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Chef | Juli 2010
Big Boss
von Hauke Reetz

Immer wieder bekam er die unbequemsten Aufträge von seinem Chef. Immer, wenn wieder mal ein Problemfall bearbeitet werden musste, bekam er die Akte auf seinen Tisch. Zur endgültigen Erledigung.

Er arbeitete in Abteilung drei, der Abteilung für die schwierigen Fälle.

Immer, wenn der Außendienst nicht weiter wußte, kam Abteilung drei ins Spiel.

Er nahm die Akte und las.

Gerd Lohmann, 48, obdachlos, drogenabhängig, ein Vorstrafenregister wie das Telefonbuch einer mittleren Großstadt.

„Oh Mann, nicht schon wieder Bahnhofsmilieu“, dachte er.

Das letzte Mal hatte er noch unangenehm in Erinnerung, diese ganzen Gerüche, irgendwie rochen die Bahnhöfe doch alle gleich: eine Mischung aus altem Frittenfett, Urin, frischem Schweiß, abgestandenem Bier und billigem Parfum.

Jedenfalls die Ecken, in der seine Kundschaft sich aufhielt.

Das Radio spielte Led Zeppelins „Stairway to heaven“.

Warum war der Chef nur so sauer auf ihn? Wieso wurde er strafversetzt in Abteilung drei, und weshalb bekam er selbst in der miesesten Abteilung der Firma auch noch die miesesten Fälle?

Das war nicht gerecht, er würde sich bei nächster Gelegenheit beim Chef beschweren.

Aber erst mal einen Termin bekommen, das war die Kunst. Seit der Chef sich zur Globalisierung entschlossen hatte, bekam er quasi Fälle aus der ganzen Welt.

Und dann sein Sekretär, dieser P. Trus, an dem gab es kein vorbeikommen.

Er musste trotzdem versuchen, einen Termin zu bekommen. Die ewige Tortur musste ein Ende haben, er wollte in eine andere Abteilung. Seinetwegen auch in die Beschwerdeabteilung, wenn es sein musste, auch die Nachtschicht, wo am meisten los war.

Am liebsten wäre er aber in Abteilung fünf, da hatte man nur vier Wochen im Jahr Dienst, der Rest des Jahres war Bereitschaft.

Er wollte unbedingt mit dem Chef darüber sprechen.

Leider war dieser auch die oberste Instanz, der Firmengründer, der Senior-Chef.

Sein Wort war Gesetz.

Und dann die ganzen Gerüchte, die man sich über den Chef erzählte.

Angeblich hätte er die Firma in nur sechs Tagen gegründet, er stand auf Superlative, soll einst die größte Jacht der Welt in Auftrag gegeben haben, natürlich bei Noah Ships & Transports Ltd., und wenn er sauer war, konnte er zur Plage werden.

Er selbst hatte ihn noch nicht zu Gesicht bekommen, aber er war ja auch nur ein kleiner Engel in der Sachbearbeitung.

Letzte Aktualisierung: 03.07.2010 - 00.27 Uhr
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