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Traumfrau/-mann | April 2011
Frauli Alina und ihr Rudel
von Anne Zeisig

Alina stand in der geöffneten Terrassentür.
„Tammy! Hanno! Reinkommen! Fressi! Fressi! Benni! Aus! Nicht die Geranien ausbuddeln!”
Ihre Wirbelwinde stürmten in die Essecke.
Sie verteilte Fleisch und Gemüse auf Teller und Näpfchen.
„Benni bei Tisch!”
Sofort gab es wieder Gerangel um das Essen. Benni stibitzte Alina den Hackbraten.
Sie beugte sich zu ihm hinüber und kraulte ihn hinter dem Ohr. „Benni muss kein Futterneid haben. Es ist genug Fresserchen da.”
Alina legte sich ihre Ration wieder auf ihren Teller zurück und begann zu essen. „Nimm dir ein Beispiel an Tammy und Hanno.”
Die beiden Pudel standen einträchtig nebeneinander und fraßen aus ihren Näpfen.
Benni neigte seinen Kopf und blickte Alina aus großen braunen Augen an.
Sie lächelte und gab ihm ihr Fleisch. „Du weißt genau, welche Wirkung dein Dackelblick auf mich hat, mein Hundeschnäuzchen.” Sie zwinkerte ihm zu. „Bist ein ganz ein Raffinierter.”

Die Pudel schlabberten Wasser und sprangen auf ihre angestammten Sofaplätze.
Alina verzog ihre Mundwinkel. „Schade Benni. Du hast eine Chance vertan, ihnen zu zeigen, wer das Leittier im Rudel ist.”
Benni duckte sich, schlich an ihr vorbei und machte es sich im Sessel bequem.
Sie trug das Geschirr in die Küche und bestückte den Geschirrspüler. Die Fressnäpfe spülte Alina unter dem Wasserhahn aus und stellte sie wieder auf den Boden.
„Frauli ist gleich fertig!”
Benni legte seinen Kopf auf die Sessellehne und schaute hinaus. Inzwischen hatten sich Wolken vor die Sonne geschoben.
„Wenn sich das Wetter hält, gehen wir heute noch ausgiebig Gassi. Bewegung ist das Beste gegen Hängebäuchlein!”
Sie drückte den Schalter des Geschirrspülers und legte sich auf das Sofa. Sofort kauerten sich die Pudel auf ihre Füße. Alina seufzte lächelnd. „So mag ich 's.”
Benni knurrte.
„Hier ist Platz für Vier.” Sie nickte ihm aufmunternd zu und schlug mit der flachen Hand mehrmals neben sich auf die freie Liegefläche.
„Wo isser denn? Ja wo denn? So komm doch zu Frauli.”
Benni ließ sich nicht lange bitten und rollte sich neben Alina ein.
,,Du bist wirklich ein ganz ein Lieber”, sage sie gedehnt und kraulte seinen Rücken.
. . .

Ein Frösteln ließ Alina wach werden. Inzwischen warf die Nachmittagssonne lange Schatten in das Zimmer. Sie blinzelte. Benni lag zusammengerollt im Sessel und Tammy schlummerte neben ihm. Die Hundedame schnarchte leicht.
Welch friedliches Bild. Benni war wirklich ein Glücksgriff gewesen. Sie hatte auf eine Suchanzeige in der Fachzeitschrift ‘DOG & KONTAKT’ geantwortet.
Alina und ihre beiden Hunde waren seit Jahren eine eingeschworene Gemeinschaft. Schwierig für jeden, der neu hinzukam.
Aber inzwischen hatte sich Benni gut integriert.
Besser als Collimänni vor zwei Jahren.
Der hatte täglich überall im Haus seine Duftmarken hinterlassen, weil er sein Territorium markieren musste. Alina brachte es nicht übers Herz, ihn kastrieren zu lassen. Dieser Eingriff ging ihr entschieden zu weit.
Aber als die langjährige Putzfrau kündigte, war Alinas Geduld am Ende. Sie hatte sich schließlich persönlich darum gekümmert, ihn an ein hundeloses Frauchen zu vermitteln.

Alina reckte sich. Um Benni musste sie sich keine Sorgen machen. Er war anpassungsfähig und pflegeleicht. Sie stupste auf Tammys feuchte Nase. „Ich könnte fast eifersüchtig werden.”
Die Hundedame öffnete ihre Augen, schleckerte kurz an Bennis Ohren und sprang vom Sessel hinunter.
Hanno spielte bereits mit dem Ball im Garten. Tammy legte sich gähnend auf die sonnengewärmten Terrassenfliesen und schaute ihm zu.

. . .

Alina und ihre Freundin saßen auf der Terrasse und prosteten sich zu.
„Nun siehst du selbst, wie unbefangen Benni mit Tammy und Hanno herumtollt.” Alina zeigte in den Garten. „Schau dir Bennis Muskelspiel an! Kein Gramm Fett. Bei mir kommt keine Konserve auf Teller und Näpfchen. Außerdem ist dreimal Gassi gehen das Minimum.”
Die Freundin schnalzte mit der Zunge. „Da hast du dir wahrlich ein Prachtexemplar zugelegt.” Sie nippte an ihrem Rotweinglas und seufzte. „Du und dein kleines Rudel. Ich könnte neidisch werden.”
Alina nickte. „Mit Benni sind wir komplett. Sozusagen das ideale Rudel.”
Die beiden Frauen sahen dem Treiben im Garten wohlwollend zu.
Plötzlich lief Benni zur Zypressen-Hecke und wollte dort sein Geschäft erledigen.
„Benni! Nein!”
Die Freundin setzte ihr Glas abrupt auf dem Tisch ab. „Findest du nicht, dass das von ihm übertriebenes Verhalten ist?”
Alina hob beide Hände. „Nun ja. Ein bisschen Erziehung benötigt er noch.”
„Guck mal! Jetzt lässt er auch noch seine Zunge raushängen und hechelt!”
Alina ließ ihre Arme sinken. „Das ist normal. Der hat Durst. Benni! Komm zu Frauli!” Sie stand auf und klopfte sich mit den Handinnenflächen auf ihre Oberschenkel. „Ja komm doch! Ja! Ja! Ja, wo isser denn, mein Süßer.”
Benni kam auf die Terrasse gelaufen und schleckerte an Alinas rotlackierten Fußnägeln.
Sie lachte und kreischte. „Das kitzelt! Bist ein ganz ein Raffinierter."
„Du hast wirklich das große Los gezogen. Der geht ja total auf dich und die Pudel ein. Klasse!”
Alina lächelte. „Irgendwann musste es mit dem Traummann für ‘s Frauli und den Hundis ja klappen.”
Benjamin setzte sich zu ihnen, lächelte Alina an und erhob prostend sein Glas.

Letzte Aktualisierung: 09.04.2011 - 22.50 Uhr
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