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Juli 2009
Operation: Bestechung
von Robert Poleschny

„Du musst mir unbedingt glauben!“

Leo sah seinen Vater mit weit aufgerissenen Augen an. Der starrte zurück und seufzte.

„Leo, irgendwann reicht es.
Ich habe keine Lust mehr, länger so einen Quatsch anzuhören!“

Mit diesen Worten rüttelte er die Zeitung zurecht, warf noch einmal einen prüfenden Blick auf seinen Sohn und verschwand kopfschüttelnd hinter der Schlagzeile des Tages.

„Erneut Tote durch Killerwespen!“

Leo hielt noch einmal die Bilder in die Richtung seines Vaters, ließ dann den Kopf hängen und drehte sich um.
Charly hatte Recht behalten.
Sein Vater glaubte ihm nicht, er musste doch erkennen, wie ernst es ihm war. Traurig verließ er das Wohnzimmer und fasste einen Entschluss: Wenn ihm die Erwachsenen nicht unterstützen wollten, musste er das mit Charly allein abwickeln. Schließlich war der vor drei Tagen zu ihm gekommen und hatte um Hilfe gebeten. Der Kleine erzählte ihm alles über die „Operation: Bestechung“. Die belastenden Fotos hatten Leo dann vollends überzeugt.
Leo ging die Treppe zu seinem Zimmer hoch. Die restlichen Vorbereitungen mussten getroffen werden, da der Gegenschlag nur noch in dieser Nacht stattfinden konnte. Wenn nichts geschehen würde: Hasta La Vista, du Menschheit.
Charly kam ihm auf den Stufen entgegen.

„Er hat dir nicht geglaubt, stimmt’s?“

Leo nickte.

„Dann musst du uns helfen. Du musst deine Spezies retten und unseren guten Ruf wieder herstellen.“

Leo sah Charly an. Das klang so einfach und ungefährlich. Aber er hatte sich entschieden. Er würde Charly und dessen Rasse zur Seite stehen und nebenbei noch seine eigene retten.

„Wenn mein Dad nicht bereit ist, sein eigenes Fleisch und Blut zu unterstützen, dann ziehen wir das eben alleine durch!“,
dabei warf er sich in die Brust,

„so schwer kann das doch gar nicht sein!“

Als er sich das sagen hörte, wurde ihm ganz schlecht, denn er ahnte, dass dem nicht so war.


Drei Stunden später war es so weit. Die Dunkelheit hatte sich bereits wie ein Schleier über die Welt gelegt. Der Zeitpunkt der Vergeltung war gekommen.
Leo und Charly standen in ihren selbst genähten Tarnanzügen vor dem Zaun, der das Gelände des Bösen umgab.
Leo kannte dieses Areal, da er täglich hier vorbeilief.
Dass hier die Wurzel allen Übels sein sollte, war schwer vorstellbar für ihn. Doch hatte er die Beweise gesehen.
Labore, Apparaturen und Menschen, die als Versuchskaninchen missbraucht wurden und erbärmlich an den Giften starben, die ihnen verabreicht wurden. Das war grausam und musste gestoppt werden.
Aber waren sie dazu wirklich in der Lage?
Ein spöttisches Lachen entfuhr Leos Mund.

„Was ist denn so lustig?“, fragte Charly, der eifrig die Umgebung inspizierte.

„Ich weiß, es ist jetzt nicht der richtige Augenblick. Aber ich finde es so krass, wie die Arschlöcher es geschafft haben, die gesamte Menschheit zum Narren zu halten.“

Dabei drehte er sich zu Charly um und sah ihm ins Gesicht.

„Selbst mich haben sie, seit ich denken kann, mit diesen niedlichen Zeichentrickfilmchen um den Finger gewickelt und mir eingeredet, dass eure Gattung böse ist. Fiese, kriegslustige Augen haben sie euch gemalt und böse Absichten unterstellt.
Und die“,

dabei machte er eine ausladende Bewegung mit der Hand,

die waren immer die Guten, die Fleißigen, die Putzigen. Pah, alles Gehirnwäsche!“

Leo kam so richtig in Fahrt.

„Und die niederträchtigste Schweinerei ist ja wohl, sich in Kostüme zu zwängen, um euch zu imitieren, damit alle denken, ihr wärt es gewesen. Ich fass’ es einfach nicht.

Dann senkte sich seine Stimme.


„Aber wer kann denn schon ahnen, dass dieser Abschaum ein so gut durchorganisierter Verein mit so viel Einfluss ist?
Es tut mir leid.“

Charly verdrehte die Augen, da er nicht wusste, wie er mit dem Gejammer umgehen sollte. Also streichelte er ihm den Kopf und sagte:

„Ach, schon gut. Es war doch nicht deine Schuld.“

Schniefend, aber glücklich, dass Charly ihn tröstete, ging Leo an die Arbeit. Er kramte den Bolzenschneider aus seinem Rucksack hervor, um das Maschendrahtgeflecht zu zerschneiden. Auf einmal hielt er inne.

„Du bist dir wirklich sicher, dass hier die Keimzelle ist?“

Charly nickte nur und legte seinen Finger auf den Mund. Dann zuckte er mit dem Kopf in Richtung Zaun.

„Aber was ist, wenn sie uns entdecken? Ich glaube nicht, dass die erfreut sein werden. Schließlich haben die jahrelang gebraucht, dieses Gift zu erforschen. Bestimmt werden die uns sofort tö...“

Eine Backpfeife beendete den Satz. Leos Gefühlsschwankungen gingen Charly gehörig auf die Nerven.

„Das musste jetzt sein, sorry. Aber wenn du jetzt nicht endlich aufhörst, zu quatschen, werden die uns ganz bestimmt entdecken. Jetzt schneide endlich ein Loch in diesen beschissenen Zaun.“

Leo rieb sich verwundert die Wange. Wie konnte eine so zierliche Hand so stark zuschlagen? Aber es hatte gewirkt. Seine Panik war verschwunden.
Nach ein paar Minuten war ein Loch im Gitter und beide schlüpften hindurch.

„Und wo lang jetzt?“

Charly zeigte in die Richtung.
In der Ferne konnte Leo einige Gefäße erkennen.

„Ja, schön und gut. Aber welcher von den vielen ist es denn?“

Charly zuckte mit den Schultern.

Leos Stimme geriet außer Kontrolle und er musste sich zwingen, nicht zu schreien. Also flüsterte er energisch weiter.

„Sind wir hier jetzt etwa beim Hütchenspiel? Nach dem Motto:
Eins, zwei, drei. Eins, zwei, drei. Wo ist die Kugel, wo ist die Kugel?“

Charly nickte.

Leo vergrub sein Gesicht in den Händen und atmete tief durch. Kaum hatten sie die erste Hürde genommen, stand schon das nächste Problem ins Haus. Er schüttelte den Kopf und schmiss sich entnervt auf den Boden. Er konnte an diesem Punkt nicht aufgeben, zumal das Überleben seiner Eltern, seiner Freunde und der Menschheit auf dem Spiel stand.
Sie robbten in Richtung ihres Ziels.
Dort angekommen sah Leo das ganze Ausmaß des Dramas. Es waren Hunderte von Behältern, aber nur einer enthielt die versteckte Quelle, so viel wusste er von Charly. Diese leitete das Gift unterirdisch in die weltweit verteilten Tanks für den globalen Vertrieb. So war gewährleistet, dass die
„Operation Bestechung“ zeitgleich auf dem gesamten Planeten beginnen konnte. Es war genial aber beängstigend.
Leo musste die Deckel der Behälter nach und nach anheben. Ein riesiger Aufwand und der heikelste Moment der Mission. Schlief der Feind oder wartete er schwer bewaffnet? Es blieb keine Zeit mehr, sich darüber Gedanken zu machen.
Vorsichtig hob er eine kleine Ecke des ersten Deckels an und schaute hinein. Leider war es schon zu dunkel, um irgendetwas zu erkennen.
Also nahm er allen Mut zusammen und zog ihn komplett ab.
Dann hielten beide den Atem an.
Es war mucksmäuschenstill und nichts bewegte sich.

„Sag mal Charly, was hat das zu bedeuten?“

Der wirkte selbst etwas irritiert und schaute noch tiefer in den Behälter hinein. Auch er konnte nichts entdecken.

„Die scheinen alle ausgeflogen zu sein.
Los komm, wir sollten uns beeilen und die Gunst der Stunde nutzen. Eine bessere Gelegenheit wird es nicht mehr geben.“

In rasender Geschwindigkeit sprangen sie von Behälter zu Behälter und öffneten Abdeckung um Abdeckung. Anfangs noch vorsichtig, doch als sie feststellten, dass wirklich niemand da war, flogen die Deckel nur so durch die Gegend.
Plötzlich hörten sie ein näher kommendes Brummen.

„Was ist das?“, fragte Leo flüsternd.

Panik schoss erneut in ihm hoch.

„Nun mach schon. Wenn du dich beeilst, sind wir weg, bevor die hier eintreffen. Keine Hysterie, verstanden!“

Charly hob die flache Hand, um Leo zu verdeutlichen, was ihm sonst blühte.

Leo rieb sich erneut die Wange. Charly hatte recht. Er durfte nicht die Nerven verlieren.
Die übrigen Behälter würde er auch noch schaffen.
Er rannte zum nächsten, riss den Verschluss auf und da war sie. Die Pipeline des Verderbens.
Transparente Schläuche, die eine neongrüne Flüssigkeit beförderten, befanden sich auf den Boden des Behältnisses.
Das unheimliche Geräusch wurde immer lauter.
Leo öffnete seinen Rucksack und fischte geschickt die Pipette mit dem Antihistaminikum heraus.
Charly zeigte ihm, in welchen Tank er die Flüssigkeit drücken musste.
Wenn alles gut ging, würde das Gegengift binnen kürzester Zeit wirken und weltweit das Toxikum neutralisieren.
Schnell beugte Leo sich in das Gefäß und entleerte die Pipette.
Geschafft. Schlagartig wurde die Flüssigkeit braun.
Dann rannten sie schnell zurück zum Zaun.
Das dröhnende Geräusch wurde immer lauter und bedrohlicher.
Leo musste sich die Ohren zuhalten.
Als sie durch das Loch schlüpften, verdunkelte ein riesiger Schwarm Killerbienen den Mond.
Leo sah Charly fragend an.

„Was passiert jetzt?“

Charly grinste sein breitestes Lächeln.

„Was soll schon passieren? Gleich entdecken die Schweine, dass ihr Gift den Menschen nichts mehr anhaben kann. Nun können sie euch so oft stechen, wie sie wollen. Es würde nichts geschehen. Aber wir sollten uns schnellstens aus dem Staub machen.“

Dabei strich er über seine Wespentaille und zupfte seine Flügel zurecht. Auf dem Heimweg flog Charly summend um seinen besten Freund Leo herum.
Eine Zeitung wehte über die Straße und blieb am Zaun hängen.

„Erneut tote durch Killerwespen!“.

Doch diese Schlagzeile war von gestern.

Letzte Aktualisierung: 12.07.2009 - 12.30 Uhr
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