Unsere Literaturzeitschrift Schreib-Lust Print bietet die neun besten Geschichten eines jeden Quartals aus unserem Mitmachprojekt. Dazu Kolumnen, Infos, Reportagen und ...
Urlaub heiĂt fĂŒr mich nicht immer Sommer, Sonne, Strand.
Nein.
Das erste woran ich denke, sind Toiletten. Ich habe im Urlaub nicht meine eigene, die zugegebenermaĂen manchmal wackelt, aber ich weiĂ genau, wie ich sie zu benutzen habe und wann ich sie wieder festschrauben muss und dass sie sauber ist.
Im Urlaub, auf StraĂenfesten, auf Tagesfahrten, ach eigentlich immer wenn ich mehr als ein paar Stunden auĂer Haus bin, quĂ€lt mich die Frage, wie es wohl hinter jener gewissen TĂŒr aussehen mag.
Da gibt es Toiletten Marke âIch-stech-mir-ein-Auge-ausâ. Sie sind meist dort zu finden, wo man schnell und auf wenig Quadratmetern möglichst viele Hintern platziert haben möchte, da jeder einzelne Bares bringt. Erinnert mich fast an den Goldesel. Seine Erleichterung bringt auch nur den anderen GlĂŒck.
Vom Auge wollte ich erzĂ€hlen. So passiert diesen Sommer: Caipi regt bekanntlich nicht nur das GemĂŒt an, sondern auch die Blase. Ăberhaupt wenn noch getanzt wird â die Leserinnen werden wissen, wovon ich spreche...
Ăbrigens bin ich dieses Jahr im Urlaub nach dem Tanzen doch tatsĂ€chlich von einem netten Herrn eingeladen worden.
Ja, richtig, er bezahlte den Klogang. Als ich beim Herauskommen noch in der Handtasche nach einer passenden MĂŒnze fischelte, stand er schon am Tresen und sagte lĂ€chelnd, er habe schon bezahlt. Die grinsende Klofrau nickte zustimmend. Was sagt frau dazu? Unbekannte Situation, einfach zurĂŒck lĂ€cheln und sich bedanken. Obwohl ich zugeben muss, dass ich herzhaft lachen musste. Er hatte hoffentlich nicht erwartet, dass ich nĂ€chstes Mal bezahle?
Es war auch dort an der Ostsee, als ich ein russisches Schiff besichtigte. Auf einem russischen Schiff gewesen zu sein, ohne die Ărtchen gesehen zu haben, geht nicht, ist ja klar.
Also ab in den Schiffsbauch, ein paar waghalsige Treppen ĂŒberwinden und in einem kleinen Raum vor 4 TĂŒren stehen. Zum GlĂŒck waren die Buchstaben auf deutsch. Je zwei TĂŒren mit einem H und einem D versehen. GlĂŒcklich, meinen Weinschorle und diversen anderen GetrĂ€nken wieder Ciao sagen zu dĂŒrfen, habe ich mich mit meiner Freundin hinter der nĂ€chsten TĂŒr unterhalten. Sie sagte etwas ĂŒber âToilettenpapierâ, das ich nicht ganz verstand, weil ich damit beschĂ€ftigt war zu horchen, ob etwa noch MĂ€nner kommen. Als ich die SpĂŒlung suchte, fand ich das Schild:
âBitte das Papier NICHT in die Toilette werfen, sondern in den dafĂŒr bereitgestellten Eimerâ Perfektes Deutsch. Wow, auf einem russischen Segelschiff. Nun, meine Perfektion auf der Toilette sieht anders aus. Das Papier lag natĂŒrlich schon dort, wo man es nicht haben wollte... Ich glaube, das Problem wĂ€re nicht aufgetaucht, hĂ€tten sie das Schild auf den Boden geklebt. Denn mal ehrlich, welche Frau sieht sich die TĂŒr von innen in Augenhöhe an??!!
Sie quetscht sich rein, versucht dabei nichts zu berĂŒhren, misst in Sekundenschnelle den Abstand zwischen Toilettensitz und TĂŒr, ob da wohl Platz bleibt in der Pilates-Grundstellung zu pinkeln. So ist das doch, liebe Leserinnen, nicht wahr?!
Dabei fÀllt mir das Auge wieder ein, erzÀhle ich gleich...
Auf der russischen Toilette habe ich also die Auforderung, das Papier in den Eimer zu werfen zu spÀt gelesen, sprich, es lag schon falsch.
Kennt ihr die Toilettensitze fĂŒr solche Leute, die öfter mal eine Stuhlgangprobe beim Arzt abgeben mĂŒssen? Ein Freund erzĂ€hlte uns vor Jahren, als er noch nicht mal die 40 erreicht hatte, dass er beim Umbau seines Hauses lange mit seiner Frau die FĂŒr und Wider verschiedener Toilettensitze besprochen, und sie sich schlieĂlich fĂŒr den
âDu-kannst-mich-vor-dem-Abschied-noch-mal-angucken-Typâ entschieden hatte.
BegrĂŒndung: Wenn man im Alter besagte Probe benötigt, sei dies nur mit viel Aufwand möglich. Denn hat man einen Sitz, bei dem das Ausscheidungsprodukt sich direkt ins Wasser verabschiedet, mĂŒsste vorher eine dicke Lage aus Klopapier zum Auffangen gebaut werden. Vorsorge ist eben gut.
Mein benutztes Papier lag also, wie von unserem Freund schon lÀnger bedacht, noch auf dem Trockenen und konnte somit gerettet werden.
Die empfindlichen Leser und Leserinnen möchte ich beruhigen, es gab ein Waschbecken mit flieĂendem Wasser, das ich danach benutzte.
Was mit dem Auge passierte, ist schnell erzĂ€hlt. Bei einem eiligen GeschĂ€ft hatte ich es versĂ€umt, den oben beschriebenen Abstand zu vermessen und war haarscharf mit dem Auge auf der TĂŒrklinke gelandet. Den Aufschrei meiner Tochter, die nebenan war, konnte ich nicht mehr hören. Als ich sie in der Klinik sah, hatte sie ein riesigen Pflaster ĂŒber der Nase. Ich musste lachen, weil sie aussah wie ein Boxer, der den letzten Kampf verloren hatte.
Wenn ihr nĂ€chstes Jahr irgendwo am Ostseestrand neben den ToilettenhĂ€uschen eine Frau seht, die gegen eine geringe GebĂŒhr Schutzbrillen verleiht - wundert euch nicht.
Kommt her und grĂŒĂt mich. Ich bin nicht zu ĂŒbersehen â trage eine bunte Augenklappe.
Letzte Aktualisierung: 16.08.2010 - 23.45 Uhr Dieser Text enthält 4929 Zeichen.