Ganz schön bissig ...
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Rivalität | Mai 2012
Wie Hund und Katz
von Susanne Ruitenberg

Einst, als die Welt noch jung war und nur von Tieren bevölkert, stritten sich der Hund und die Katz, wer von beiden dereinst am meisten von den Menschen geliebt werde.
„Ich natürlich“, rief der Hund, „denn ich bin treu“, und er wedelte mit dem Schwanz und setzte seinen schönsten Dackelblick auf (obwohl der Dackel noch gar nicht erfunden war, der kam viel später.)
„Du?“, spottete die Katz, „dass ich nicht lache! Du bist nur demjenigen treu, der dir gerade einen Hundekuchen hinhält. Streunern wirst du, was das Zeug hält, wenn du nicht angebunden bist; wildern und unschuldige Lämmer reißen, dich in Aas wälzen und Vogelkacke lecken. Igitt und Pfui. Ich aber, ich werde den Menschen in den Schlaf schnurren, wenn er einsam ist, werde seine Kornspeicher mäusefrei halten, dass er nicht darben muss und ihn mit putzigen Spielchen erheitern.“ Und sie setzte sich manierlich in Positur und leckte ihre Vorderpfote.
„Pah, das mag ja alles sein“, knurrte der Hund und machte eine wegwerfende Pfotenbewegung. „Aber du vergisst, dass du im Frühling die Jungvögel dezimierst, auf Spielplätzen die Sandkisten und bei deinen gärtnernden Dosenöffnern die frisch angelegten Beete verunzierst. Außerdem kannst du gar nicht am meisten geliebt werden. Du willst immer dein eigener Herr und frei sein. Ich bleibe dabei, mich wird der Mensch über alles lieben, nur mich!“
Die Katz funkelte mit den Augen und hub an von Kampfhunden und verunreinigten Bürgersteigen, gelben Flecken im Schnee und zerbuddelten Gärten, verhaarten Sofas und nasebeleidigenden Gerüchen bei Regenwetter zu reden.
Woraufhin der Hund sich stolz erhob und Polizei- und Rettungshunde, Blindenhunde, Schlittenhunde, Jagdbegleiter und Tröster einsamer alter Ömchen ins Feld führte.
Das konnte die Katz natürlich nicht auf sich sitzen lassen und pries die Schönheit der Rassen, die einst aus ihr hervorgehen würden, die Perfektion ihres Skeletts, das von allen Tieren am besten geeignet sei, die ihm gestellten Aufgaben zu bewältigen und spielte zum Schluss ihren Trumpf aus. „Du wirst sehen, ganz in ferner Zukunft, wenn Euereins fett und behäbig an der Leine durch die Großstadt watschelt und dümmlich an jeder Straßenlaterne das Bein hebt, da wird meine Rasse den Mensch zu höchster Kreativität inspirieren. Mit dem Bild einer lächelnden grauen Katze wird alles anfangen, Happy Cat ihr Name, und ein arbeitsloser junger Mann, der sich mit des Menschen liebsten Spielzeug beschäftigt, wird drei Worte über das Bild setzen und es ins weltweite Wundernetz setzen, und aus diesen drei Worten wird ein Imperium der Erheiterung entstehen. Millionen Katzenbilder und Katzenfilmchen, aufs Trefflichste betextet in einer neuen Sprache, werden die Menschen kreieren und mit Freude verbreiten. Einer meiner Art, den sie Maru nennen, den König der Pappkartons, wird weltweite Berühmtheit erringen und später kommt Nyan Cat hinzu mit seinem Regenbogen und ...“
„Ach, bleib mir damit vom Leib! Cheezburger sind ungesund, ‚I can has’ ist grammatikalisch völlig daneben, Maru ist albern und Nyan Cat nervt“, lästerte der Hund. Er verschwieg dabei, dass er den Begriff ‚Hot Dog’ ebenso lächerlich fand.
Die Katz explodierte zu einem fauchenden Fellbündel bei dieser groben Beleidigung ihrer zukünftigen Idole und bald rollten Hund und Katz raufend über das grüne Gras.
Dabei machten sie einen solchen Krach, dass Gott der Schöpfer in seiner wohlverdienten Siesta geweckt wurde und kam, um nach dem Rechten zu sehen. Da er aus Hund und Katz kein vernünftiges Wort herausbekam, denn sie schrien gleichzeitig auf ihn ein, begab er sich zur PÜP (paradiesische Überwachungspolizei) und ließ sich die Aufnahmen der Sicherungskamera 1, die alles gefilmt hatte, vorspielen. Als er die Aufzeichnung gesehen hatte, lachte er schallend (später am Tag sollte es ein Gewitter geben, weil die Wolken sich erschreckten) und zitierte Hund und Katz vor seinen Richterthron.
„Nun denn“, hub er an. „Ihr streitet euch um die Gunst des Menschen, den ich noch gar nicht vollendet habe. Ich hatte vor, euch zu gleichberechtigten Freunden dieses wundersamen zweibeinigen Wesens zu machen. Da ihr euch aber schon jetzt nicht versteht, wird sich die Menschheit dereinst teilen. In jene, die den Hund über alles wertschätzen.“
Bei diesen Worten richtete der Angesprochene sich auf und warf sich in die Brust, die ein wenig lädiert aussah, nachdem die Katz vorhin alle ihre Krallen hineingehauen hatte.
„Ein anderer Teil“, fuhr Gott fort, „ein anderer Teil der Menschen wird sich zu Katzen hingezogen fühlen und verächtlich auf Hunde herabblicken, manche gar angewidert sein.“ Die Katze riss ihre Augen auf und lächelte breit und in dem Moment sah sie Happy Cat täuschend ähnlich (obwohl sie nicht zur Rasse der Karthäuser gehörte; auch diese war noch nicht erfunden.)
„Manchen Menschen wird es gegeben sein, unparteiisch beide Arten zu mögen und andere werden Tiere generell geringschätzen. Das ist der Lauf der Welt. Aber weil ihr mich heute bei meiner wohlverdienten Siesta gestört habt, lege ich euch folgende Strafen auf: Du, Hund, wirst den Zwang haben, Katzen auf den Baum zu jagen. Du, Katz, wirst die ganze Bibel in deiner Sprache ‚Lolspeak‘, auf die du so stolz bist, übersetzen, jedes einzelne Kapitel. Ihr werdet fernerhin ewig um die Gunst des Menschen buhlen und nur dann zu Freunden werden, wenn ein Mensch euch als Kleine aneinander gewöhnt. Und bis dahin“, sagte er mit seinem strengsten Blick, „werde ich euch trennen. Hund, du bist ab sofort tagaktiv und schläfst nachts. Katz, bei dir ist es genau umgekehrt. Und jetzt geht und verhaltet euch manierlich.“ Er stieg vom Richterthron, unaufhörlich ‚I haz a lol, I haz a lol‘ vor sich hinmurmelnd, und beeilte sich, in seinen Arbeitsraum zu kommen, waren ihm doch soeben viele lustige Textideen für die Tierbilder der fernen Zukunft in den Sinn gekommen, und er musste sie schnell aufschreiben, denn auch der Computer würde erst in einigen Tausend Jahren erfunden werden und bis dahin hätte er seine tollen ‚Capshuns’ wieder vergessen.
Hund und Katz jedoch, die sahen sich bedröppelt an. „Mit wem kann ich mich jetzt streiten, wenn wir getrennte Wege gehen sollen?“, jammerte die Katz.
„Wie soll ich es üben, dich auf den Baum zu jagen, wenn wir nur zu verschiedenen Zeiten im Garten Eden lustwandeln dürfen?“, fragte der Hund.
Sie gaben sich die Pfote und versprachen sich, dereinst in ferner Zukunft, wenn sie lange genug um die Gunst des Menschen gebuhlt, wieder Freunde zu werden und sie fanden schnell einen Namen für diese Freundschaft: ‚Goggies r owr friends’.
„Das ist total falsch geschrieben“, meckerte der Hund.
„Ach, du alter Pedant“, rief die Katz und gab ihm einen Nasenstüber. „Das ist LOLSPEAK! Du solltest lieber anfangen, es zu lernen, sonst blamierst du dich.“
Von dem Tag an gingen sie getrennte Wege.
Und wenn sie nicht gestorben sind, LOLen sie noch heute.


© Susanne Ruitenberg
Version 2

Letzte Aktualisierung: 24.05.2012 - 00.30 Uhr
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