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Mysterium | August 2011
Nächtlicher Besuch
von Sigrid Hahn

Das Telefon riss mich aus dem Schlaf. Oh Gott, schon halb neun, ich wollte doch
noch bügeln. Ich griff nach dem Hörer, der auf dem Tisch lag:
„Hallo?“
Niemand meldete sich. Sicher hatte sich jemand verwählt. Aber wenigstens hätte er sich melden können.
Ich ging nach oben in unsere Stube und setzte mich an das bereitstehende Bügelbrett und schaltete den Fernseher an. EinBericht über die Zeugen Jehovas.
Da ich nichts anderes fand, ließ ich dieSendung drauf. Während ich bügelte sah ich ab und zu auf den Bildschirm. Mit fortschreitender Sendezeit wurden die Informationen immer interessanter. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Irgendwann
vergaß ich weiterzubügeln und schaute wie gebannt auf den Fernseher.
Plötzlich klopfte es an die Tür.
Nanu,wer konnte denn das sein? Meine Schwiegermutter war nicht zuhause und mein Mann hatte im Feld zu tun.
Wer sollte denn so spät noch den Weg durch die Hintertür gefunden haben?
Ich öffnete die Tür. Der dunkle Flur hauchte mir seinen kalten Atem ins Gesicht.
Niemand da. Seltsam. Erst der Anrufer, der sich nicht meldete, jetzt ein unsichtbarer Besucher? Vielleicht hatte ich mich auch geirrt und das Klopfen war im Fernseher gewesen?
Ich setzte mich wieder und verfolgte weiter den Bericht im Fernseher.
Wieder klopfte es an die Tür.
War mein Mann schon zurück und wollte mich ärgern? Nein, dann hätte ich den Schlepper hören müssen. Abermals öffnete ich und der Flur gähnte mich schaurig dunkel an.
„Klaus!“, rief ich in das Dunkel hineian. Keine Antwort.
Na warte!, dachte ich, schloss die Tür und blieb, die Klinke in der Hand behaltend, stehen. Es dauerte eine Weile, dann klopfte es tatsächlich wieder. Mit einem Ruck riss ich die Tür auf …
Niemand war zu sehen oder zu hören.
Mit zitternden Knien ging ich zum Lichtschalter und machte Licht. Mein Atem bekam einen schleifenden Ton und auf meinem Körper breitete sich eine Gänsehaut aus.
„Klaus?“, rief ich noch einmal kläglich, doch es blieb still.
„Ich finde das nicht lustig“, würgte ich heraus, drehte mich um und wollte schnell wieder in die Stube und die Tür von innen schließen. Sollte doch klopfen wer wollte, die Tür würde ich jedenfalls nicht mehr öffnen.
Da sah ich an der Wand neben der Badezimmertür einen großen schwarzen Fleck. Was war das?Als ich nähertrat, erkannte ich eine kleine Fledermaus, die sich ängstlich an der Tapete festklammerte. Unwillkürlich stieß ich einen furchtbaren Schrei aus. Mein Kopfkino zeigte mir, wie ich in Draculas Armen lag und er mir genüsslich in den Hals biss. Doch dann begann ich, erst unsicher, dann immer lauter,zu lachen. Ich weiß nicht, wer von uns beiden mehr Angst hatte …
„Wo kommst du denn her?“, fragte ich die Fledermaus. Doch die Antwort darauf konnte ich mir selber geben: Wahrscheinlich war sie heute auf dem Boden gestört worden und kam zu der lange
offen stehenden Bodentür runter in den Flur, wo sie sich ein sicheres Versteck gesucht hatte. Als es dann dunkel war, fand sie den Weg nicht mehr nach draußen und flog immer gegen die Tür. Ich öffnete die Bodentür wieder und löschte das Licht.
Sicher würde sie nun den Weg nach draußen finden …

Gockelchen66

Letzte Aktualisierung: 13.08.2011 - 01.24 Uhr
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