Futter für die Bestie
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Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
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Tante Käthe | Februar 2010
Aufruhr im Kinderzimmer
von Sabine Barnickel

„Morgen bekommen wir Besuch von Tante Käthe“, verkündete Teddy Steiff.
„Wer, zum Kuckuck, ist Tante Käthe?“, fragte Murmel Murmeltier.
„Weiß ich auch nicht, aber sie kommt. Auf jeden Fall hat die Mama das zu Papa gesagt.“
„Ich kenne keine Tante Käthe, also kann sie auch nicht kommen“, stellte Murmel fest.
„Willst du behaupten ich lüge?“ Teddy brummte beleidigt.
„Hab ich doch gar nicht gesagt.“ Murmel wollte keinen Streit. „Aber ich habe gar nicht mitgekriegt, dass wir Besuch von einer Tante bekommen. Schon gar nicht von einer, die wir nicht kennen.“
„Das hast du bestimmt wieder verschlafen. Tststs, Murmeltiere, immer nur am pennen.“
Murmel beschloss, den Seitenhieb zu überhören und sagte stattdessen:
„Tante Käthe also. Das ist doch bestimmt so eine alte, verschrumpelte. Heutzutage heißt doch keiner mehr Käthe. Und schon gar nicht Tante!“
„Hä? Was für eine Kante?“ Jetzt meldete sich Wuff zu Wort, der bisher vor sich hin gedöst hatte. Er hörte schon nicht mehr so gut, denn eines seiner Schlappohren hing nur noch an wenigen Fäden, das andere war völlig zerkaut und abgelutscht.
„Tante! Tante Käthe kommt!“, wiederholte Teddy etwas lauter.
„Ach so“, sagte Wuff.
„Kennst du die etwa?“ fragten Teddy und Murmel wie aus einem Mund.
„Nö.“ Wuff legte sich wieder hin und döste weiter.

Teddy hatte in der Nacht vor lauter Aufregung kaum geschlafen, Murmel ging es nicht anders. Sie konnten es kaum abwarten diese unbekannte Tante kennenzulernen. Nur Wuff schien sich nicht dafür zu interessieren und schlief laut schnarchend. Teddy und Murmel wunderten sich immer, dass Marie davon nicht aufwachte, vor allem weil sie sich immer ganz dicht an den Hund kuschelte.
„Ich bin so gespannt auf diese Tante Käthe“, sagte Murmel. „Wann kommt sie denn?“
„Bestimmt, wenn Marie wieder aus dem Kindergarten zurück ist. Da kommen sie doch meistens: Die Tanten und die Omas“, meinte Teddy.
„Ooch, dann hat sie ja gar keine Zeit für uns.“ Murmel klang enttäuscht.

Marie stürmte in ihr Kinderzimmer. Sie zerrte Wuff, der gerade sein Mittagsschläfchen hielt, aus dem Bett, Teddy von ihrem Kinderstuhl, Murmel und all die anderen Stofftiere vom Regal. Alle platzierte sie im Kreis um sich auf dem Teppich. Ihre Plüschfreunde sahen sie erwartungsvoll mit ihren Knopfaugen an. Dann lief sie wieder aus dem Zimmer.
„Was ist denn jetzt los? Hat sie irgendetwas gesagt?“, fragte Wuff.
Schon war ihre kleine Freundin wieder da.
„Guckt mal alle her, ihr Plüschis. Das ist Käthe.“ Sie strahlte übers ganze Gesicht, als sie ihnen die Puppe vorstellte: Zwei blonde Zöpfe, blaue Kulleraugen, Sommerkleidchen in rosa mit Blümchen …
„Was ist denn das für eine?“, flüsterte Wuff. „Feine Dame, oder was?“
„Die hat die Tante Lisa mitgebracht. Und die hat sogar einen Nachnamen: Kruse. Sagt Hallo zu unserer neuen Freundin.“
Mit diesen Worten setzte Marie den Neuzugang mitten unter die Kuscheltiere.
„Hallo Käthe”, sagten diese artig im Chor.
„Hallo Plüschis“, antwortete die Puppe und klimperte mit ihren Augen. „Ich bin die Käthe Kruse und wer seid ihr?“
„Ich bin Teddy. Teddy Steiff.“
„Und ich Murmel.“
„Und du?“ Käthe zeigte auf Wuff.
„Der hört ein bisschen schlecht“, sagte Teddy und knuffte Wuff.
„Selber schwerhörig. Von wegen Tante Käthe“, murmelte dieser, dann fuhr er lauter fort:
„Grrr … Wuff, meine ich natürlich. Und das eines klar ist: In Maries Bett darf nur ich!“
Bevor Käthe antworten konnte, hatte Marie das Puppenmädchen wieder gepackt und war aus dem Zimmer verschwunden.
„So etwas unhöfliches. Die könnte wenigstens antworten. Eingebildete Zicke“, schimpfte Wuff.
Teddy und Murmel sahen sich überrascht an, so kannten sie ihren Freund nicht.
„Aber Wuff, Marie hat sie doch gar nicht mehr zu Wort kommen lassen“, sagte Teddy.
„Eine neue Tante wäre wenigstens spannend gewesen, aber stattdessen kommt wieder einmal Tante Lisa und bringt Konkurrenz für uns mit!“
„Also, ich finde, die wirkt ganz nett“, versuchte Murmel zu besänftigen.
„Eine Tante verschwindet wenigstens wieder, aber die bleibt“, grummelte Wuff weiter. „Und hast du gesehen, wie Marie gestrahlt hat. Da sind wir doch abgemeldet.“
„Weißt du noch, als Murmel bei uns einzog? Da hast du auch gedacht, dass sie ihn jetzt lieber hätte. Und abends durftest du doch wieder mit ins Bett“, erinnerte ihn Teddy.
Doch Wuff hörte ihm nicht zu und knurrte stattdessen den restlichen Nachmittag bis zur Bettgehzeit vor sich hin.

„Na, Marie, wo soll denn deine neue Puppe schlafen?“, hörten sie die Mutter fragen. „In deinem Bett?“
„Aber Mama, da schläft doch schon der Wuff und passt auf mich auf!“, antwortete Marie entrüstet. „Käthe schläft natürlich im Puppenbett.“
„Na also, dann ist ja alles gut!“, riefen Teddy und Murmel gleichzeitig.
„Hä?“, fragte Wuff.
„Ach Wuff, das Wichtigste überhörst du natürlich wieder: Du darfst mit ins Bett!“, antwortete Teddy extra laut. Dabei nahm er sich vor, in Zukunft selbst besser hinzuhören.

Nach einem aufregenden Tag schliefen Teddy und Murmel in dieser Nacht besonders fest. Vielleicht lag es auch daran, dass Wuff nicht so laut schnarchte wie sonst. Er wollte seine kleine Freundin nicht wecken, schließlich hatte er eine große Verantwortung.

Letzte Aktualisierung: 16.02.2010 - 22.33 Uhr
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