Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Landleben | September 2011
hühner wehen über die steppe
von Helga Rougui

Der Wind war so stark, daß, traute sich ein Huhn aus seinem Stall, er es unverzüglich ergriff und vor sich her wirbelte, und es nahm Fahrt auf und wurde schneller als der Sturm, der mit Überlichtgeschwindigkeit hinterherfegte und Tonnen sich irre drehenden Sands als drohende Säulen in den schwarzen Himmel erhob. Die Hühner waren erstickt, wenn sie viele Kilometer weiter auf dem Boden auftrafen und zerplatzten wie reife Melonen, und wenn ihr Inneres sich wenig ansprechend über ganze Wiesen verteilte, kümmerte das keine Sau, die hatten selbst genug damit zu tun, nicht vom Tornado fortgetragen zu werden, und sonst konnte kein lebendes Wesen im Umkreis von Ariane Zeuge ihres Verendens sein, weil es keines mehr gab.

Das Huhn ruderte hektisch mit den kurzbeschnittenen Flügeln, nutzlose Dekoration seit seiner Kükenzeit. Das half wenig, war aber besser als nichts zu tun, während es von den entfesselten Sturmböen dahergezerrt wurde. Natürlich war es völlig hilflos, das wußte es. Hühnerinstinkt. Es hatte immer Furcht vorm Ertrinken gehabt oder vorm nächtlichen Marderbesuch, vorm Hofhund oder vorm Geschlachtetwerden natürlich. Daß es mal ein fliegendes Huhn werden würde, hätte es sich nie träumen lassen. Das Fliegen war ja soweit nicht das Problem, auch wenn es eher einem Getriebensein glich - die Landung machte ihm Sorge.

Eine Wasserung vielleicht? Aber wie navigieren? Und ein See würde als Landeplatz auch nicht geeigneter sein als der harte Boden. Bei dem Tempo, mit dem das Huhn dahersauste, wäre er wie ein harter Boden, mit allen Konsequenzen. Da fiele es auch nicht weiter ins Gewicht, daß es nicht schwimmen konnte. Seine Lage schien also aussichtslos. Während es innerlich alle Auswege verwarf, erhöhte der Sturm seine Geschwindigkeit und riß es aus den Gewitterböen durch dräuende Wolkenwände hoch in den azurnen Himmel hinaus.

Das Huhn schwebte einen kurzen, einen ewigen Moment lang in völliger Stille.
Der Orkan hielt den Atem an.
Beide verharrten, bewegungslos.

Es war eine große Freiheit in diesem Ausgeliefertsein. Kein Gegackse ums Eierlegen, kein Geglucke um den Nachwuchs, kein Gebuhle ums männliche Federvieh, kein Gekratze im Misthaufen.
Obwohl – er würde ihm fehlen, der tägliche Mist. Urinstinkende Strohhalmstummel, aber immer für eine Überraschung gut. Ein Symbol des Lebens.
Ein brutaler Wirbelwind stieß durch die Wolken, wand sich um das Huhn, würgte es blau und riß es quer durch das bräsige indifferente Wolkengedöns steil und pfeil in die nicht enden wollende Tiefe, was eine Illusion war, denn das Ende war nahe, und während seines rasenden Sinkflugs fühlte das Huhn

daß es das ja dann wohl gew

Letzte Aktualisierung: 25.09.2011 - 09.38 Uhr
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