Burgturm im Nebel
Burgturm im Nebel
"Was mögen sich im Laufe der Jahrhunderte hier schon für Geschichten abgespielt haben?" Nun, wir beantworten Ihnen diese Frage. In diesem Buch.
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Mysterium | August 2011
Der Gärtner ist immer der Mörder
von Robert Poleschny

Es war einmal ...

„Nun lasst mich doch mal durch, verdammte Scheiße.“

Bully konnte es nicht fassen. Immer wenn es etwas zu begaffen gab, war es ihm fast unmöglich, problemlos durchzukommen. Ihm reichte es. Er zog seine Waffe aus dem Halfter und richtete sie in den Himmel. Ein ohrenbetäubender Knall beendete das aufgeregte Gemurmel schlagartig und eine Gasse zum Ort des Geschehens bildete sich wie von selbst.

„Na also, geht doch!“

Bully steckte die Pistole ein, zupfte seine Uniform zurecht, setzte seine Mütze auf den Kopf und ging auf die Lichtung zu.
Er sah schon von Weitem den leblosen Körper im Gras liegen. Seine Hände fingen an zu schwitzen. Bisher musste er lediglich Streite schlichten, Diebstähle aufklären oder einem Drogengeschäft nachgehen. Um einen Mordfall hatte er sich noch nie kümmern müssen. Als er vor der Leiche stand, fixierte er das Messer, das im Rücken des Opfers steckte, als wäre es ein Hebel, an dem man ziehen konnte.
„Ey Offissa. Nachdem de uns ja jetze durch deinen Schreckschuss mindestens zwee Jahre unseres Lebens jeklaut hast, kannste uns ja ma sajen, wer den Ollen wie ne Sau abjestochen hat!“
Die Stimme kam aus der hintersten Reihe und gehörte Titty.
„Dit hatten wa ja noch nie. Und ick bin schon n paar Jährchen hier.“
Bully musste ruhig bleiben. Er durfte sich nicht provozieren oder unter Druck setzen lassen. Professionalität war jetzt das A und O. Er räusperte sich.
„Ich habe keine Ahnung, wer das getan hat“, erwiderte er.
Dann drehte er sich um und schaute in die Gesichter der Anderen. Angst, gemischt mit einer unbändigen Neugier, stand in ihren Augen.
„Aber ich werde das herausbekommen, das verspreche ich euch. Mich würde ebenfalls interessieren, wer das hier ist!“
Dabei zeigte er auf den leblosen Körper hinter sich.
„Kennt jemand diesen Kerl?“
Er blickte mit hochgezogenen Augenbrauen in die Runde.
„Vielleicht ist das einer von Tittys Kunden“, rief Dany abfällig. Ein Raunen ging durch die Massen. Dany war bekannt dafür, dass sie Männer verabscheute und sich lieber auf Ihresgleichen konzentrierte. Dann sahen alle zu Titty.
Sekunden später kam diese mit erhobenem Kopf und einer Spitze in der Hand nach vorne und zog genüsslich am Mundstück. Die Zigarette glimmte auf.
Langsam ging sie um den Leichnam herum, um das Gesicht des Toten sehen zu können.
Alle starrten sie gebannt an. Man konnte die Luft knistern hören.
Als sie vor dem leblosen Körper stand, blies sie den Rauch in kleinen Ringen heraus.
„Nee, dit is keener von meenen Freiern“, stellte sie gelassen fest. „Dit wüsst ick janz jenau.“
Dann stolzierte sie zurück und verschwand wieder in dem Gedränge. Bully kratzte sich am Kopf.
„Hat denn jemand etwas mitbekommen? Irgendwas?“, fragte er weiter.
Eine Hand erhob sich zögernd aus der Menge. Bully konnte nicht erkennen, wem diese gehörte.
„Komm doch mal nach vorne!“
Hektisch kam Deppy in den Kreis des Geschehens gestolpert. Fast wäre er der Länge nach hingefallen, hätte Bully ihn nicht in letzter Sekunde aufgefangen.
Innerlich verdrehte Bully die Augen. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Deppy erzählte gern Geschichten, deren Wahrheitsgehalt sehr fragwürdig war.
„Und? Was hast du gehört oder gesehen?“ Bully setzte sein freundlichstes Lächeln auf.
Deppy scharrte mit dem Fuß auf dem Boden und schaute Lippen kauend auf den Boden.
„Ich habe nichts gesehen!“ Bullys Geduldsfaden wäre beinahe gerissen. Genau das hatte er befürchtet.
„Sag mal. Willst du mich verar...?“
Noch bevor Bully den Satz zu Ende sprechen konnte, setzte Deppy seinen schnell fort.
„Aber ich habe etwas gehört und gerochen.“ Ein weiteres Raunen war zu hören.
Bully schaute Deppy ungläubig an.
„Etwas gehört und gerochen? Das musst du mir genauer erklären!“
„Als ich gestern Abend noch einmal kurz hinter die Hecke gegangen bin, um zu schei..“
„Stopp! Ist schon gut“, unterbrach ihn Bully, „so genau wollen wir es auch nicht wissen. Erzähl mir doch nur das Wichtigste, ja?“
Deppy nickte.
„Also, als ich scheißen war, hatte ich auf einmal einen komischen Geruch in der Nase. So süßlich und schwer. Und dann hörte ich jemanden flüstern. Ich habe leider nicht alles verstanden. Nur ein Kichern und die Worte:
Den andren krieg ich auch noch.“
Deppy machte eine kleine Pause, als müsste er überlegen.
„War da noch etwas? Ein Schrei vielleicht?“ Bully wartete.
„Nein. Aber die Person hat so undeutlich gesprochen. Es klang so ähnlich wie bei Kiffy.“
„Aha!“
Bei Bully ertönten alle Alarmglocken. Kiffy hatte er schon länger unter Beobachtung. Schließlich war er der Dealer der Kolonie, auch wenn er ihn noch nie auf frischer Tat ertappt hatte. Jetzt würde er ihn sich vorknöpfen.
„Weiß jemand von euch, wo Kiffy ist?“
„Ich glaube, der pennt noch. Ich werde ihn mal holen gehen.“
Damit machte sich Dany grinsend auf den Weg und murmelte leise: „Vielleicht noch ein Kerl weniger, wenn sie den einbuchten.“
„Aber ich habe nicht gesagt, dass es Kiffy war“, betonte Deppy aufgeregt. „Ja klar!“, bestätigte Bully. „Ich will ihm nur ein paar Fragen stellen.“
Minuten später kam Dany zurück.
„Kiffy ist nicht da. Weder in seinem Bett, noch darunter.“ Enttäuschung war aus ihrer Stimme zu hören.
Wieder ging ein Raunen durch die Menge. Eigentlich war Kiffy nicht der Typ, der vor 14 Uhr aus dem Bett fällt.
Bully kratzte sich am Kopf.
„Das ist schon seltsam, findet ihr nicht auch?“
Dolchy kam erst jetzt dazu und ‚schwebte’ nach vorne, während ihr Goldschmuck klimperte wie das Glockenspiel des Münchener Rathauses. Sie hatte etwas zu den Vorwürfen zu sagen.
„Falls es dich interessiert: Kiffy liegt seit gestern Abend bei uns im Beet und schläft seinen Rausch aus. Ich bitte dich. Der könnte keiner Fliege ein Haar krümmen.“ Und Gabany, Dolchys Zwillingsschwester, fügte hinzu: „Du weißt genau, wie friedliebend Kiffy ist.“
Bully musste sich geschlagen geben. Er hatte für einen kurzen Moment seine Objektivität aus den Augen verloren. Beide hatten recht. Kiffy war der personifizierte Frieden.
„Na gut. Aber leider sind wir immer noch keinen Schritt weiter. Es kann doch nicht sein, dass hier mitten in der Nacht jemand hinterrücks erstochen wird und niemand bekommt etwas mit.“
„Wo warst du zur angeblichen Tatzeit?“
Jetzt wurde Bully die Situation unheimlich. Irgendwie schien ihm das Ganze aus den Händen zu gleiten. Sollte das heißen, dass er verdächtigt wurde?
„Was willst du denn damit sagen?“ Dabei schaute er Gitty an, die von Anfang an in der ersten Reihe gestanden und sich bis jetzt zurückgehalten hatte.
„Gar nichts. Ich habe nur eine Frage gestellt, genauso, wie du das seit zwanzig Minuten tust.“
„Nur zu deiner Information. Ich habe, wie jeden Abend, meine letzte Tour um dreiundzwanzig Uhr gemacht und bin dann in mein Bett gegangen. Erst heute Morgen wurde ich durch den Schrei geweckt, den irgendjemand von sich gegeben hat.“
„Siehst du! Auch du hast kein Alibi. Also hör bitte damit auf, so zu tun, als wäre jemand aus unserem Kreis der Schuldige.“ Gitty fixierte Bully eine Weile, dann sagte sie weiter:
„Ist dir denn schon mal aufgefallen, dass es kein Blut auf dem Rasen gibt?“
Bully drehte sich zu dem Toten um. Gitty hatte recht. Wie hatte er das übersehen können?
„Das kann doch nur heißen“, fuhr Gitty fort, „dass der Arme nicht hier ermordet wurde, was wiederum die Frage aufwirft, warum der bei uns im Garten liegt.“
„Das ist wirklich mysteriös“, musste Bully neidlos zustimmen.
Er ging zu dem Erstochenen, um sich das Ganze noch einmal genau anzuschauen. Vielleicht hatte er noch etwas Wichtiges übersehen. Dann wurde er abrupt unterbrochen.

„Achtung, alle in Deckung. Die Riesen kommen!“

Plötzlich rannten alle durcheinander. Jeder wollte so schnell wie möglich an seinen angestammten Platz zurückkehren. Sekunden später war alles ruhig.

Dann trat eine Frau in den Garten. Mit einem Schlag war der Garten mit einem süßen, schweren Parfum benebelt.

„Schau mal Schatz. Ich habe uns einen neuen Gartenzwerg mitgebracht. Der passt doch supi zu dem Letzten in unserer Sammlung.“
Dabei bückte sie sich und stellte den „Neuen“ hinter den Erstochenen.
Dieser Zwerg hielt ein Messer in die Höhe und grinste diabolisch.
Ein letztes Raunen ging durch den Garten.



... und wenn sie nicht gestorben sind ...

Letzte Aktualisierung: 27.08.2011 - 15.20 Uhr
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