Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Freude | Dezember 2010
Freude wird
von Jule Anders

Freude

F-R-E-U-D-E

Elli betrachtet jeden einzelnen Buchstaben.

"Da steckt Eu drin", denkt sie. "Eu-Stress ist guter Stress. Der macht Freude. Aber noch keine Geschichte. Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen ‚sich freuen' und ‚glücklich sein'?"
"Freude hat oft einen aktuellen Anlass", schießt es ihr durch den Kopf. Sie nimmt einen Stift in die Hand und macht sich Notizen:



Man sagt nicht einfach "ich freue mich", wenn man nicht einen konkreten Grund hat. Man freut sich über etwas oder auf etwas (Vorfreude!). Glücklich sein ist ein Zustand, der mit einem aktuellen Ereignis zusammenhängen kann, aber nicht muss.

Zurück zur Freude. Konzentriere dich auf das Freuen!

Freude über … Freunde (möglich)

über eine bestandene Prüfung (ja. Aber eine Geschichte daraus machen? Eher nicht.)

Freude über einen neuen Job (naja)

über eine schöne Wohnung (reicht nicht für eine Geschichte)

über eine gute Idee (vielleicht irgendwas mit einem Künstler …)

über eine gute Tasse Tee (reicht auch nicht, könnte man aber irgendwo einbauen)

über eine fremde Person, die einem scheinbar grundlos zulächelt (Begegnung zweier Menschen - könnte was werden)

über ein Erfolgserlebnis (zu abstrakt)


Also, was sind meine Favoriten? ‚Sich über eine Begegnung freuen' mag ich. Daraus kann sogar Glück werden (heißt das, die Steigerung von Freude ist Glück??)
‚Sich über eine Idee freuen' finde ich auch gut …



Idee; kreative Idee; Ein Künstler! Sein Atelier ist im Dachgeschoss eines Gebäudes. Ein altes, saniertes Industrie-Gebäude, vielleicht im Ruhrgebiet. Oder in den USA. In New York (zu viel Klischee??) oder in Chicago. Aber wieso so weit weg? Also Ruhrgebiet.

Künstler: Er ist ein bisschen zu dünn, hat dunkle Haare, keine wirkliche Frisur. Er trägt ein schwarzes T-Shirt, das verblasst ist; am linken Ärmel und unten am Saum hat es kleine Löcher. Seine Jeans müsste dringend mal gewaschen werden. Im Atelier ist er immer barfuß. Wenn er raus geht, zieht er ausgetretene Turnschuhe im Sommer und alte Springerstiefel im Winter an. Damit will er nichts zum Ausdruck bringen; ein Freund hat ihm die Stiefel nach dem Wehrdienst überlassen und er trägt sie, weil sie warm halten und wasserabweisend sind.

Er heißt Guido. Nein, das passt nicht ... er heißt Niels!

Niels ist gestresst. Er darf seine Bilder in einem kleinen, aber feinen Atelier ausstellen. Eine eigene Ausstellung!! Eine großartige Möglichkeit, auf seine Kunst aufmerksam zu machen und vielleicht das ein oder andere Bild zu verkaufen. Das würde seinen Bankberater freuen. Aber er braucht noch DAS Bild! Es soll direkt am Eingang hängen. Dieses Bild wird jedem Besucher als erstes ins Auge fallen.

Niels fühlt diesen unglaublichen Druck. In zwei Wochen ist Vernissage. Die Zeit rast, er spürt jede Minute, die verrinnt, fast körperlich. Es macht ihn fertig. Er läuft in seinem Atelier hin und her; (-> Atelier im Dachgeschoss beschreiben; an der Decke wechseln sich Stahlträger und eingezogene Holzträger ab …)

Zwischendurch geht er in die Hocke, starrt auf die weiße Leinwand, 250 mal 180 cm, die gefüllt werden will. Er malt Acryl auf Leinwand – wenn er malt. Im Moment ist nichts in ihm, was er malen könnte. Keine Inspiration. "Muse, wo bist du?" schreit er innerlich.

Das ist gut! Muse als Person einführen, die aber nicht so agiert, wie er es gerne hätte.

Er geht tagsüber raus, wandert ziel- und rastlos durch die Stadt, trinkt unterwegs einen Espresso (oder zwei) in seinem Lieblingscafé; wird dadurch nicht entspannter. "Du musst loslassen", sagt er sich, "dann kommt das Bild zu dir; lass es einfach kommen". Er schließt die Augen, aber er findet keine Ruhe. Sein Körper ist ein einziges nervöses Flattern.

An einem Abend versucht er, die Muse mit Alkohol zu locken. Er trifft sich mit seinem Kumpel Lars in seiner Stammkneipe (-> Irish Pub; Lars kurz beschreiben).
Sie spielen Darts, trinken Bier und zwei, drei Whiskey. Die Muse mag aber keine Alkoholfahne. Sie dreht ihm abgetörnt den Rücken zu.

Am nächsten Tag hat er Kopfschmerzen und keine Idee. Die Muse ist noch immer beleidigt. Er schimpft sich selbst einen Idioten, wirft eine Kopfschmerztablette ein und macht sich eine Kanne grünen Tee. Niels setzt sich in seinen Lieblings-Ledersessel, den er von seinem Großvater geerbt hat, hält mit beiden Händen seine Tasse Tee umschlossen und starrt von dort auf die Leinwand. Immer noch weiß. So verdammt weiß.

Weitere vier Tage sind verstrichen. Noch zehn Tage bis zur Vernissage. Er schiebt an dem Abend "Pollock" in den DVD-Player. Aber ob Pollock ein gutes Vorbild ist? Er liegt nachts im Bett und kann nicht schlafen. Niels denkt angestrengt nach. Die Muse kann krampfhaftes Nachdenken nicht ausstehen und ist vor Langeweile schon lange eingeschlafen. Au ja, das ist ein schönes Bild!

"Das ist mir doch egal. Ich bin nur für einen Tag in Dortmund und du willst ernsthaft versuchen, mir einen Korb zu geben?" Anna, eine alte seine beste Freundin weckt ihn morgens mit ihrem Anruf. Sie hat beruflich in der Region zu tun und möchte ihm für einen Tag einen Besuch abstatten. Sie hat sich extra Zeit freigeschaufelt und will mit ihm eine Tour durchs Ruhrgebiet machen, weil sich in den vergangenen Jahren dort so viel verändert hat. Er hat keinen Nerv darauf und keine Zeit dafür. Aber es ist Anna und Anna kann man nicht einfach absagen. (-> Anna charakterisieren; die beiden sind früher wahrscheinlich ein Paar gewesen).

Ruhrgebiets-Tour: Niels fährt mit Anna zum Phönix-See in Dortmund, der größer als die Binnenalster sein soll, er zeigt ihr den Bergmann-Kiosk und das Dortmunder U, Zentrum für Kunst und Kreativität. Sie fahren nach Essen zur Zeche Zollverein und er zeigt ihr, wo man im Sommer an der Kokerei auf dem Gelände schwimmen gehen kann. Sie besuchen die Ausstellung im Gasometer in Oberhausen, dort sehen sie den größten Mond auf Erden und fahren mit dem Fahrstuhl hoch auf die Aussichtsplattform (-> es könnte sehr windig sein und einer von beiden ist nicht schwindelfrei).
Sie stoppen auf dem Rückweg in Wattenscheid bei einem Imbiss, den ein ehemaliger Sterne-Koch betreibt und essen Schnitzel mit Pommes. Als sie wieder in Dortmund sind, holen sie sich ein Bier von der Bude.
Sie verabschiedet sich abends um kurz nach 10 Uhr mit einer innigen Umarmung und er hält sie vielleicht ein bisschen länger fest als es angebracht gewesen wäre.
(-> ausbauen; vielleicht knistert es im Tagesverlauf immer wieder zwischen den beiden; sie führen tolle Gespräche, lachen viel; sie bemitleidet ihn nicht, sondern zieht ihn auf; vielleicht sucht sie zwischendurch scherzhaft auf der Tour nach der Muse, die ihm abhanden gekommen ist).

Niels ist nach diesem Tag so müde wie lange nicht mehr und genießt das Gefühl der Erschöpfung. Er schläft endlich wieder eine Nacht durch. Morgens ist er entspannter, geht in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. Beim Anblick des braunen Pulvers kommt ihm die Idee für sein Bild. Er lässt alles stehen und liegen, rennt nach oben in sein Atelier, mischt braune Farbe und beginnt mit dem Malen.

Er malt vier Stunden durch, dann macht er sich seinen Kaffee und isst Müsli, bevor er wieder die Treppen hoch in sein Atelier steigt und sich erneut an sein Bild macht.
(-> Prozess des Malens beschreiben, das Auftragen der Farbe, das Mischen, das Verwenden von Sand, um Teile des Bildes plastisch wirken zu lassen; den Akt des Malens, bei dem Niels mal fast hektisch, mal ganz ruhig und konzentriert wirkt. Immer wieder geht er vom Bild weg, betrachtet es mit Abstand, um gleich danach zurück an die Leinwand zu gehen und daran zu arbeiten … ).

Nach weiteren drei Stunden hört er zunächst auf. Niels setzt sich erschöpft in seinen Sessel, betrachtet das fast fertige Bild und ist zufrieden. Er lächelt und freut sich über das, was er bis hier geschaffen hat und auf den nächsten Tag: Mit etwas Abstand und einem frischen Blick wird er es morgen fertigstellen.

Er schickt Anna eine sms mit "Danke, Muse".


Ellis Hand tut weh; wenn sie schnell viel schreibt, drückt sie Zeige- und Mittelfinger zu fest an den Stift. Sie legt den Kuli zur Seite, schüttelt die Hand kurz aus, liest sich ihre Notizen noch einmal durch und nimmt kleine Korrekturen vor.

"Ja", denkt sich Elli. "Das ist ein Anfang."

Letzte Aktualisierung: 22.12.2010 - 22.25 Uhr
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