Honigfalter
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Blaues Blut | November 2011
Von den Farben des Blutes
von Helga Rougui

*

krapplackrot steht der blaue mond am grünen himmel
the big henowski fischt die sonnenbrille ausm klo
ergreift die bowlingkugel
schach dem könig

zuviel film geguckt huhn
tja
schlechte karten
pech und schwefel
getaggt und entfedert

schlimmer noch

kopflos

dreht es sich im kreise
und
aus seiner brust
platzt orla hervor
und speit sich purpurn ins uni
versum

**

- Wiener Bluuuuut, Wiiiiiiiener Blut, voller Safffffft, voller Krafffft, voller Gluuuuut... ,
in höchstem Falsett verteilt der Sänger - an vorderster Front eines sechzigköpfigen Schrammelquartetts der sachertortekrümelzischenden Menge wehrlos ausgeliefert – seine spucketröpfchenbesetzten Zeilen über selbige, während Della Principessa di Dolcefarnieses blaugeäderte, ansonsten völlig durchsichtig opalen schimmernde Hand sich den feuchten lutschroten Lippen des Assessors von Schwitzhaus entgegenhebt, der diese mit einem schmatzenden, zwanzig Sekunden zu langen, tatsächlich ausgeführten Handkuß bedenkt.
Angewidert entzieht die adlige Dame ihre juwelenberingten, jetzt quasi entweihten Kleinodien und Finger den saftigen Kußinstrumenten des Assessors. (- was für ein Assessor eigentlich? Vermutlich der Rechte? Na, der Rechte für sie wäre er niemals...) La Principessa gluckst ob dieses ihres inneren Witzes... um sofort sich maßregelnd selbstdero Lippen mit dem kleinen Finger zu verschließen. Warum nur hat sie ihre Glacéhandschuhe zu Beginn der Festivität so leichtfertig abgelegt... Einige Ohnmachtswölkchen umflattern ihr nebulöses Hirn... Schlimmer noch, was hat sie bewogen, dieser zutiefst bürgerlich dubiosen Tanz- und Musikveranstaltung beizuwohnen... Und schon wieder eine Nebelballung, die ihr die Sicht verschleiert... Elementar-philosophisch gesehen (was ist das nun wieder, was ihr Hirn durchzuckt? - ist sie doch gerade dabei, einen Gedanken zu haschen, der eilig vorbeihuscht -), haben denn die jungen Galane von heute überhaupt keine Erziehung genossen? Ein vollendet korrekter Handkuß hat tatsächlich mit bäuerlichem Ablecken mopsweicher Edelhaut nicht im mindesten etwas zu tun, was der Assessor nicht zu wissen schien. Überhaupt – Schwitzmaus? von?? von!! Schwitzgraus?? - welche Linie sollte das wohl sein? Die Schwitzinger? (Die Schwetzinger Bürger haben diesen Kalauer im übrigen nicht goutiert.)
La Principessa Adelaide führt ihr Teetäßchen mit Ingwer-Maroni-Tee zum Munde, verbrennt sich, ohne eine Miene zu verziehen, fürchterlich und nimmt trotzig darum gerade noch einen großen Schluck.
- Wer ist nur dieser gewöhnliche Mensch? Was hat er hier verloren, dieser Assessor? wispert sie durch taube Lippen hindurch ihrem Adjutanten zu, um zur Salzsäule erstarrend die Antwort zu vernehmen:
- Aber Euer Hoheit haben sich doch gestern abend Höchstderoselbst mit ... ähemmm... Assessor von Schwitzlaus verlobt...
- ...???!!!!!!!?????????.....

das gackern im weltraum beweist
das huhn lebt
hört aufmerksam zu
es ist nicht blind
muß deshalb nicht warten daß es ein korn finde
es fragt sich
wie sehr sind die menschen frei
und wenn sie unfrei sind
wie sehr hassen sie es
aber das ist gar nicht mehr das problem
die menschen wissen daß sie nicht frei sind
und sie nehmen es hin
und halten es für normal
und unfreiheit
ist nimmermehr ein hinreichender grund für revolution

Plötzlich greift sich La Principessa ans gepuderte Dekolleté, ihr Fleisch bricht auf wie eine tödlich verwundete Rose und eine Fontäne hellroten Herzbluts schießt mitten aus ihrer adligen Brust hoch in die Luft. Während sie sich mit einem lauten Seufzer entleert und die sie Umstehenden, die entsetzt und gelähmt auf dies unerwartete Verströmen starren, reichhaltigst mit ihrem Lebenssaft durchnäßt, verläßt auch die Verursacherin dieses brutalen Auseinanderreißens einer menschlichen Hülle die nunmehr immer lebloser werdende Baustelle.... und hätte La Principessa auf Fragen noch antworten können, hätte sie möglicherweise gesagt

es war mir alles zuviel
die ewige sonne
das dauergrinsen
die verantwortung
alle erwarteten immer daß wir sie nährten
aber auch die glut der sonne ist endlich
und jedes ding hat seine zeit
und die menschheit soll gefälligst erwachsen werden
wenn auch nur
um
in eine neue sklaverei zu verfallen

es ist im november
der todestag Della Principessa
und so vieler anderer
und noch weiterer anderer
und einiger mehr
und demnächst der deine
und
meiner

woher nehmen wir den optimismus
ein leben in würde zu ende führen zu dürfen
und
kann nicht jedem
jederzeit
die brust blutrot
aufbrechen
bei lebendigem
oder
totem leibe?

***

Orla von Orbit hatte sich entschlossen, den Körper der Principessa zu verlassen.
Nur drei Tage mit ihr, und schon hatte sie das Leben der vornehmen Dame heillos durcheinandergebracht. An der aktuellen Reaktion (auf die Verlobungsnachricht) des temporär von ihr bewohnten Körpers hatte sie gemerkt, daß sie diesmal eine tiefgreifendere Katastrophe im Dasein der Hochwohlgeborenen verursacht haben mußte.
Es war an der Zeit für einen spektakulären Abtritt gewesen.

Immerhin hatte die Oberste Ä.F.F.I.N.naBeL (O. Äonenchefin Für Farben Im Nasenblut nebst anderen Blutsorten ex Liquore), kurz Oberste Ä.F.F.I.N genannt, im Dienste der Wissenschaft gestanden, als sie einen weiteren gebrauchten Gastkörper nach unsachgemäßer Behandlung sachgemäß unbrauchbar gemacht hatte.
Sie rief nach der diensthabenden Sekretärin.
- Oberste Ä.F.F.I.N?
Orla zuckte zusammen. Irgendwie mochte sie den Titel ihrer derzeitigen Mission nicht recht – sie wußte aber nicht zu sagen, warum.
- Äh, AchNeeZwooGeeWechZwoo, bringen Sie mir das Handbuch.

Das AllerWeltsWeltAll-Das EinzigeUndWahre-Handbuch des Ermanno von Tintensack beschreibt in seinem letzten krönenden Kapitel, wie schwierig sich die Herleitung der Farben des Blutes der Völker, hic: die Herleitung der Farbe des Blutes der Entität "Menschheit" darstellt:

"Allgemein wurde angenommen, daß die Marsianer Wesen mit blauem Blut sind, und so hat es sich auch erwiesen, da der Lebenssaft dieser eiskalten Daseinsbeschaffenheiten naturgemäß beim Austreten aus ihren Tentakeln eine bläulich-violette Färbung aufweist (siehe meine Veröffentlichung Script. theoret. no. 458367 ad hoc experimento.sexyflxy 5553741 quod er.dem.u.l.m.a.a.) und unter anderem für die Erdenbezeichnung "Kleine Blaue Männchen" verantwortlich ist, wobei der Begriff "Männchen" – noch ungeklärter Natur – ein Synonym für tumbe Re-Kreation sein könnte, man denke nur an den Ausdruck "Männchen machen", wobei aber bisher weiterhin ungeklärt bleibt, wo genau die gemachten Männchen letztlich jeweils abbleiben. Doch ich exkursiere – zurück zum Thema Blutfarbe. Die Blutfarbe der Venusianerinnen also ist dagegen erwiesenermaßen ohrfeigengelb (siehe meine Veröffentlichung Script. theoret. no. 458372 ad hoc experimento.slxymyxy 5556739 quod er.dem.u.l.m.a.d.f.) – und insoweit jeglichem Klischee, das ihre eidotterfarbenen Antlitze hervorrufen, voll und ganz genügend. Da wir wissen (beziehungsweise zu wissen meinen, was wir noch weisen werden), daß sich die sogenannte "Menschheit" von diesen beiden Völkern herleitet, erwarten wir dringend die der weisen Wissenschaft angemessenen Ergebnisse – wir erwarten – grünes Blut!"

Orla machte ein Gesicht wie ein grüner Wurm.
Das Blut der Principessa war ganz und gar nicht grün gewesen, dabei hatte sie zu den auserwählten, eigentlich besonders passenden Persönlichkeiten gehört – hatte sie doch ihren Liebhaber einen Grünschnabel genannt! Und gemeint, er sei, was manches Essentielle in der Erotik beträfe, noch grün hinter den Ohren?! Und dem Mann, der in ihren Gärten herumkroch, einen grünen Daumen bescheinigt??! Und zu einer sehr guten Freundin über eine andere ebensolche schmallippig geäußert, diese sei pausenlos grün vor Neid???!
Also, wenn sich eine mit der Farbe Grün hätte auskennen müssen, dann sie. Oder hätte man besser all die anderen, von der Principessa Verurteilten näher untersuchen sollen?
Aber das hatte nicht die Oberste Ä.F.F.I.N zu bestimmen gehabt, die Versuchsobjekte auszuwählen war stets Aufgabe der Wissenschaftler gewesen, diese natürlich keine A.F.F.E.N allesamt.

Inzwischen aber hatte die "Menschheit" genannte, international und kollektiv vernetzte Facebookgemeinde sich am 32. November 2224 in einem Akt euphorischer Selbstzerstörung zeitgleich selbst flächendeckend deaktiviert.

Welchselbige Überführung der gesamten Bewohner der Erde in die Nichtexistenz den interstellaren Wissenschaftlern verborgen blieb, da Fat Cousin Gugel unverzüglich auf allen Rechnern aller Länder Bildansichten von leicht bis stark grünlich changierenden Hühnersuppen hupfen ließ, so weiterhin pralles und heißes Leben auf dem Planeten vorgaukelnd.

das huhn
immer schön hysterisch bleiben
fängt schon mal an sich kaputtzulachen

Die Oberste Ä.F.F.I.N hatte zwar als einzige den Überblick behalten und versucht, das finale Ereignis posthum zu melden, aber niemand glaubte ihr, da die Forscher vollauf damit beschäftigt waren, die Blutgruppen der unterschiedlichen Hühnersuppen festzustellen, denn die Grundfarbe des Blutes der Objekte sowie ihre Huhnnatur stand ja nun, da von Gugel gesegnet, fest.

das huhn lacht weiter und so lange
bis es völlig leergelacht ist
ein leerlufthuhn
nun endlich kann orla wieder einsteigen
und nach hause schweben
endlich ein samtenes
völlig feuchtfreies gebiet
wie das innere eines balls (?)

und die "menschheit"?

zwar deaktiviert
aber doch versteckt irgendwo
im universum?

in wartestellung?
oder doch ganz und gar verloren?

****

Zwischen den Wolken leuchtet es ab und zu
ROT

Letzte Aktualisierung: 27.11.2011 - 12.11 Uhr
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