Der Tod aus der Teekiste
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Ein Held | April 2010
Held in der Dunkelheit
von Helga Rougui

Zischend trifft glühendes Elixier des Lebens auf dunkle Materie der Macht – der Schwarze Ritter entsteht.
Er begibt sich auf den Weg hinunter in den Schlund der Dunkelheit, wie es seine Bestimmung ist.
Daß er eine solche hat, weiß er seit seiner Geburt, wes genau ihre Art, hofft er auf dem Pfad in die Abgründe zu erfahren.

Nach dem hehren Moment der Inauguration seiner Körperlichkeit geht es allerdings vorerst für seinen kriegerischen Geschmack erstaunlich gemütlich weiter. Er ist in voller Rüstung und mit ausgestrecktem Schwert erschienen, jedoch man hat ihn gebeten, zunächst in einer Kammer Platz zu nehmen, da noch einige Neuankömmlinge erwartet werden. Auf seine Frage, ob der Feind darunter sei, schaut man ihn bloß schweigend an, er bleibt ohne Antwort.

Einige Zeit vergeht.

Der Ritter poliert seine Waffen, bereitet sich mental wie metallen auf seine Aufgabe vor. Nach und nach ziehen die unterschiedlichsten Geräusche an ihm vorbei – behäbiges Keuchen, kesses Gluckern, spitzes Gelächter, dumpfes Schaben, gehässiges Knurren -, bevor deren Urheber in die umliegenden Kammern einziehen.
Vielleicht ist endlich der ihm bestimmte Drache dabei?

Jedoch keiner kommt und verlangt nach ihm.

Aber dann plötzlich ergeht er, der Aufruf zu den Waffen, der aus schwindelnder Höhe direkt zu ihm gesandt wird. Der Ritter weiß nicht genau, wer da befiehlt, aber er hört und versteht – er soll die Welt, die von ihm und anderen bevölkerte, aufrütteln und durch die sich verdichtenden Schatten zu wacher, gläserner Klarheit, zum Lichte der Bewußtheit führen. Er schaut um sich, inzwischen haben sich auch seine Bogenschützen versammelt, verlängerte Arme seiner Kraft, und dann weiß er, in welche Richtung sie ziehen müssen, noch weiter hinunter in die Tiefe, gewundene, gefährliche Wege entlang, bis an die Pforte des Schreckens, an der er als letzter allein sein Leben lassen wird, da seine Schützen unterdes all ihre Stärke abgegeben haben werden bei der Bekämpfung der Dunkelheit.

Der Waffenzug setzt sich in Bewegung, die Mission beginnt, helle Breschen werden geschlagen, strahlende Pfeile tanzen leuchtende Flecken in die Finsternis, Lichtblitze blitzen um das geschlossene Visier.
Visionen, eben noch bedrängt durch die Düsternis, beginnen sich zu regen.

Jedoch, nach einer Weile... etwas stimmt nicht. Aus heiterem Himmel umspült ein roter See die beharnischten Füße der Voranstrebenden, der sich verdichtet zu einer dickflüssigen rubinfarbenen Brühe, die sich auftürmt in dräuenden Wolken sich ballenden Nasses vor demjenigen, den sie als ihren Hauptkontrahenten erkennt: dem Schwarzen Ritter steht eine massige, purpurne Gestalt entgegen – die teigigen Lippen des Roten Kardinals öffnen sich und hervor quillt die Ansage zum Kampf:
„Du, Dunkler Kämpfer, wirst diese Welt nicht weiter in die Helligkeit führen – ich bin geschickt, dich und die Deinen ruhigzustellen, einzuschläfern, in die Unbeweglichkeit zu versetzen – und wo ich bin, sind noch mehr von meiner Sorte, die mich unterstützen – also gib auf!“
Und tatsächlich – um den Roten Kardinal herum wimmeln seine unzähligen kleinen rosagewandeten Mönche, die die winzigen Wunden, welche die Pfeile der dunklen Bogenschützen in die Wände gerissen haben, mit pinker Spucke zukleben und so und auf ihre Weise zur Heilung bringen.

Der Schwarze Ritter mag sich wehren, wie er will, er hat keine Möglichkeit, sein Schicksal abzuwenden, er wird eingehüllt von roten Schwaden, die seine Energie neutralisieren und ihn kampfunfähig machen. Sein Herz mag wohl weiter heldenhaft empfinden, aber das verhindert die Erfüllung seines Schicksals nicht – sein Hingang ist unausweichlich, seine Gestalt löst sich auf, die rote Materie überschwemmt alles und beherrscht eine kleine glückliche bewußtlose Welt.

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Nach einem sehr starken Täßchen Mokka am späten Nachmittag nahm Frau M. gegen acht Uhr ihre gewohnte Abendmahlzeit ein und setzte sich anschließend vor den Fernseher. Da sie nach einer Weile feststellen mußte, daß der Kaffee sie trotz beginnender Bettschwere unangenehm und über Gebühr wachhielt, öffnete sie eine Flasche dunkelroten, schweren Riojas und trank zwei bis drei große Gläser, von denen sie in der Folge so müde wurde, daß sie vor dem Fernseher fest einschlief.

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Sieben Uhr morgens, in der Küche von Frau M.
Die Kaffeemaschine springt an.
Ein erstes Zischen verkündet die Wiedergeburt des Schwarzen Ritters.

Letzte Aktualisierung: 10.04.2010 - 17.34 Uhr
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