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Jubilum | Februar 2011
Zum Wohl
von Ann Nissuth

Und so erhebe ich mein Glas … Zum Wohl.

Mmh, mein Jubiläumswein hat wirklich den vollen Geschmack, den mir der Händler versprochen hat. An den könnte ich mich glatt gewöhnen: Cuvée X, Jahrgang `96, so alt wie meine Ehe. Wir feiern heute Gläserne Hochzeit.

Am Tag vor meinem fünfunddreißigsten Geburtstag hatten wir uns getraut und waren auf dem Standesamt erschienen. Es regnete. „Das bringt Glück“, sagte meine frischgebackene Schwägerin und warf mit Reis, damit auch ja nichts schiefging.
Morgen werde ich fünfzig.

Ich habe eine prima Schwägerin. Und überhaupt fühle ich mich in der Familie meines Mannes wohl. Wir lassen ein Familienmitglied niemals im Stich, lautet ihre Devise.

Wie war das mit dem Alltagsmüll, Alexander? Scusi, ich habe nicht richtig zugehört. Alla salute.

Am liebsten mag ich Mara und ihren Sonnenschein, Sophie. Vier Jahre ist die Kleine mittlerweile schon. Zu meinem Ehrentag hat sie mir ein Schatzkästchen gebastelt.

Der Wein ist in der Tat eine Klasse für sich. Der ist die 80 Mark wert, die er seinerzeit gekostet hat.

Mit Kindern hat es bei uns leider nicht geklappt. Als sich herausstellte, dass wir keine bekommen würden, brach für uns beide eine Welt zusammen. Während ich an ein Adoptivkind dachte, entdeckte mein Gatte seine Liebe zum PC.

Hat da Cornelia etwas von Illusion gesagt? Santé.

Ich entdeckte, dass es aufgrund unseres Alters mit einer möglichen Adoption eilte. Wenn ich die Sprache darauf brachte, täuschte er Zeitmangel vor und vertröstete mich auf „später“.

Zum Wohl, liebe Gitte, zum Wohl.

Wollte mein Mann gar nicht Vater sein? Er zog sich immer mehr zurück. Mich dagegen zog es raus.
Ich hatte Angst, an seiner Seite zu ersticken, meldete mich freiwillig für Sonderarbeit und war verstärkt im Sportverein tätig.
Dass ich immer öfter außer Haus war, nahm er mir übel. Ich wurde anfällig, gab jedem Virus ein Zuhause. Am Ende verlor ich meinen Arbeitsplatz.

Ach Jutta, du hast ja gut reden. Du hast immerhin Karriere gemacht. Prösterchen. Ich gönne mir noch ein Glas.

Irgendwann fragte meine Freundin – über Handy, zu uns kam niemand mehr ins Haus - :
„Wie hoch schätzt du eigentlich deine Lebenserwartung ein?“
„Na, zwanzig Jahre hab ich ja wohl noch.“
„Und du willst also deine letzten zwanzig Jahre so weitermachen?“
„Lass uns reden“, bat ich am selben Abend zum wiederholten Mal meinen Mann und fügte hinzu: „Es ist dringend!“
„Ich finde auch, du solltest langsam zu deinem Fünfzigsten einladen. Und denk dran, dass es nicht zu teuer kommt. Ich brauche eine neue Brille und mein PC tut’s auch kaum noch. Und wer weiß, ob du in deinem Alter noch Arbeit findest.“
Das Klingeln des Telefons enthob mich einer Antwort. Mara wollte wissen, was ich mir zum Geburtstag wünschte. „Hier wird schon eifrig am Programm für dich gebastelt“, lachte sie. „Ich garantiere dir, es wird absolut peinlich!“

Im Nachbarzimmer ächzt ein Bett.

Wohlsein, mein lieber Wieland. Kann es sein, dass du die Gäste gerne in Schubladen zwingst?

Wo ist die Fernbedienung? Ich möchte eigentlich meine Ruhe jetzt.
Geschafft!
Dich, meine liebe Cuvée, werde ich noch leeren und genießen - auch, dass ich sein Schnarchen nie mehr höre.

Letzte Aktualisierung: 22.02.2011 - 15.07 Uhr
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