Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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August 2009
Viktoria
von Elsa Rieger

Viktoria zog die Arme dicht an den Körper. Sie fror erbärmlich in der Regenjacke und trat von einem Bein aufs andere. Der kalte Wind zerrte am halblangen Haar.
Nun stand sie an Portugals Cabo da Roca, Europas westlichstem Punkt. Wo die Erde endet und das Meer beginnt, hatte ein Dichter den Ort einst beschrieben.
Wo die Erde endet ...
Die Tränen vermischten sich mit der Gischt. Hundertvierzig Meter unter ihr schlugen die Wellen gegen die Klippen. Im Dunst über dem Meer erahnte sie die Azoren, die ihre wetterwendischen Spiele trieben. Ihr Mann stand neben ihr und dozierte aus dem Reiseführer; die Seiten flatterten im Wind und seine Worte drangen in Fetzen an ihr Ohr. Sie sah hinüber zum Reiseleiter, der die Touristengruppe in einigen Metern Entfernung vermutlich über die Geschichte des Kaps unterrichtete.
Sie neigte sich über den Rand des Abgrunds und beugte den Oberkörper ein wenig nach vorn.
Noch einen Schritt und ich stürze, überlegte Viktoria, werde verschlungen vom schaumgekrönten Atlantik. Wo das Meer beginnt ... ende ich ...
Mit dumpfem Donner krachte eine hohe Welle gegen den Felsen, zog sich zurück und kam wieder. Hin und her, hin und her, ein unermüdlicher Rhythmus seit ewigen Zeiten.
Ewig wie das Grau des Alltags, in dem Peter und sie langsam erstickten. Tagein, Tagaus, Jahre schon, hilflos verstummt.
„Lass es, Peter, ich verstehe dich sowieso nicht“, rief Viktoria ihm zu und drehte das Gesicht in den Wind, Wasserstaub benetzte ihre Haut. Sie betrachtete das Riedgras auf dem Plateau am Rande der alten Welt. Es war vom ewigen Sturm zerfetzt und niedergedrückt worden. Wie sie.

Vor drei Tagen waren sie in Lissabon gelandet; ein Pauschalangebot. Heute Abend würde es zurück nach Hause gehen.
Viktorias Hoffnung, einander wieder näher zu kommen, wenigstens ein längst überfälliges Gespräch zu führen, war auf der Reise unerfüllt geblieben.
Abends im Restaurant oder beim Stadtbummel schweiften Peters Blicke interessiert über die jungen Körper de ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 31.08.2009 - 21.19 Uhr
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