Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Rivalität | Mai 2012
Don't mess with the best, ’cause the best they don’t mess!
von Jochen Ruscheweyh

Scheiß Probe gehabt. Pavarotti und Schrö liegen immer noch im Clinch, wer beim letzten Gig mehr Scheinwerferlicht hatte. Mordswichtige Sache, wenn man in ’nem Jugendheim vor zwanzig Wichs-Nasen zockt!
Ich zapp ’n bisschen ohne Ton im TV rum und bin schon so am Einnicken, als Steffi mich wie immer freitags in meinem Sozialbau beehrt und ihre Tasche in die Ecke nebens Söffchen schmeißt. „So, ab morgen is’ Schluss mit Lustig. Da fang ich an!“
Ich verkneif mir die Frage, womit, weil ich mich dann outen tät’ als einer, der keinen Schimmer hat, worum’s geht. Also sag ich: „Hey, cool!“
Es is’ fast, als wenn die Surf-Sonne von Kalifornien in ihrem Gesicht aufgeht, auch wenn sich mit Black Hole Sun grad ’n monster Depri-Song tonlos aus der MTV-Werkstatt schraubt.
„Dann bist du auch dabei? Das is’ extrem porno, ach Scheiße, jetzt fang ich auch schon mit dem Asi-Deutsch an, ich mein, das is’ total süß von dir!“
Ich, the man, who wohl grad sein eigenes verficktes Grab schaufelt, wink ab: „Is’ doch logo.“
Aber weil ich zwar manchmal auf Rex Cramer, den Dangerseeker, mach’, im Prinzip aber nich’ vollkommen desolat in der Birne bin, schieb ich hinterher: „Was genau hat dich denn jetz’ dazu bewogen, damit zu starten?“
Steffi stutzt ’n Moment und schnippt mir dann volle Kalotte unter mein Nasenloch, da, wo’s am meisten wehtut. „Woody, du Arsch, du hast keinen Plan, was ich mein, oder?“

Babsi, die nich’ nur die heftigst moppelige Freundin von meinem Basser Teschke, der wiederum in letzter Zeit sowas wie mein bester Freund geworden is’, is’, sondern auch zu sowas wie Steffis zweitbester Freundin avanciert is’ - wow, was’n Satz - naja, Babsi is’ nich’ etwa implodiert, sondern auf einmal zwölf Kilo leichter. Und obwohl Steffi ’ne Top-Figur hat, bis auf ’n bisschen Bauch, der mich Null stört, is’ die Babsi-Schrumpfe für sie ’ne Kampfansage erster Kajüte. Dank meiner vollmundigen Ankündigung häng ich jetzt mit drin. Scheiße. Und das, wo ich doch immer Hunger hab!

Am nächsten Tag gehn wir joggen, bevor der Zeitungsboy kommt. Was nich’ viel heißt, weil der kleine Pisser permanent verschläft - besonders an Samstagen - und ich mich nur deswegen nich’ im WAZ-Führerbunker beschwer’, weil er immer ’n Evil Chuck-Gedenk-Shirt anhat. Das muss man honorieren.
Wir schnappen uns unsere alten Sony-Walkmänner und ab geht’s.
Grad laufen wir in den Hörder-Säuferpark ein - wo wohl die alten und die neuen Hörder Säufer den Begriff Glas-Recycling am Vorabend neu definiert haben, wie die Scherbenhaufen vermuten lassen -, als ich merk, dass Watchtower mit ihren verschachtelten 5/8tel Takten keine Joggingmucke sind, weil ich voll mit Schrittfolge und Atmen durcheinander komm und mich fast auf die Fresse leg.

Geil, Steffi hat mir ’ne Buttermilch zum Proben eingepackt. Ich ex das Teil auf’m Weg und hol mir drei Stifts - logo, was sonst für’n Pils? – bei Kurt anner Bude, was ich mal unter Diät-Geheimnisse verbuch. Die Revenge folgt postwendend: Ich muss die ganze Probe voll nach Kuh rülpsen.
Und mir nebenbei noch fast ’ne Kloppe zwischen Leadgitarre und Mikro geben, voll die Zicken, die beiden, Pavarotti und Schröder. Erinnert mich an mein Praktikum im Heim für schwer erziehbare Teenie-Weiber. Hölle!

Den nächsten Samstagabend hängt Steffi extrem gefrustet auf meiner Couch rum und tüftelt an unserem Body-Shape-Plan, der in Stufe zwei bekacktermaßen keinen Alk und kaum Kohlenhydries vorsieht.
„Du glaubst es nich’, die Alte hat schon wieder drei Kilo runter.“
Ich frag: „Welche Alte?“
„Na, Babsi!“
„Ich dachte, die wär deine Freundin?“
„Is’ sie ja auch. Im Prinzip. Von meiner Seite aus. Aber das is’ doch reine Provokation mit ihrer Abnehmkiste! Lange lass ich mir das nich’ mehr bieten!"
Steffi geht zum Kühli und kommt mit zwei Kannen Stifts wieder: „Sind wir eigentlich schon drogenfrei, Woody, oder erst auf Sport?“
Noch eh ich Ich hoff’ mal, noch Stufe eins antworten kann, plöppt sie die zwei Kronkorken in die Stratosphäre.

Die Rhythmussektion minus eins, also Teschke und Beckmann sind hoch in die zweite Bunkerebene, um bei Anne Z. Kabel zu leihen und zu fragen, ob sie uns ’n geiles Synthi-Intro stricken kann.
Ich steh zwischen Schröder und Pavarotti an der Bunker-Pissrinne, so wie so ’ne Art natürliche Barriere zwischen Leadsänger und Leadgitarrist, und ich mein’, im Sommer hätt ich den beiden noch auf die Pimmel glotzen können. Also nich’, dass ich drauf stehen würde, der ihre Schrumpelvorhäute zu kontrollieren, aber jetzt hängt je deren Megawampe im Weg und ich krieg’ auf einmal ’n mörder Push, weil: So will ich nächsten Sommer definitiv nich’ aussehen. Auch wenn ich gutes Mittelfeld bin, muss ich mich an die Drahtigen, die Fettverburner, die Perma-Schlanken hängen und hinter der ihr Geheimnis kommen!
„Ey, will’sse mir ein blasen, Alter, oder warum glotzte mir so auf ’n Pisshammer?“, holt mich Pavarotti aus meiner Denke.
„Klar“, sag ich, „ich und Votzo, der Hund mit der Riesen-Vagina!“
Auf so ’ne Diskussion hab ich überhaupt kein Bock, und Schrö kommt mir auch nich’ grad zur Hilfe: „Wenn wir ’ne Ghettocombo wär’n, würd’ ich jetzt rappen: ey, check ma sein Smegma!“, meint er. Verbrüderung der Fettsäcke!
Ich revanchier mich und verstell ihm sein bepisstes Delay, als er später mal nich’ hinguckt, und beim nächsten Lead überrollt ihn ’n Echo-Tsunami!

Mission Drahtigen-Check: Ich kotz mal gepflegt ab, als ich feststell’, dass 60kg-Micky seinen Bulli gegen so ’ne Schwanzlutscher-T4-Caravelle getauscht hat. Ich sag: „Ey, da geht ja nix von unserm Equipment rein!“
Micky grinst: „Eben!“
Und ich kapier. Er hat’s dicke, den Bandkutscher zu machen und sich dann noch Beckmanns Dünnschiss von wegen kein Benzingeld anzuhören.
„Wohin fahrn wir jetz’?“, frag ich.
„Na, trainieren“, sagt er, „im Micky-Style!“

Ich komm mir endbescheuert vor auf der Tanzfläche.
„Ey, Alter!“, brüllt Micky mir ins Ohr. „Du machst viel zu viel. Probier ma’ wie ich, aggressive Mikro-Bewegungen!“
Wir stehn beide fast still und ich kopier’, was er mit Zeigefinger und ’n bisschen Becken moved. Nach ’ner Viertelstunde schwitz ich wie Sau, aber nich’ vom Dancen, sondern weil’s in diesem Grufti-Fick-Laden keine anständige Lüfte gibt. Ich geh zum Tresen, ’n Pils ansaugen, als ich aus’m Augenwinkel seh, wie Micky schon wieder zwei bis fünf Perlen im Arm hat; ’n Phänomen, der Typ.
Als ich meine Verzehrkarte zum Abstempeln rüberhalt, winkt mich die dunkelhäutige Grufti-Theken-Antilope, die ’ne Schwester von der Cosby-Tochter sein könnte, ran: „Das, was du und dein Kumpel da macht, sieht megaschwul aus.“
Sie heißt Keisha. Wir labern bisschen. Ich erzähl so diskret von Sport und so, als sie irgendwann meint: „Wieso, du bist doch gut durchtrainiert und hast ’n netten Knackarsch.“
Ich pack mal selbst dran und hey, echt, fast so stramm wie der Rumpf von Iggy Pop.
„Aber das Blöde an so geilen Typen wie dir is’, dass ihr immer vergeben seid!“
Sie guckt voll leidend, als ich sag: „Ja, sorry, ich bin mit ’ner Unteroffizöse von ’nem U-Boot zusammen.“

„Und wie war dein Jungs-Abend mit Micky?“
„Ganz cool“, sag ich und knuddel mich an Steffi ran.
„Du, Woody, sag mal ganz ehrlich, findste mich zu dick?“
„Nee, kein Stück, genau richtig.“
Sie knutscht mich auf’s Ohr, dass es im Amboss schnalzt.
„Ich hab heute Abend mit Babsi telefoniert. Die hört auf mit ihrer Diät."
„Echt?“
„Sie hat Angst, dass Teschke ihre Titten zu klein werden. Ich hätt gar nicht gedacht, dass das so ein Macho-Arschloch is’.“
Ich krieg fast ’n Lachflash. „Ey, Teschke, doch nich’. Babsi is’ einfach an ihrem Durchhalte-Limit angekommen.“
„Hmm, so richtig Bock hab ich auch nich’ mehr, ich mein, auf Diät. Und eigentlich sind wir doch ganz gut für unser Alter, find’ ich“, sagt sie.
„Genau.“ Den Anblick von Schrö und Pavarottis Wampen verbann’ ich mal fix in mein Unterbewusstsein.
„Und außerdem“, sie zieht mein U-Hosengummi bis Duisburg und lässt’s dann schnacken, „hab’ ich Angst, dass dein Schwanz schrumpft, wenn wir weiter abnehmen.“

Wir hocken bei Teschke und Babsi in der Hütte. Babsi hat die Friteuse auf Heavy Rotation eingestellt und macht Flaamse Frites. Teschke is ja sonst nie so der Pils-Prescher, von dem Königsborner Kurklinik Exzess mal abgesehen, aber dass er jetz’ wieder fressen kann, was er will, lässt ihn Stifts vernichten, wie wenn man’s in ’ne Badewanne kippt, wo kein Stöpsel drin is’. Und irgendwann, während er seine semilegendäre Cornichon-Silberzwiebel-Currysauce grammgenau hochkocht, kocht’s auch in ihm hoch wegen unseren beiden Bandpussys: „Der Tenor kann doch noch nicht mal richtig fellotonieren, äh, teflonieren und der Schröder benötigt eine Glatze, nein, eine Perücke, ach Quatsch, eine Prothese für seine Wurstfinger!“
Zwei Pullen Weibersekt mit halbnackten Spaniern auf’m Etikett später liegen sich auch Babsi und Steffi in den Armen, busseln sich inflationär und schwörn sich Sisters forever. Dass das tausend pro ernst gemeint is’, stell’ ich allerdings arg in Frage. Weil, als Babsi den völlig abgekackten Teschke schultert und ins Bett schmeißt, raunt Steffi mir zu: „Aber ’n fetten Arsch hat sie immer noch, die is’’n richtiges Tier, oder?“

Wir juckeln schön im Nachtexpress von Teschke und Babsi zurück - ey, wie kann man nur in Dortmund-Hombruch wohnen? - als kurz vor Phönix Keisha mit ’nem kalkgetünchten Patchuli-Ghost einsteigt. Ich sag: „Hey, alles klar?“
Keisha checkt Steffi ab, die in ihrer Turbonegro-Style-Jacke – allerdings ohne Euroboy-Käppi - wirklich etwas maritim aussieht, und meint dann zu mir: „Ich hab gedacht, du verarscht mich neulich!“
Ich sag: „Nee ey, ich doch nich’!“
Sie zuckelt mit Kalki auf die letzte Sitzreihe und Steffi fragt: „Woher kennste denn die Schoko-Leichen-Torte?“
„Irgend ’ne Fickbekanntschaft von Schrö“, gähn ich und denk gleichzeitig dran, was Pavarottis Perle wohl sagt, wenn sie seine Kutte wäscht und meinen anonymen Gruß an sie findet: den Bierdeckel mit Keishas Nummer und ihr gekritzeltes Call me, baby drunter.

Version 2

Letzte Aktualisierung: 27.05.2012 - 19.14 Uhr
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