Ganz schön bissig ...
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Inspiration durch ein Bild | Januar 2012
Wie Werbung funktioniert!
von Jochen Ruscheweyh

Keine Probe. Kreative Pause. Ommm!
Steffi hat schon alles richtig geil auf ’n Tablett gepackt, Oliven, Tsatziki und so. Ich leg die Fladenbrotmatte vom pornobesten Orientbäcker der Welt dazu und nehm mir ’n Stifts aus ’m Kühli – logo, Steffi würd nie ’n anderes Pils holen.
Jagd auf roter Oktober oder U43-Tauchfahrt des Schreckens?“, wedelt Steffi mit zwei DVDs rum.
„Sag du!“, sag ich und reflektier simultan, dass ich grad schon wieder auf ihre phänomenalen Titten glotz, die sich unter ihrem Shirt abmalen.
Steffi liest in meinem Blick wie in ’nem schlechten Dolly Buster Film: „Erst ’n U-Boot-Film und poppen vielleicht später“, meint sie und lehnt sich an ihre Space-Tapete.
Ich steh ziemlich auf Steffis Bude, weil sie die echt geil stylisch aufgebrezelt hat. By the Way: Es gibt nix Abtörnenderes, als wenn du in ’ne Bude von ’ner Perle kommst und die is’ mit Metal-Postern oder Borussia-Schals zugetackert - also, die Bude, nich’ die Perle.
Ich hör noch ihr „Na gut!“, dann drückt sie mich an den Kühli, schiebt mir ihre Zunge rein und macht den BW-Musterungs-Hust-Reflex-Test. Ich spring an wie Nachbars Lumpi, als schon wieder Stopp is’. „Komm, du hast’s versprochen, erst ’n U-Boot Film und schön was essen!“
Hab ich echt? Wie bescheuert war’n das?
Egal, ich will jedenfalls grad das Tablett rübertragen, da klingelt’s.

„Du bis’ der Neue von meiner Nichte, wat? Kannst ruhig Herb zu mir sagen! Geli und ich legen kein Wert auf Etepetete!“
Um mal so beim U-Boot Film zu bleiben: Onkel Herbert macht einen auf Prochnow, obwohl ’s bei ihm nur für Semmelrogge reicht.
Er versucht ’n extra festen Händedruck, aber hey, ich bin Gitarrist, und brech ihm fast die Pfote. Er, in Monster-Panik, zieht seine Pranke mit den ultragelben Nägeln zurück, und lacht bescheuert. „Wuttke“, sag ich. Er nickt und reißt sich mit seinen Nikotinflossen ’n Riesenstück Brot ab, auf das ich jetzt irgendwie keinen Bock mehr hab.
Dann tritt Tante Gerlinde aus seinem Schatten, wirft sich an mich ran, busselt mich links und rechts und ’n bisschen zu lange auf ’n Mund. Und irgendwie hab ich das Gefühl, dass sie das nich’ zum ersten Mal bei jemandem macht, der nich’ Herbert is’.

Fuck, nix mit Bett, Steffi hat den Tisch gedeckt und wir hängen alle da rum. Tantchen hat die Stilettos ausgezogen und reibt ihre Perlonstrumpfhosen-Beine aneinander, bis die mit ungefähr drei Giga-Watt aufgeladen sind. Dann wandert ihr Fuß – apropos schlechter Dolly Buster! – zu mir rüber und versucht irgendwie, in mein Hosenbein reinzukommen. Aber als echter Metaller trag ich immer Spandex-Like-Eng-Buchsen und Tantchen aerobict sich echt einen unterm Tisch ab, während Herb von seiner Umschulung zum Grafik-Designer labert, bzw. von seinem Vorpraktikum, das er durchziehen muss, um sich für ’ne Umschulung zu bewerben. Tantchen hat die Fußakrobatik aufgegeben, saugt den Mandelkern aus ’ner gefüllten Olive und haut mich mit Fachwissen um: „Spielst du eine Fender Stratofaster oder eine Gibson G.I.?“
„Ey, Honigspalte“ – Herbert nennt seine Frau echt so – „G.I.’s sind amerikanische Soldaten. Die fetten Typen, mit denen du vor mir gevögelt hast, harhar!“
Ich denk grad drüber nach, dass Stratofaster fast so geil wie Kreischocaster klingt - wie Siggi Lösch immer zu höhenlastigen Gitarren sagt, wenn er tatsächlich mal in seinem Studio is’ und nich’ Frankie tapen lässt - als das Telefon geht. Steffi gibt’s mir rüber. „Für dich! Is’ Schröder!“

Schröder hat Probleme. Ständig. Sein aktuelles hat ’ne Hammerfigur, heißt Sophie, is’ seiner Meinung nach granatenmäßig abgegangen, aber leider ’ne überzeugte Zeugin Krishnas, die ihm jetz’ anner Pelle klebt.
„O.K., komm vorbei. Wir quatschen!“
Nich’, dass ich jetzt Bock auf Schrö hätte, aber der Abend is’ eh im Arsch, also soll er kommen und mir seinen Dünnschiss - is’ es meist, wenn er von seinen Beziehungen quakt - servieren.
Ich leg auf. Tantchen lächelt ihre Nichte an und fragt - ohne Scheiß jetzt -, ob Steffi sich denn auch regelmäßig die Schamhaare mit dem Trim-Set stutzt, das Geli ihr zum dreizehnten Geburtstag geschenkt hat, weil das wär ja wichtig, wo sie doch bestimmt jetzt öfter Sex mit mir haben würd und das sonst so schnell da unten verfilzen tät.

„Am liebsten würd ich behaupten, ich wär nich’ mit denen verwandt, aber irgendwie kann ich’s ja auch nich’ leugnen.“
„Is’ schon gut, kannst du ja nix für“, sag ich und zieh Steffi zu mir ran, während wir im dunklen Hausflur Schröder in seinen schweren Doc Martens hochschlurfen hör’n. Aber da is’ auch noch so ’n heller Klang. Und mir schwant was.

Wir sitzen jetzt zu Sechst am Tisch, weil Schrö seine Sekten-Zora mitgeschleppt hat, die im Wechsel an ihm, den Antipasti und den Krebsfleischsticks knabbert, falls die nich’ auch unter Antipasti laufen. Auf jeden Fall is’ kaum mehr was da. Und Steffi und ich haben nich’ einen Bissen abgekriegt.
Onkel H. gewinnt grad die zigste Runde Elfer raus!, als er plötzlich mit „So, jetz’ ma Butter bei die Fische!“ aus’m Gebüsch kommt, warum er eigentlich hier is’. „Steffi, du bis’ doch ziemlich kreativ und so.“
Steffi zieht eine Augenbraue hoch und guckt dann wieder so gelangweilt wie vorher.
„Meine Praktikumsaufgabe is’ morgen fällig und ich komm’ da irgendwie nich’ weiter“, gesteht Dirty Herbie.

Onkel H. soll sich für ’ne Werbekampagne ’ne Eissorte ausdenken, die außergewöhnlich klingt. Hmm, stimmt, ’ne ziemliche Hammeraufgabe, an der auch Beuys oder Picasso zerbrochen wär’n.
„Wie wär’s mit ’nem kleinen Bremen-Storming?“, fragt der zukünftige Medien-Mogul in die Runde.
Sekten-Zora guckt verwirrt.
„Hat was mit der Landung der Alliierten in Bremerhaven zu tun“, sag’ ich.
Sie guckt immer noch nich’ schlauer und ich orakel’, dass es außer dem Schmacht-Blick und der Momentan-Glotze keine weiteren Varianten gibt.
„Na, wie in dem Song“, Onkel H. fängt an zu grooven: „I’ve got Cocaine, running around my Brem’n!“ Ahh, nee, logo!
„Ich mag Vanilleeis“, miaut Zeugin-Kätzchen in die Runde, „Milcheis im Allgemeinen. Ich finde, Leck-Milch ist ein guter Name für ein Eis. Jeder weiß sofort, was gemeint ist.“
Nich’ übel, aber den kritischen Onkel überzeugt das nich’. Steffi räumt die Karten zusammen und meint: „Mein Abteilungsleiter würd sagen, du musst das Problem personalisieren. Nenn’ das Teil Francis Ford Straciatella oder Agatha Crispy!
„Nich’ übel“, murmelt Onkel H., „und jetz’ ihr Musicians. Ihr schüttelt euch doch so wat mal eben aus’m Ärmel!“ Er zeigt auf Schrö und mich, zieselt sein Pils leer und zieht ’n Fuffi aus seiner Patte und hält den Gerlinde vor’n Gumpen.
„Hörma, Senftöpfchen, schnür’ ma’ deine Schlabbertitten zusammen und hol bei Schepers drei Sechserpacks für die Jungs und mich. Wir müssen jetzt denken.“
Geli greift sich den Schein etwas zu routiniert und versucht ’ne Augen-Anmache bei Schrö, aber der glotzt irgendwo anders hin. Pech!

„Aber morgen klappt mit dem Gottesdienst bei euch beiden, oder?“
Steffi und ich gucken uns an wie Auto. Schrö macht auf einmal ziemlich auf Silencio und nuschelt was von „nur ’n paar Akkorde und so“.
Ah, Kaprese! Der Herr Schrö verkauft unsere Seelen, um seine fleischliche Lust zu stillen, der Penner!
Ich sag: „Ey, was?“
„Sag bloß, du hast den beiden gar nicht gesagt, dass du jetzt fest bei uns mitmachen willst und den Gottesdienst musikalisch begleitest, Schröder?“, wird Sophie-Kätzchen zum Tiger von Eschnapur, springt auf, rennt auf’s Klo und schließt sich erstmal ein. Super!
„Können wir jetz’ endlich ma’ arbeiten?“ Herbert haut den Satz raus, den sein Job-Berater schon seit fünfzehn Jahren von ihm hören will.
„O.K., Herb!“, sag ich und fang einfach an zu faseln: „’n Duo: Der Schokogrizzly und der Frostbiber. Der Schokogrizzly is ’n übler durchgeknallter Freak mit Sonnenbrille, der immer ’n Rucksack aufhat, wo Leichenteile rausquellen. Der Frostbiber is’ sein Widersacher, aber ’n good Guy mit Vanille-Geschmack und feistem Überbiss.“
Onkel H. kratzt sich das Kinn. „Ja, warum nich’? Dat gefällt mir.“
„Und als Slogan: Melk’ den Schokogrizzly und Holz is’ out! Der Frostbiber nagt vanillig!
„Nich’ übel. Wat willste für die Exklusivrechte?“
Steffi is’ schon kurz vorm Losbrüllen, schleppt sich aber noch Richtung Klo, um alibimäßig nach Zeugin S. zu gucken.
Aber Schröder muss noch seinen Senf dazu geben: „Wie wär’s mit Prollomiti? Aber statt Zitrone, Waldmeister und Himbeer gefrorenes Pils, Export und Alt!“
„Nix für ungut, Dicker!“, Herbert schlägt Schrö auf’n Rücken, „aber du raffst nich’, wie Werbung funktioniert. Er“, Onkel H. zeigt auf mich, „schon! Weißte wat, Wuttke? Spezial-Deal: Mein Ex-Geschäftspartner Rüdiger bringt dir ’ne Brockhaus-Edition vorbei. Du trink’s ’n Kaffee am Tag weniger, und wat de da sparst, investiersse in die vierundzwanzig Bände. Komm, schlag’ ein!“

Es is’ Zwei, Herb und Geli sind weg. Schrö versäuft meine Coupons solo im Spirit, und nach ’nem Frauengespräch auf’m Pott hat Sheba-Sophie die Nummer von ’ner Sektenberatung und die Einsicht, dass Schrö ’n geiler Gitarrist, aber Frau/Mann-mäßig ’n Arsch is’.
Ich schmeiß drei Doppelrahm-Käse in die Tomatensoße.
„Die Kleine tut mir voll leid, egal in was für ’ner Truppe sie da is’“, meint Steffi, als sie die Nudeln abgießt. „Ich bin echt froh, dass du nich’ so bis’ wie Schröder.“ Ich nick’ und bin noch mehr froh, dass Gerlinde und Herbert nich’ zu meiner Family gehör’n.

„Irgendwie hab ich kein Bock mehr auf Poppen jetz’“, sagt Steffi, als wir endlich im Bett liegen, „aber ich kann dir noch deinen Schokogrizzly melken ...“
Ich rülps und sag: „Hätte Bock, aber ich bin total vollgefressen.“
„Also, Jagd auf Roter Oktober und Kuscheln ohne Geilitäten??“
„Jawoll, Frau Kaleu!“



Das Telefon hört nich’ auf zu klingeln, obwohl wir nich’ arbeiten müssen. Fuck! Ich nehm ab. „Bei Sobotta?“
„Haha, sehr witzig, du kleiner Pisser! Schokogrizzly. Ich bin rausgeflogen wegen Tierschutz ...“
Ich reib mir die Augen.
„Ey, sorry, echt scheiße, Herb, aber die Typen da verstehn echt nich’, wie Werbung funktioniert!“

Letzte Aktualisierung: 26.01.2012 - 15.26 Uhr
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