Ganz schön bissig ...
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Juli 2009
Ei boar im Ozug
von Ingo Pietsch

In der Nacht schlug in Bayern, in der Nähe von München, ein unbekanntes fliegendes Objekt in einem Waldabschnitt auf.
Zwei Agenten einer geheimen Organisation wurden mit dem Fall beauftragt.
Genaue Untersuchungen ergaben leider nichts, da das Objekt beim Aufschlag wahrscheinlich explodierte.

Die beiden Spezialisten machen sich auf die Suche nach Augenzeugen, die ihnen weiterhelfen könnten.
Agent 01 und Agent 02 kämpfen sich aus dem Waldstück auf die angrenzende Wiese, die von mehreren Säugetieren besiedelt ist.
Einige kommen ihnen bekannt vor, andere wiederum nicht.
Die Agenten erklimmen einen riesigen Misthaufen, den sie auf den ersten Blick für einen Heuhaufen gehalten haben.
Um sicher zu sein, welches von den biologischen Einheiten intelligent ist, lässt Agent 01 Agent 02 einen Scan an den Lebensformen durchführen.
Das Gerät macht folgende Angaben:

1. Objekt – Kuh, auch als Wiederkäuer bekannt. Kommt in den Farben Schwarz, Weiß, Braun und Variablen der drei Farben vor. Pflanzenfresser. Gibt nahrhafte Milch, besteht aus hochwertigem Fleisch und ist ein wichtiger Lederlieferant. Intelligenzquotient: Nahe 0.

„Dass das eine Kuh ist, sehe ich auch. Nur, was ist das Andere?“

Objekt 2 – Mensch, bayrischer Ureinwohner. Gekleidet in typischer Tracht: Gamsbarthut und Lederhosen. Trägt eine Mistgabel als Waffe bei sich. Lässt sich schwer aus der Ruhe bringen. Spricht einen schwerverständlichen Dialekt. Intelligenzquotient: ?

„Das Letzte kann ich nicht genau erkennen. Ich glaube, das Gerät spinnt mal wieder!“
„Ist egal. Aber wen von beiden sollen wir jetzt ansprechen?“
Agent 01 zuckt mit den Schultern und winkt Agent 02 anschließend vom Misthaufen herunter. Schuhe und Hosen sind ruiniert.
Der Bayer wirkt erst erschrocken, fängt sich aber gleich wieder und will die beiden mit der Mistgabel bedrohen.
Agent 01 winkt beschwichtigend mit der Hand und sagt laut und überdeutlich: „Immer mit der Ruhe. Wir kommen in Frieden!“
Agent 02 rollt mit den Augen.
Der Bauer schaut weiterhin misstrauisch drein. Lässt dann aber seine Waffe sinken.
„So ist es gut“, auch Agent 01 entspannt sich wieder.
Der Bayer mustert die beiden von unten nach oben: schwarze Lederschuhe (nicht mehr ganz so sauber), schwarze Anzüge und die obligatorischen Sonnenbrillen, die die Agenten Tag und Nacht tragen.
Agent 01 ist männlich, Durchschnittstyp, Agent 02 eine Frau mit sehr weiblichen Rundungen.
„Guten Tag!“, beginnt Agent 01 das Gespräch.
„Griaß Gohd!“, kommt die Antwort.
Agent 01 zieht seinen Ausweis aus der Tasche und hält ihn in sicherem Abstand in Augenhöhe des Ureinwohners: „Wir kommen vom MiST!“.
Der Bauer blickt auf die dreckigen Schuhe und Hosenbeine und meint: „Des sehe i!“
Agent 02 antwortet: „Sie verstehen uns falsch. Es handelt sich um das Ministerium für innere Sicherheit Tangermünde!“
„Na da schau her!“, der Bayer scheint zu verstehen.
„Das ist mein Kollege Box Strulder“, sagt Agent 02 und zeigt auf Agent 01.
„Und das ist Agentin Rama Pralli“, Strulder macht dieselbe Geste.
„Des sehe i auch“, sagt der Bauer mit Blick auf Prallis Oberweite. Er legt eine Hand flach auf die Brust und spricht ganz langsam: „Äh-di“.
„Ich glaube, er heißt Eddi“. Pralli nickt Strulder zu.
„Besser wir nutzen den Universaltranslator!“ Pralli zieht eine Art Taschenrechner aus ihrem Anzug.
Wieder langsam und überdeutlich spricht Strulder: „Wir werden Ihnen ein paar Fragen stellen. Bitte beantworten Sie sie wahrheitsgemäß. In Ordnung?“
„Schoh“

(Ich werde wahrheitsgemäß und gewissenhaft auf Ihre Fragen antworten)

übersetzt der Translator.
„Ist Ihnen hier irgendetwas Ungewöhnliches aufgefallen?“ Strulder macht eine weit ausholende Geste.
Eddi kratzt sich am Kopf: „Der Peter, da moacht so varuckte Saochn mit seinen Ziegn. Da is ein bischn verruggt.“

(Der Peter, mein Nachbar auf der angrenzenden Wiese ist Ziegenhirte. Der benutzt manchmal unorthodoxe Methoden, um seine Herde zusammenzuhalten. Eigentlich ist er ein netter und umgänglicher Kerl)

„Das wollte ich eigentlich nicht so genau wissen. Ist Ihnen vielleicht gestern Abend irgendetwas Außergewöhnliches aufgefallen?“, fragt Strulder weiter.
Eddi zuckt mit den Schultern. „Wos meina Sie denn genau?“

(Können Sie sich etwas genauer Ausdrücken, ich habe Ihre Frage nicht richtig verstanden)

Strulder zieht die Augenbrauen hoch: „Vielleicht irgendwelche Lichter am nächtlichen Himmel?“
Jetzt wird Eddi leicht ärgerlich: „Woin Sie mir etwoa unterstäin, des i zua vui getrunkn hätte, Sie Depp?“

(Ich möchte Sie höflichst darauf hinweisen, dass ich keinerlei bewusstseinsverändernden Mittel zu mir nehme, die mich meines Urteilsvermögens berauben können, mein Herr)

„Ich meinte viel mehr ein Flugzeug oder ähnliches, das in den Wald gestürzt sein könnte.“ Strulder breitet die Arme aus, macht motorenähnliche Geräusche mit seinem Mund und rennt einmal um Pralli und Eddi herum.
Eddi schaut nach oben: „I haob gstern ei unbekaonntes fliaogendes Objekt gsehn. Wenn Ihna des weiderhilft.“

(Tatsächlich ist mir ein merkwürdiges fliegendes Objekt aufgefallen. Es war kreisrund, drehte sich immerzu und hatte am unteren Rand blinkende Lichter. Es verharrte einige Minuten auf der gleichen Stelle und stürzte dann mit einer lauten Explosion dort hinten in das Wäldchen. An mehr kann ich mich nicht erinnern)

„Wieso können Sie es so genau beschreiben?“, wollte Strulder wissen.
„Des fliaogt hiao jedn obnd voabei. Des is waohrscheinli ei Testflugzeig.“

(Die fliegen hier jeden Abend vorbei. Es handelt sich dabei um Hubschrauber neureicher Schnösel, die sich einen netten Abend auf der Alm machen wollen. Wahrscheinlich war der Pilot angetrunken)

Strulder ist entsetzt: „Machen Sie sich denn keinerlei Sorgen um Verletzte?“
„De haon voaha obgesprunga und haon wei auf meinao Heihauffa gelaondet. I hob daonn ei Taoxi geruffa, dass sie naoch Haouse gebraocht hod.“

(Da ich jeden Abend ziemlich lange wach liege, schaue ich schon mal aus dem Fenster. Als ich den Absturz bemerkt hatte, lief ich gleich zum Unfall hin, leistete Erste Hilfe und kümmerte mich sofort um einen Krankentransport)

„Pralli, ich glaube wir können den Fall zu den Akten legen. Hier gibt es keine Ufos oder Außerirdische. Nur diesen Bayern hier.“
„Sogn Sie moi, haon Sie ned ma in bläck?“

(Ich kenne Sie aus dem Fernsehen! Sind Sie nicht von einem Beerdigungsinstitut? - Altnernative Übersetzung: Die, in den schwarzen Anzügen)

„Sie haben uns erkannt!“
„So ei quatsch, des hob i nur geraotn.“

(Anscheinend sehe ich mir die richtigen Fernsehsendungen an)

„Pralli, holen Sie Ihr Blitzdings heraus. Er weiß zu viel.“
Pralli steckt den Translator weg, zieht den Memo-Neutralisator hervor und lässt ihn einmal in Eddis Augen blitzen.
„Sie werden uns und unser Gespräch vergessen. Sie werden weiterhin Ihre Arbeit hier weitermachen und einen schönen Tag haben.“
„Ach Pralli, verpassen Sie ihm doch mal eine richtig schöne Erinnerung und eine bessere Perspektive!“ Strulder zieht die Sonnenbrille halb herunter und blickt Pralli über den Rand an.
„Ich weiß nicht mal, ob er ein Gehirn besitzt und der Neutralisator bei ihm funktioniert. Aber bitte. Eddi, Sie werden noch eine schöne Woche haben und zu Ihren Kühen noch Schweine züchten!“
Strulder schlägt die Hände vors Gesicht.
„Was denn?“
„ Ich meinte eher eine bessere Zukunft. Er muss ja auch nicht gleich Herr der Welt werden!“
„Passen Sie auf, was Sie sagen. Eddi hört alles mit! Außerdem lernen Sie es nie: man kann einen Menschen nicht einfach so ändern.“
Dann kommt der zweite Blitz und Eddi steht alleine auf der Wiese.

Das helle Licht hat Eddi minutenlang des Augenlichtes und der Sinne beraubt.
Er schüttelt die Benommenheit ab, zieht sein Handy aus der Lederhose und drückt die Kurzwahl.
Am anderen Ende meldet sich eine Stimme: „Servus hiao is dao beckenbaua.“
„Griaß Gohd Franzel. Hiao is dao Stoiber. I äh, beende meina Uralub jetscht. I äh, hatte geraode des äh, Gefühl, des i nebn meinao äh, Tätigkeit ois Fußboiclubbesitza aa noch in de äh, Politik gehn soite. Maoch schon moi ois klar!“

Letzte Aktualisierung: 15.07.2009 - 11.35 Uhr
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