Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Gisela Reuter IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Do it youself | Januar 2010
Die Kunst des NĂ€hens
von Gisela Reuter

„Ich habe ĂŒbrigens einen NĂ€hkurs bei der VHS belegt“, berichtet meine Freundin Astrid und lehnt sich erwartungsvoll in ihrem Ohrensessel zurĂŒck. Mir bleibt der Kaffee im Hals stecken. Ein NĂ€hkurs. Ich huste mich frei und schaue bewundernd zu ihr hinĂŒber. Was diese Frau alles macht. Erst der Pannenhilfekurs, dann Ikebana und nun Schneidern. Sofort muss ich an den Handarbeitsunterricht in der Schule denken, an umsĂ€umte Spitzendeckchen, Hohlstich und die ersten selbst angenĂ€hten Knöpfe.

Mein Blick ist noch immer voller Bewunderung und nach dem DurchblÀttern der Schnittmusteranleitungen, die rein zufÀllig auf Astrids Wohnzimmertisch liegen, gesellt sich ernsthaftes Interesse dazu. Das möchte ich auch können.
Schneidern. Ein Unikat besitzen. Beim nĂ€chsten GeschĂ€ftsessen mit meinem Chef und seiner Gattin beilĂ€ufig erwĂ€hnen, dass es das soeben bewunderte Kleid nirgends zu kaufen gibt. „Ach, das habe ich selber genĂ€ht“, höre ich mich bescheiden sagen. „Ich mag es nicht, wenn man dem gleichen Kleid, das man gerade trĂ€gt, im nĂ€chsten Restaurant begegnet.“ Stumm und neidvoll wird sie nicken, die Gattin meines Chefs, die noch nicht einmal kochen kann. Und ich werde ihr aufmunternd den Arm tĂ€tscheln und versichern, dass NĂ€hen völlig unkompliziert sei. Dass jede Frau so etwas lernen kann. Wirklich jede.
„Komm doch einfach mit, es sind noch PlĂ€tze frei“, meint Astrid fröhlich. Ich strahle und sofort zaubert sie ein Anmeldeformular hervor.

Unsere NĂ€hlehrerin stellt sich als Frau Schmidt, gebĂŒrtig aus Wanne-Eickel vor. Ich schĂ€tze sie auf Mitte sechzig und ihren wallenden Blumenmusterrock auf mindestens doppelt so alt. Ihre hochroten Wangen leuchten, und sie begrĂŒĂŸt uns herzlich in diesem, ihrem bereits fĂŒnften NĂ€hkurs.
Meinen entgeisterten Blick auf ihren geblĂŒmten Glockenrock kommentiert sie, stolz die HĂŒften schwingend, mit den Worten: „Ja, meine Damen, auch Sie werden nach drei Monaten in der Lage sein, sich Ihre mod ...

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Geschichte gehört zu den Siegergeschichten und erscheint in unserer Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns nicht selbst Konkurrenz machen möchten, indem wir die Geschichte ebenfalls hier komplett veröffentlichen.

Vielen Dank!

Andreas Schröter

Letzte Aktualisierung: 31.01.2010 - 21.41 Uhr
Dieser Text enthält 9843 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2024 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.