Bitte lächeln!
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November 2009
Spieltrieb
von Robert Poleschny

Paul saß auf seinem Stuhl und legte den Kopf in den Nacken. Jeden Moment würde die Nächste und zugleich Letzte kommen und ihn vor eine neue und endgültige Entscheidung stellen. Er konnte immer noch nicht glauben, dass er hier saß, war aber heilfroh, sich hierfür entschieden zu haben.
Bis zu diesem Zeitpunkt lief es hervorragend. Trotz seiner Schüchternheit und manchmal langen Leitung hatte er sie alle überstanden. Nun würde mit der Letzten die Stunde der Wahrheit kommen.

„Oh, mein Gott. Gleich kommt sie. Wie wird sie wohl aussehen? Hoffentlich macht sie es mir nicht so schwer, wie die Vorangegangene. Die war eine ganz schön harte Nuss.“

Dann tauchte sie vor ihm auf. Nur eine Scheibe trennte ihn von ihr. Er atmete ein und sah sie sich genau an, studierte sie regelrecht und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die dicken Backen entleerte er mit einem kräftigen Luftstoß.
In seinem Kopf ging es drunter und drüber. Irgendwie schien sie ihn anzustarren, was unter diesen Umständen völliger Quatsch war. Trotzdem lief er rot an, da er nicht wusste, was er tun oder sagen sollte. Ein Schluck Wasser verschaffte ihm die nötige Abkühlung.

„Bis hierhin habe ich mich doch wacker geschlagen. Jetzt nur nicht den Kopf verlieren. Ich muss mich zusammenreißen.“

Sie stand ihm gegenüber und schielte unauffällig zu den Anderen hinüber. Dann sah sie wieder in Pauls Gesicht.

„Na sieh mal einer guck. Das ist vielleicht ein steiler Zahn. Zum Glück bin ich nun dran. Wenn mich mein weiblicher Instinkt nicht täuscht, hat er schon ein Auge auf mich geworfen. Oh je, jetzt wird er auch noch rot, wie süß. Den werde ich mir wohl angeln. Muss nur überlegen, wie ich den Kerl dazu kriege, sich für mich zu entscheiden.“

Paul warf einen Blick auf die Uhr.

„Scheiße, jetzt habe ich nur noch acht Minuten.
Komischerweise habe ich es im Urin, dass sie die Richtige ist. Aber was, wenn nicht?
Fuck, das kann doch nicht so schwierig sein! So, ich sollte alles noch mal in Ruhe überdenken. Vielleicht eine weitere Frage stellen? Ach nee, das bringt auch nichts. Mist, verdammter. Diese oder die Andere?“

„Hallo? Was ist denn mit dem los? Nun mach schon! Wieso zögert der so lange? Wenn ich mir meine drei Nebenbuhlerinnen so anschaue, verstehe ich gar nicht, warum der so ewig braucht.
Na gut, die eine, die könnte mir ansatzweise gefährlich werden. Aber die anderen beiden ...? Pah, dass ich nicht lache.
Eine von denen kannst du komplett in die Tonne kloppen! Und die Andere? Ich bitte dich, Schätzchen. Da riecht man schon drei Kilometer gegen den Wind, dass die total falsch ist.“


„Mann, ich muss mich endlich festlegen. Die Zeit rennt mir davon. Ich könnte mich ohrfeigen. Ganz subjektiv betrachtet kommen eigentlich nur zwei von denen infrage. Das hieße, wenn eine verschwinden würde, bräuchte ich mich nicht mehr zu entscheiden. Dann müsste ich aber ...
Hm, sollte ich das wirklich tun? Das wäre meine Rettung.
Ach was soll’s. Ich versuch’s einfach.“

„Ah, Scheiße! Was hat der gesagt? Irgendwas mit fünfzig? Wie? Ist der etwa schon so alt? Hm, sieht man dem gar nicht an. Alle Achtung!
Ach nee, und jetzt gehen zwei meiner Nebenbuhlerinnen? Wie geil! Wohl eingeschnappt, wa? Kaum dreht man sich um, ist alles anders. Aber besser ist das! Haben wahrscheinlich gemerkt, dass sie eh keine Chance hatten. Ich mach dem einfach noch ein paar schöne Augen, vielleicht verzieht sich die Letzte dann auch noch.“


„Na toll, ich hab´s gewusst. Ich hätte meine Klappe halten sollen. Genau die Beiden verschwinden, die eh nicht gepasst haben. Nun stehe ich vor dem gleichen Problem, wie vorher. Was mache ich bloß? Ob Carmen mir helfen kann?
Scheiße, ich ruf sie an. Hab ja fast nichts zu verlieren.“

„Was ist denn das bitte schön? Fängt der echt an zu telefonieren? Ich glaub ich spinne. Ist das so schwierig? Da stehe ich genau vor ihm und er hat nichts Besseres zu tun, als irgend so’ne Tussi anzuklingeln? Hallo, nimmst du mich überhaupt wahr?
Bestimmt ist das so ne Trulla, die keine Ahnung von Tuten und Blasen hat.
Was, schon zu Ende? Sein Glück. Na, mal sehen, was jetzt kommt. Wenn der sich nicht beeilt, ist der nächste Woche wieder hier. Mensch Alter, nimm mich. Was Einmaligeres wirst du nicht bekommen.“


Paul ist schweißgebadet. Er räuspert sich ein paar Mal, rutscht nervös auf seinem Stuhl hin und her, rauft sich die Haare und sagt schließlich, während er dem Moderator mit zusammengekniffenen Augen ins Gesicht sieht:

„Na gut, ich vertraue meinem Telefonjoker. Ich nehme Antwort ‚B’.“

Antwort ‚B’ spürt einen leichten Ruck, als sie eingeloggt wird, und lächelt zufrieden.

„Na also, warum nicht gleich so?“

Letzte Aktualisierung: 22.11.2009 - 12.58 Uhr
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