Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Inspiration durch ein Bild | Januar 2012
Das Bild
von Andrea Will

„Mutti!“
So pflegten mich meine Kinder anzureden, wenn sie wieder einmal meine Hilfe brauchten. Diesmal war es mein jüngster Sohn Konrad, der an seinem Schreibtisch saß.
„Meine Hausaufgaben. Ich soll eine Bildbeschreibung für den Deutschunterricht machen. Darüber eine Geschichte schreiben. Aber mir fällt einfach nichts ein.“
Ich sah das Bild an. Es stellte einen Jungen mit einer Brille dar, der nur wenige Haare hatte. Aus seinem Mund lief eine schwarze Flüssigkeit. Keine Ahnung, was es war. Doch das Schlimmste war der Inhalt seines Rucksacks. Eine Hand ragte nach oben heraus. Und unten tropfte eine Flüssigkeit zu Boden, die wie Blut aussah.
„Es tropft Blut aus dem Rucksack zu Boden und eine Hand ragt nach oben heraus. Also muss ein Mord passiert sein“, sagte ich.
„Warum. meinst du das?“,fragte Konrad.
„Weil ich das auf dem Bild sehe und ich daraus meine Schlüsse ziehe. „
„Und wo hast du das gelernt?“
„In der Schule“.
Auf einmal hatte ich eine Idee. Ich setzte mich neben Konrad und überlegte. Was hatte ich nur alles in der Schule gelernt?
„ Die tropfende Flüssigkeit, die zu Boden tropft und wie Blut aussieht, könnte auch Ketchup sein. Vielleicht füllte er drei Flaschen in den Rucksack und dieser wurde so durchnässt, dass er heraustropft. Ebenso könnte man annehmen, dass der Junge auf dem Bild ehemals einen blonden Lockenkopf hatte. Die wenigen vorhandenen Haare schimmern schwarz. Und die schwarze Flüssigkeit in seinem Mund ist schwarze Tinte.“
„Mutti. Woher kommt die Hand, die aus dem Rucksack ragt?“
„Der Junge war zu einer Halloween –Party eingeladen und kaufte einen Scherzartikel. Eben diese Hand.“
Nun hatten wir also schon mal den Rohstoff der Geschichte und mussten alles nur noch in die richtige Reihenfolge bringen, um daraus etwas Brauchbares zu machen.
„Klasse, Mutti. Ich habe auch schon eine Idee, wie die Geschichte geschehen sein könnte.“


(xxxxx)Konrad war glücklich. Er war zu einer Halloween –Party eingeladen und durfte das erste Mal bei einem Freund übernachten. Er hieß Kevin und ging ebenfalls wie er in die dritte Klasse.
Zu diesem Zweck bekam Konrad einen Rucksack, den füllte er mit drei Flaschen Ketchup und durchnässte ihn so, dass die Flüssigkeit heraustropfte und wie Blut aussah. Dann kaufte er noch eine Hand, die er oben herausschauen ließ.
Kevin wohnte direkt neben dem Schulgebäude. Dort hatten ihm seine Eltern erlaubt, in dem großen Gartenhaus diese Feier auszurichten. Zwölf Kinder waren dazu eingeladen. Und jeder brachte seinen eigenen Schlafsack mit. Zu später Stunde kam Konrad auf eine Idee.
„ Es wird langsam hier langweilig. Lasst uns Frankenstein spielen. Wir zünden uns Fackeln an und gehen rüber auf den Schulhof“.
Gesagt, getan. So zündeten alle ihre Fackeln an. Konrad war sehr unvorsichtig und verbrannte dabei seine schönen, blonden Locken. Denn er achtete nicht auf die Flamme, als er sechs schwarze Patronen aufschnitt, die Tinte in ein Glas füllte und sie trank. Doch Kevin als Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz wusste in Sachen Erste Hilfe Bescheid und holte schnell einen Feuerlöscher, der in dem Gartenhaus hing.
Auf dem Schulhof begangen sie zu tanzen. Sie machten ein Lagerfeuer. Doch dann erblickte Konrad ein offenes Fenster.
„Kommt, lasst uns hineingehen und dort alles abfackeln. Bei Feuerstein brennt am Ende doch auch immer alles“.
Gesagt. Getan. So stiegen durch das Fenster in das Gebäude und zündeten dort in der Klasse die Holzstühle und Bänke an. Das machten sie dann überall in dem Schulgebäude und retteten sich wieder ins Freie.
Die Jungen hatten aber nicht an die Nähe des Gartenhauses zum Wohnhaus gedacht, in dem Kevin zu Hause war. Beide Häuser standen ja in der Nähe. Und der Wind war ungünstig, dass er darauf übergriff.
Doch Ende gut, alles gut. Zwar wurden die Schule, das Gartenhaus und auch das schöne Einfamilienhaus von Kevin Opfer der Flammen. Aber alle wurden gerettet und keiner kam zu Schaden. Die Schule fiel für einige Zeit aus, denn es musste erst ein Ausweichgebäude gesucht werden. Und Kevin zog mit seinen Eltern erst einmal zu den Großeltern in den Nachbarort, die dort noch eine freie Wohnung auf ihrem Bauernhof hatten.


Ich las den Text zu dem Bild und war sehr glücklich über die Phantasie meines Sohnes. Der Lehrer war über den Aufsatz allerdings nicht sonderlich erfreut und gab ihm eine Vier. Ich aber war sicher die glücklichste Mutter von allen. Denn ich hatte einen Sohn mit reichlich Phantasie. Und es machte mir auch nichts mehr aus, dass Konrad mit weniger Grausamkeit oben in seinem Zimmer seine ersten Versuche mit der Blockflöte hatte. Sonst hielt ich mir dabei immer die Ohren zu. Heute pfiff ich sogar die Falschen Töne nach. Ach, wie schön ist doch die Jugend.

Letzte Aktualisierung: 13.01.2012 - 14.07 Uhr
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