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Mysterium | August 2011
La und Le samt Lu
von Angelika Gerber

Der Vollmond leuchtete in voller Pracht, sein silbriges Licht fiel auf eine Gruppe junger Menschen, die um ein Lagerfeuer saßen. Einer von ihnen war ganz still.
Er warf unermüdlich Brennholz ins Feuer. Wenn die Flammen sich züngelnd daran erfreuten, glitt ein kleines Lächeln über sein Gesicht. Als kein Holz mehr da war, stand er auf und lief davon.

„He, Andy, komm doch wieder rüber, was machst du da im Dunkeln, spielste alleine Versteck?“, rief Kai und alle lachten.
„Ich muss mal“. Andy entfernte sich noch ein Stück von der Gruppe.
Das Gelächter steigerte sich, als jemand brüllte: „Erst fällt er dauernd vom Surfbrett und säuft literweise Wasser und nun geht er kacken. Was für eine Partysau“.
Andy hörte gar nicht hin. Sprüche hatte er für heute genug gehört. Er lief barfuß durch die Wellen am Ufer. Seine Füße waren eiskalt, doch er genoss das Gefühl, wenn sich seine Zehen in den glitschigen Sand hineingruben. Wagemutig kletterte er auf einen großen Felsen. Hier übertönte die Brandung das Gegröle seiner Clique. Ruhe war genau das, was er suchte.
Als er zum Mond hinaufsah, überkam ihn ein Schaudern. Er hatte das Gefühl, als würde ihn jemand beobachten. Da entdeckte er eine Sternschnuppe. Er schloss die Augen, gab ihr seinen Wunsch mit auf den Weg: Einmal nur wollte er besser sein, als die anderen, ein einziges Mal zeigen, was er drauf hatte.

Gedankenverloren betrachtete er den Himmel und wunderte sich, wie echt der Mann im Mond aussah. Dieser begann auf einmal zu winken.
Andy grüßte reflexartig zurück, hielt inne und schaute noch einmal hin. Doch, ganz sicher, der Mann winkte. Seine Knie wurden weich, er setzte sich auf den felsigen Boden und schüttelte den Kopf. Er hatte doch nur zwei Bier getrunken, am Alkohol konnte es nicht liegen. Aber an was dann? An seinem Wunsch? Den Mann im Mond gibt es doch nicht.
Wieder winkte jemand panisch, die Arme wurden abwechselnd nach oben geschleudert.
Andys Herz schlug lauter, wie die tosende Brandung, er begann zu schwitzen.
Im Eiltempo stieg er hinunter, rannte so schnell ihn seine kraftlosen Beine trugen zu den anderen zurück, die immer noch lachten. Ihre Gegenwart beruhigte ihn.
„Leute, schaut euch den Mond an, fällt euch was auf“?
Manche Blicke richteten sich gelangweilt Richtung Himmel.
Kai fiel die Flasche aus der Hand: „Der winkt! Der Typ winkt! Andy, was ist da los?“
„Du, Mann im Mond, hast du Probleme“, rief Andy hinauf und einige kicherten nervös.
„Wieso meinst du, dass es ein Mann ist?“ fragte Phil. „Ich kann die Brüste erkennen, wenn sie so hüpft“, sagte er und hielt den anderen sein Fernglas hin.
Kai riss es an sich: „Hey, ich glaub´ es nicht, das ist eine nackte Frau“, schrie er begeistert und klopfte sich auf die Schenkel. „Und was für eine“!
Jeder von ihnen versuchte das Fernglas zu erwischen. Andy hatte Glück und schnappte es sich für einen Moment, doch er konnte nur die Umrisse eines Mannes erkennen, der wie wild tobte.
„Das ist doch keine Frau, ihr Idioten“, sagte er enttäuscht und Phil und Kai platzen fast vor Lachen. „Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass er in Not ist. Wir müssen etwas unternehmen“, forderte Andy.
„Du Alter, wir sind betrunken, da kann man halt Dinge sehen, die es nicht gibt. Mensch, der Mann im Mond hüpft, das geht nicht! Und selbst wenn er wirklich Hilfe braucht, der Typ wohnt schon immer da oben, damit muss er sich abfinden. Oder hast du ein Raumschiff zuhause, damit wir den Alten abholen können. Bei einer nackten Frau würde ich natürlich selbst eines kaufen“, grinste Phil und nahm seine Bierflasche in die Hand. Die anderen redeten drauflos, als wäre nichts passiert.
Kopfschüttelnd ging Andy nach Hause, ohne sich zu verabschieden.
Was, wenn diese Sache mit seinem Wunsch zu tun hatte? Es war ein Zeichen, er musste handeln, hier war seine Chance.
Okay, Houston wir haben ein Problem. Der Mann braucht Hilfe. Ich Erde, er Mond, begann er nachzudenken. Er könnte einen Flug zum Mond kaufen, den Mann retten und als Held in der Zeitung erscheinen. Sicherlich bekäme er eine Art Finderlohn, wenn er den Mann im Mond auf die Erde bringen würde.

Zuhause setzte er sich sofort an seinen Laptop „Mann im Mond“, tippte er ein:
Die Vorstellung des Mondgesichts wird als Pareidolie durch die Vielzahl der Krater und die unterschiedliche Reflexion des Sonnenlichts der verschiedenen Gesteinsarten bei Vollmond erzeugt. Die dunkleren Stellen wecken dabei Assoziationen an ein menschliches Antlitz.
Ein menschliches Antlitz mit einem winkenden, hysterischen Mann zu verwechseln, sollte selbst ihm nicht leicht fallen. Die Anderen hatten ihn auch gesehen. Er war real. Beim Mondflug wurde er sofort fündig, der Preis inklusive Astronautentraining lag bei knapp zweihunderttausend Euro. Er pfiff leise durch die Zähne, da musste er wohl erst einmal eine Bank überfallen. Andy beschloss abzuwarten. Vielleicht war in der nächsten Nacht der Spuk vorbei.

Mitten in der Tiefschlafphase donnerte jemand gegen die Wohnungstür.
Andy schreckte auf und versuchte sein rasendes Herz zu beruhigen.
Was, um alles in der Welt, war das?
„Hallo“, rief er mit zittriger Stimme und wieder trommelte jemand gegen die Tür, als ob er sie einschlagen wollte.
„Ja, ich komme“, sagte Andy schwach und griff nach dem nächstbesten harten Gegenstand. Bewaffnet mit seinem Handy schlich er zur Türe und öffnete vorsichtig.
Ein nackter Mann mit langen, filzigen Haaren und einem schwarzen Bart, der bis zum Bauchnabel reichte, stand vor ihm und zeigte mit seinen dreckigen Fingern auf ihn:
„Holz“, brummte er und nickte auffordernd.
„Du“, brachte er japsend heraus „ duuu, duuu bist der Mondmann?“
Andy versuchte, nicht zu atmen, denn der beißende Geruch, den der Typ verströmte, war so widerlich, dass ihm schlecht wurde.
„Holz“, wiederholte der Mondmann und sein Blick flackerte gefährlich.
„Ja, ja, ich kann dich verstehen. Holz! Komm rein, ich bringe es dir.“
Der Mann stapfte unsicher auf ihn zu und tippte ihm den Finger auf die Brust.
„Bring“, rief er und sein fauliger Atem stieg Andy in die Nase. Er rannte würgend ins Bad und erbrach sich ins Waschbecken. Der Typ wollte Hilfe, er hatte sicher nicht vor, ihn gleich umzubringen. Hoffte er jedenfalls. Etwas ruhiger ging er wieder ins Wohnzimmer.
„Wozu brauchst du das Holz?“, fragte er freundlich, woraufhin der Mann fauchte: “Mond!“.
Andy nickte beschwichtigend. „Du willst also Feuer machen. Ist es kalt dort oben?“
Der Mann nickte und rieb sich mit den Händen über die Oberarme, er sprang dabei auf und ab und sein langes Glied klatschte ihm links und rechts gegen die Beine.
Andys Blick fiel auf das gute Stück. Ihm wurde wieder übel. Er glaubte nicht, dass man es je wieder sauber bekäme.
„Willst du nicht lieber auf der Erde bleiben, wenn du schon hier bist?“, fragte Andy „Wir haben auch Wasser und Kleidung.“
Der Mondmann schüttelte seinen Kopf und rümpfte angewidert die Nase.
„Mond Zuhause“, sagte er und streckte wie E.T. seinen Finger nach oben.
Andy nickte wieder und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. „Ich bring dir Holz und du kannst bald wieder zurückfliegen, warte hier.“
Der Mann nickte und ließ sich stöhnend auf die Couch fallen. „Schlafen“, sagte er und schnarchte schon. `Ich muss mir eine neue kaufen`, dachte Andy und rannte los.
Er sprang die Treppe runter in den Keller, um Holz zu suchen.
Als er zurückkam, war das Zimmer leer, ihm fielen vor Schreck die Holzscheite auf den Boden.
„Hey Mondmann, ey mach´ keinen Scheiß! Komm zurück“!
Mist! Der war wirklich weg. Er brauchte wenigstens ein Foto, ein Video, ein Beweisstück. Niemand würde ihm das glauben.
Plötzlich schlug ihn jemand mit roher Gewalt auf die Schulter, Andy schrie vor Schmerz.
Er drehte sich langsam um, den Hals tief ins Genick gezogen. Sein Freund Phil stand vor ihm und hielt ihm eine Kamera vor das Gesicht: „Willkommen bei ‚Verstehen Sie den Mann im Mond’“, brummte er mit tiefer Stimme.
Hinter ihm erschien Kai laut lachend mit dem Mondmann, der in einen Bademantel gehüllt war. Dieser nahm den Bart und seine Haare ab und fauchte: „Holz …kopf.“
Andy warf ihnen die Holzscheite um die Ohren und trat gegen alles, was ihm in die Quere kam. Es dauerte mehrere Minuten, bis er sich beruhigen konnte.
„Ihr Vollidioten“, schnaufte er, „wie habt ihr das gemacht?“
„Der nackte Chris hier, hat mal einen Steinzeitmenschen in einem Musical gespielt. Hatte die Utensilien zuhause. Als du vorhin abgehauen bist, kamen wir auf die Idee, wie cool es doch wäre, wenn der Mann im Mond dich besucht“, erklärte Phil.
„Wie krank ist das denn? Wem soll man eigentlich noch trauen, wenn die besten Freunde einem so etwas antun?“, fragte Andy verzweifelt.
Phil zuckte mit den Schultern „Spaß, Alter, ist doch alles nur Spaß und für so einen lustigen Film bekommt man im Netz viel Geld, du kriegst was ab.“
„Etwas ab? Ich will alles, du Wurst!“, sagte Andy und nahm seinen Freund in den Schwitzkasten.
Eigentlich sollte er ihnen allesamt die Freundschaft kündigen, doch sie waren ja nicht immer so gemein. Er seufzte ergeben: „Und wie war es möglich, dass ich am Strand einen winkenden Mondmann sah? Habt ihr denn eben mal schnell für mich hochgeflogen? Ihr habt ihn auch gesehen, oder?“
Phil zuckte mit den Schultern. „Betrunkene sind nun mal nicht zurechnungsfähig“
„Ich war aber nicht betrunken“, widersprach Andy.
Er blickte aus dem Fenster. Für einen Moment glaubte er wieder einen winkenden Mann zu sehen, dann blieb alles ruhig.


Lichtjahre entfernt

Ein letztes Mal sandte er ein SOS-Zeichen zur Erde. Sein kraftloser Körper glitt zu Boden. Er hatte alles versucht. Resigniert rollte er sich zusammen, wartete auf ein Wunder.

Als sich jemand über ihn beugte, war es bereits zu spät. Die Gestalt trat ihm kräftig in den Bauch. Keine Reaktion. Wieder so ein Versager, der es nicht lange bei ihr ausgehalten hatte. Die Bedingungen hier oben waren nicht ideal für die Männer. Sie musste sich einen Neuen raufholen. Alleinsein lag ihr nicht. Sie hatte da schon einen im Auge.



©Angelika Cg 3.Version

Letzte Aktualisierung: 23.08.2011 - 21.56 Uhr
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