Sexlibris
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Traumfrau/-mann | April 2011
Erwischt
von Ann Nissuth

Sanft knabbert er an meinem Ohrläppchen. Dann wandert seine Zunge langsam an meinem Hals hinunter bis zum Bauchnabel. Und seine Hände suchen dabei zielstrebig brustabwärts ihren Weg zu meinem Schoß, der sich ihm freudig entgegendrängt. Er lässt mich sehr gekonnt durch viele kleine Wellen fließen, bevor uns beide gleichzeitig die Riesenwoge überrollt.
Als ich die Augen öffne, küsst mich nur die Sonne. Von irgendwo her höre ich mein Handy penetrant klingeln. Mühsam fische ich es unterm Bett hervor.
Sonja fragt an, ob ich zum späten Frühstück mit ihr ins Café gehen möchte. Lieb von ihr. Sie weiß, dass ich in meiner neuen Heimat bislang keine Kontakte habe. Ich raffe mich heroisch auf und sage zu.
Schnell bin ich geduscht und angezogen, die Augen verberge ich hinter einer großen Sonnenbrille. Wenig später sitze ich mit meiner neuen Kollegin in einer herrlich versteckten Ecke vorm Café.
Gemütlich frühstücken wir in den Sonntagmittag rein. Mit ihrer Fröhlichkeit steckt Sonja mich bald an. Genüsslich lästern wir gemeinsam über die Passanten ab.
Ein durchgestyltes Pudelfrauchen etwa, ganz in Rosa, erweckt unsere Heiterkeit. Das Kind, das in der Nase popelt und seine Beute an die Designer-Jeans des gelangweilt dreinblickenden Papas schmiert, hat unsere ungeteilte Sympathie. Den Gockeltyp mit Glatzentattoo finde ich abstoßend. Sonja sinniert angesichts eines kleinen, dünnen Mannes, der einen mächtigen Bierbauch vor sich herschiebt, über die Schwerkraft und hält fest:
„Also Bierbauch ist für mich nun absolut unmöglich.“
„Sonst stellst du keine Ansprüche?“
„Ich wünsch mir einen Mann, der mich auf Händen trägt“, verkündet sie mir strahlend.
„Dann kann er nicht mehr zupacken.“
„Zupackend darf er schon gerne sein“, grinst sie und will dann wissen: „Wie soll dein Traummann sein? Verrat’s mir, komm.“
„Und deiner?“, weiche ich schnell aus.
„Ich fahre voll auf Hugh Jackman ab. Der hat so einen schönen Knackarsch. Aber mein Traummann muss sich auch die Hausarbeit mit mir teilen, weißt du.“
„Haha, lachte der kleine Kobold. Wie war noch mal dein ursprünglicher Wunsch? Ach ja, du wolltest über Wasser gehen können. Das krieg ich hin“, zitiere ich.
„Hä?“ Sie schaut mich schräg von der Seite an.
„Ein Witz. Traummänner, liebe Sonja, sind in der Regel nur zum Träumen da. Die sind ganz selten alltagstauglich.“
„Sprichst du da aus Erfahrung?“, fragt sie neugierig und zwingt mich in mein Sektglas abzutauchen.
Die Antwort kann ich mir zum Glück jedoch ersparen, denn ich registriere, wie sie sich plötzlich kerzengerade aufrichtet, ihr Dekolleté zurechtzupft und die Lippen anfeuchtet.
Ich folge ihrem Blick und was ich sehe, lässt auch mein Herz heftig schlagen.
„Schau dir den an. Ist der nicht süß?“, fragt sie mit einem kleinen Seufzer.
„Der Mann hat mit Hugh Jackman nicht mal die Pofalte gemeinsam.“
„Nee du, ich guck ja auch in echt in erster Linie auf die Augen“, lacht sie.
„Du kannst doch seine gar nicht sehen“, stelle ich fest. „Also, was macht dich an ihm an?“
„Die männliche Ausstrahlung.“
„Die strahlt gerade bis zu dir hin“, frotzle ich und kann doch selbst deutlich spüren, wie lebendig der Mann ist.
„Schau nur, wie er mit der Bedienung spricht. Wow und das Lachen … Den hol ich gleich zu uns herüber.“
Sonja scheint, zu meinem Horror, wild entschlossen. Doch im gleichen Augenblick tritt eine Frau an den Tisch des Objekts ihrer Begierde und er legt ein paar Münzen auf den Tisch, steht auf, umarmt die Frau – sie könnte meine Schwester sein - , küsst sie zärtlich und wendet sich mit ihr zum Gehen.
„Och nee.“ Meine Kollegin ist sichtlich enttäuscht und tröstet sich dann selbst: „Bestimmt ist er nicht treu.“
„Nein, ist er nicht!“, rutscht es mir raus und ich füge, auf Sonjas Blick hin, rasch hinzu: „Stell ich mir auch so vor.“
„Jedenfalls kann ich mir lebhaft vorstellen, was die gleich machen“, seufzt Sonja wieder. Der Mann hat seine Hand besitzergreifend auf den Po der Frau gelegt, die sich eng an ihn schmiegt.
Und ich weiß, er wird gleich an ihrem Ohrläppchen knabbern und seine Zunge wandert dann ganz langsam an ihrem Hals herunter bis zum Bauchnabel und seine Hände suchen dabei zielstrebig brustabwärts ihren Weg …

Letzte Aktualisierung: 25.04.2011 - 21.11 Uhr
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