blickt die Mutter vertrauensvoll an. Die Frau möchte keinem begegnen, keinen Mann mit Uniform. Sie ist auf der Suche nach der schützenden Gruppe, die sie verloren hat. Sie weiß nicht, ob sie heute etwas zu essen finden wird, für sich und ihr einjähriges Kind. Angestrengt blickt sie den Feldweg entlang, der sie auf eine Hauptstraße führen soll. In der Ferne ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 01.08.2009 - 12.49 Uhr
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