Schreib-Lust Print
Schreib-Lust Print
Unsere Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print bietet die neun besten Geschichten eines jeden Quartals aus unserem Mitmachprojekt. Dazu Kolumnen, Infos, Reportagen und ...
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » MITMACH-PROJEKT » SCHREIBAUFGABE » Harald Götzelmann IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Zielgerade | Juni 2010
Mrs Holle-Steeplechase
von Harald Götzelmann

Halli, Hallo, draußen an den Lautsprechern und natürlich an den Bildschirmen. Es ist soweit: Der Fairy-tail-Pokal, wird heuer in der Mrs Holle - Steeplechase – Disziplin ausgetragen. Also das was man früher als Hindernislauf bezeichnete, geht nach vielen Ausscheidungskämpfen in die Zielgerade. Im Finale stehen sich gegenüber, die blonde Mary Gold und die aparte schwarzhaarige Mary Pitchtough.
Noch wissen die Kontrahentinnen nicht, was sie erwartet. Dicht gedrängt drücken sich unzählige Sportbegeisterte an die Absperrungen. Wie schon im letzten Jahr, waren die Sicherheitskräfte wieder sehr umsichtig. Es sind halt absolute Profis, diese nicht sehr hochgewachsenen sieben Bodyguards von hinter den sieben Bergen.
Der Oberschiedsrichter, Rumpel Stilz, kommt eilig auf den Parcours. Die Nachwuchs-Band „The Four Musicians of Bremen City“, beendet spontan den gerade begonnen Superhit – „Red-Capy“. Spannung liegt in der Luft! Rumpel Stilz ergreift das Mikrofon.
Meine Damen und Herren zu Hause, es wird ernst!
Ja, nun ist es heraus, Mary Gold wird beginnen. Sie erhält ihre To-Do-List. Mary scheint verunsichert. Doch wie es aussieht, handelt sich nur um Anfangsnervosität. Einige Dehnübungen und schon ist sie fertig für den Start.
Rumpel Stilz hebt die Hand mit der Spindel und wirft dieses Holzteil in den Brunnen. Das ist das Startzeichen! Ja, die Jagd beginnt!
Mit einem furiosen Sprung hechtet die junge Mary Gold in das 100cm Durchmesser enge Rohr. Man hört wie sie aufschlägt, gekonnt rollt sie sich ab! Sie scheint etwas gehetzt, als sie die Spindel nicht entdecken kann. Doch sie hält sich nicht mit Suchen auf.
Sie sprintet durch das knietiefe Gras mit den vielen Blumen. Mary verschwendet keinen Blick für die Flora, nur ihr Ziel vor Augen! Da! Die erste Aufgabe:
Ein Backofen. Sie reißt mit einem genialen Bakergrip die Tür zum Backofen auf und nimmt die lange Holzschaufel, auch Long Wooden Shouvel genannt und dann geht es Brot auf Brot, Brot auf Brot. Die Backlinge stapeln sich vor dem Backofen. Der Schiri zieht wohl einige Punkte ab, weil ein Vollkornbrot zu weit nach vorne gerutscht ist. Aber zwei Mischbrote werden mit einem unnachahmlichen Schwung auf den Stapel gesetzt, das macht alles wieder gut! Herrlich, meine Damen und Herren, das sind Bilder die sich lange einprägen.
Es geht weiter, wieder durch tiefes Gras. Da die zweite Aufgabe, ein Apfelbaum soll geschüttelt werden. Die Äpfel sind reif und müssen runter. Mary Gold ist eine zierliche Frau, aber sie besitzt Bärenkräfte. Es dauert nicht lange und mit einem lange geübten Tree-Shaking-Grip, hier erkennt man den Profi, bleibt auch nicht ein Apfel auf dem Baum. Nun aber schnell, schnell, die Äpfel müssen zusammengelesen werden.
„Und bück, und bück..,“ skandiert das Publikum. Doch es gibt auch hier Punktabzug. Zwei faule Äpfel hat sie übersehen und mit ein die Apfelpyramide eingebaut. Aber diese ist perfekt gebaut. Es gibt lange Applaus vom Publikum. Die Apfelschiedsrichter Adam und Eva nicken anerkennend.
Nun baut sich das nächste Hindernis auf: Betten ausschütteln.
Ach du liebe Güte, besonders Sie meine Damen und Herren an den Fernsehgeräten, das macht so keinen Spaß. Die Luft ist voll von Daunenfedern, man kann die Hand nicht vor Augen sehen. Es ist, als ob es schneien würde. Langsam klärt sich die Luft wieder. Die ehemals grüne Landschaft ist von einer weißen Decke äh, ja also, bedeckt. Schneeschiedsrichter Niko Laus, der mit seinem Rentierschlitten die Dichte und Qualität dieser weißen Decke prüft, schaut sehr vergnügt auf die junge Mary Gold.
Jaaaaaaaaa! Volle Punktzahl! Meine Damen und Herren, halten Sie mich für verrück, halten Sie mich für übergeschnappt, aber das ist fantastisch, es ist großartig! Volle Punktzahl! Irre!
Niko Laus übergibt Mary Gold die Spindel mit den eingespeicherten Punkten.
Gold Mary geht zum Entschausscheidungs-Gate. Spannung liegt in der Luft, Rumpel Stilz lässt sich viel Zeit. Doch jetzt jaaaaa: 100 Punkte! Das ist Weltrekord. Das muss der Sieg sein! Was kann Mary Pitchtough hier noch ausrichten?
Doch diese scheint ganz gelassen zu sein, fast zu ruhig.
Fast aufreizend gemessen geht sie zum Brunnen. Sie wirft nicht mal einen Blick hinein. Was für Nerven muss das Mädel haben! Donnerwetter Mary Pitchtough!!
Der Blick der Starterin hat sich den Augen ihrer Mutter verfangen. Diese scheint weitaus emotionaler zu reagieren. Vorhin, als Mary Gold in ihrem Überraschungsfinale so glänzend abschnitt, zog sich ein starker Unwille über das Gesicht von Pitchtoughs Mutter.
Verzeihen sie mir den kleinen Schlenkerer, es geht wieder los, meine lieben Sportfreunde draußen an den Geräten.
Rumpel Stilz hat wieder die Spindel in der Hand, und da… er wirft sie am Brunnen vorbei!!!
Entsetzlich! Die Stifterin des Pokals Mrs Snowball Holle eilt auf den Parcours. Der Blick ist irritiert.
Aber es ist zu spät! Pitchtough springt in den Schacht. Aber sie handelt klug. Gleich nach dem Aufprall, hält sie sich nicht damit auf, die Spindel zu suchen. Sie eilt durch den knöcheltiefen Rasen. Knöcheltief? Wer hat hier das Gras gemäht? Ob da irgendein Zusammenhang mit der Bandenwerbung „Landschaftspflege Pitchtough“ besteht, mag ich nicht zu entscheiden.
Aber wenden wir uns wieder unserer Athletin zu. Sie hastet zum Backofen. Aber oh weh! Was für ein Fehler! Sie schüttelt den Backofen! Sie schüttelt den Backofen!
Da ist nicht zu fassen! Sie schüttelt den Backofen! Was soll denn da runter oder raus fallen, junge Frau?
Vollkommen überfordert stürzt sie zum Apfelbaum. Hier setzt sie zum Schütteln an, aber nein! O Gott! Das ist doch der Bakergrip! Ja gibt es denn sowas? Zwei Äpfel tröpfeln von oben herab. Das ist die magere Ausbeute, von, ich würde mal sagen totaler Motivationslosigkeit. Adam und Eva, die Apfelschiris, haben so keine Freude an einem paradiesischen Zustand.
Vielleicht kann sie noch einige Pünktchen gut machen, wenn sie die Betten schüttelt.
Da, Mary erscheint am Fenster. Eine schick gemusterte Bettdecke hängt über die Fensterbrüstung. Mary ergreift das Bett… und… na was denn nun?
Drei, vier Dauen rieseln herunter.
Niko Laus kommt mit seinem Cabrio und Sommerreifen an und schüttelt bedenklich mit der Zipfelmütze. Das lässt nicht auf viele Punkte schließen.
Da keine Spindel zur Verfügung steht, geht er selber mit zum Entscheidungs-Gate. Oje! Aus und vorbei für Mary Pitchtough. insgesamt nur fünf Punkte!
Das ist enttäuschend, das ist einfach zu wenig!
So meine lieben Sportfreunde, die Siegerehrung scheint sich unmittelbar anzuschließen. Es scheint, als ob die Organisatoren, den doch sehr peinlichen zweiten Teil des Turniers, schnell vergessen machen möchten.
Die Turnierband „The Four Musicians of Bremen City“ intoniert die die Erkennungsmelodie des Mrs Holle-Steeplechase.
Rumpel Stilz und seine Assistentin Rapun Zel, und hier muss eingefügt werden, diese Rabun Zel gehört einer vegetarischen Sekte an, sie trägt eine spiegelnde Glatze; sie betreten also das Geläuf mit zwei Medaillen.
Ja, die Kapelle spielt einen Tusch. Hören Sie nun genau hin: jaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Mary Gold ist die Gewinnerin. Aus der Hand des von Snowball Holle nimmt sie einen Pokal und einen Dreijahres-Vertrag mit einer Burgerkette entgegen.
Auch Marry Pitchtough bekommt ihren Preis. Die Kapelle spielt die Nationalhymne des King of Frog. Snowball überreicht Mary die Silbermedaille und eine Greencard für „Deutschland sucht den Superstar“.
Meine Damen und Herren zu Hause an den Rundfunkgeräten und an den TV-Schirmen. Ein aufregender Tag ging vor wenigen Minuten in die Zielgerade. Beide Athletinnen haben die Ziellinie nun überquert. Das Turnier es beendet.
Seien Sie auch nächstes Jahr wieder dabei, wenn darum geht, sieben Geislein zu finden und aufzufressen.
Bis dahin, machen Sie es gut und bleiben Sie mir gewogen.
Wir schalten zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. Am Mikrofon verabschiedet sich von Ihnen Ihr Jakob Grimm

Letzte Aktualisierung: 22.06.2010 - 08.44 Uhr
Dieser Text enthält 7855 Zeichen.

Druckversion

 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2020 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.