'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Jubilum | Februar 2011
Drei Tage
von Jens Ritter

Du bist gegangen ohne ein Wort, riefst erst heute mich an, nach drei Tagen. Sagtest, dass es vorbei ist, du nicht mehr kommst, nach zehn Ehejahren. Was sollte das sein? Ein Geschenk für dich oder mich zum Hochzeitstag? Ich hörte nur noch die Tür, wie sie zufiel hinter dir. Du warst gekommen von der Schicht, hattest einen Kasten in der Hand mit deinem Lieblingsbier, stelltest ihn nur ab und gingst dann wieder, ohne eine Wort, einen Blick, nur noch ein Geräusch, ein Klicken im Schloss, das war es, was von dir übrig blieb.
Ist es so schwer, kannst du es nicht länger ertragen, dieses Leben mit mir, mit uns, den Kindern? Ihnen gegenüber schwieg ich bisher über alles, was dich betraf, was geschehen war vor drei Tagen. Was sollte ich auch sagen, wusste es selbst nicht. Erst heute Abend war es mir klar, als der Hörer wieder auf seinem Platz lag. „Es ist aus!“, hattest du gesagt. „Es ist aus und vorbei!“ und es gebe kein Zurück, wolltest kein Besuchsrecht haben. Du würdest sorgen für uns, finanziell, wie du es bisher getan hast, bräuchte mir deswegen keine Gedanken machen. Blieb nur noch eins, ich allein, mit unseren beiden Kindern.
Wie sollte das gehen? Anna war nicht das Problem. Sie würde alles schaffen, nachdem auch sie verstanden hatte, dass du nicht mehr da bist, was geschehen war. Ella war die Sorge, das Kind, was mich so hilflos macht. War sie der Grund für deine Flucht? Ich wäre froh, wenn ich die Ursache, der Fehler, das Rad, das sich nicht mehr dreht, bin, nicht Ella. Es ist nicht leicht mit ihr, das gebe ich zu, doch es ist unser Kind. Zwei Jahre geht sie nun, besucht die Sonderschule mit mäßigem Erfolg. Geduld sollten wir haben, war das Ergebnis eines Elterngesprächs. Ich sagte es dir. Du winktest nur ab, es schien dir egal zu sein, es betraf wohl nur mich.
Anna ist dein Sonnenschein. Du lässt sie mit uns allein, willst auch für sie nicht mehr der Vater sein.

WENN MIR DIE WORTE FEHLEN, DER KOPF SICH DREHT, FANGEN DIE GEDANKEN AN ZU REIMEN.

Ich kann es einfach nicht begreifen, dass es zu Ende ist, schon seit drei Tagen. Du mir es heute sagst, nach zehn Ehejahren.
„Prost! Du Arschloch!“, zu unserem Hochzeitstag. Warum steht hier nur Bier, wie du es magst? Wo du doch keinen einzigen Tropfen trinkst auf unser Wohl. Bleibt mehr für mich, mehr Alkohol, um schnell zu vergessen, was du mir gesagt hast am Telefon, bevor du verstummtest, nur noch ein piepender Ton. Was soll ich tun? Wie soll es weitergehen? Kann ich mit unseren Kindern allein im Leben stehen? Ist dir egal, wirst du wahrscheinlich sagen. Ich gebe euch Geld, mehr braucht ihr nicht zu haben. Was ist mit Liebe? Soll ich die mir auch erkaufen, oder soll ich sie im Alkohol ersaufen?
„Wir werden sehn“, hast du gesagt. Wir werden sehn, wie es weiter geht, die nächsten Tage, ohne dich, nur wir drei. Drei Tage.

Letzte Aktualisierung: 15.02.2011 - 11.16 Uhr
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