Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Nachtschicht | Juli 2012
“Bis morgen früh.”
von Anne Zeisig

Monika hatte es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Eingehüllt in eine karierte Wolldecke sah sie sich eine Folge ihrer Lieblingsserie ‘Die Geliebte’ an. Ihr Rücken schmerzte.
Sie massierte sich ihren Nacken.
Auf dem Tisch vor ihr stand der Teller mit dem Abendbrot für Peter.
Die Zeiger standen kurz vor einundzwanzig Uhr.
Gleich würde er aufstehen und unter die Dusche gehen, damit seine Lebensgeister wach würden.
Monika schloss für einen kurzen Moment ihre Augen.
Lebensgeister?
Sein jahrelanger Nachtdienst hatte bei ihm Spuren hinterlassen. Aber das Geld hatten sie gut gebrauchen können. Alle Kinder hatten studiert und es war was Ordentliches aus ihnen geworden.
Da musste man doch zufrieden sein.
Eine Fliege überflog den Teller und ließ sich auf dem Salamibrot nieder.
Egal.
Peter würde sowieso nichts essen.
Aber der Teller musste jeden Abend auf dem Tisch stehen.
Monika wusste, was er sagen würde: “Du weißt doch, dass ich vor dem Dienst nichts esse.”
Sie führte längst keine Diskussionen mehr darüber, warum der Teller trotzdem auf seinem Platz stehen musste.
Sie gähnte.
Im Bad rauschte das Duschwasser.
Einmal.
Wie lange war das her?
Da war sie zu Peter unter die Dusche gehuscht.
Seine Reaktion war enttäuschend gewesen.
“Tut mir leid”, hatte er leise gesagt und kurz ihre Wange gestreichelt, “ich muss doch gleich los. Will die Bahn nicht verpassen.”
Peter war ein guter Eheman.
Hatte immer redlich für das Familieneinkommen gesorgt.
Der Rand der Salamischeibe war inzwischen wellig geworden.
Der Fliege war der Appetit vergangen. Sie flog durchs geöffnete Fenster hinaus.
Peter schaute kurz durch die geöffnete Tür ins Wohnzimmer. “Bis morgen früh.”
Monika schwieg.
Die Wohnungstür fiel ins Schloss.

* * *

“Die Agentur hat dich als geheimnisvolle Stumme in einem venezianischen Kostüm angekündigt.”
Peters Blick blieb an ihrem üppigen Dekolletee haften. Eigentlich reizten ihn die kleinen festen Knospen.
Sie nickte, ging mit eiligen Schritten zum Schreibtisch und setzte sich auf die Kante.
Er schloss die Tür des Büros ab. “Ich hoffe, du bist kein junges, unerfahrenes Ding.”
Die Maskeraden-Lady schüttelte ihren Kopf. Die langen hellen Locken der Perücke wippten hin und her.


Peter umfasste ihre Taille, schob sie langsam rücklings auf den Schreibtisch, spreizte ihre nylonbestrumpften Beine und ihr feuchtes Geschlecht nahm ihn tief in sich auf.
Er krallte seine Fingernägel in die Außenseiten ihrer Oberschenkel.
Ihre leisen spitzen Schreie stachelten seine Gier an und er drang heftiger in sie ein, bis der Rhythmus ihrer Leiber beide zum Höhepunkt trieb.
Erschöpft ließ Peter von ihr ab und sank auf einen Bürostuhl.
Fahrig griff er zur Thermosflasche und goss sich einen Kaffee ein. “Magst du auch einen?”
Sie schüttelte ihren Kopf. Gerne hätte er irgendwas von ihr erfahren und begann, Fragen zu stellen. Aber sie legte ihren Zeigefinger auf seine Lippen, glitt flink vom Tisch, ordnete ihren Rock und die Korsage. Tüll und Brokat raschelten.
Peter meinte, durch die Öffnungen der venezianischen Maske ein Flackern in ihren Augen sehen zu können. Sie schlug die Oberlider nieder, kniete sich vor Peter hinab und befriedigte ihn mit ihren spitzenbehandschuhten Händen.
Sein Oberkörper bäumte sich auf. Diese Lady wusste, was sie tat.
In seine Explosion hinein klingelte das Telefon.
Sie ließ abrupt von ihm ab, hangelte auf dem Boden nach ihrer Handtasche und ging zur Tür.
Dort blieb sie stehen.
Fast wie eine abgestellte Puppe.
Peter zog keuchend seine Hose hoch und nahm den Hörer. “Tor Eins?” Er blickte auf den Monitor und betätigte einen Knopf. “Kannst einfahren. Ich komme gleich runter.”
Er ging zu ihr und hauchte einen leichten Kuss seitlich auf ihren Hals. “Ich muss eine Lieferung annehmen und lasse dich vorher am Hintereingang raus.”
Sie nahm seine Hand und hielt sie für einen Moment in der ihren.
Peter schlug sich vor die Stirn. “Ach! Ich Schussel.” Er nestelte seine Geldbörse heraus und steckte ihr zwei Geldscheine in den Ausschnitt.

* * *

“Guten Morgen”, sagte er leise, um Monika nicht vollends aufzuwecken.
In einer Stunde würde sie aufstehen und duschen.
Er blickte in ihr zerfurchtes Gesicht.
Monika war stets eine gute Mutter und solide Ehefrau.
Peter ging in die Küche und stellte einen Frühstücksteller für sie auf den Tisch. Aber meistens aß sie morgens nichts.
`Hauptsache, der Teller steht da. Monika liebt solche Gewohnheiten.´
Peter gähnte.
Er ging zur Kaffeemaschine, goss Wasser hinein und stutzte.
Neben der Kaffeedose lagen zwei Hundert-Euro-Scheine und ein Flyer der Agentur ‘Maskerade’. Die Blechdose entglitt ihm und fiel scheppernd auf die abgetretenen Kacheln.
Mit weit aufgerissenen Augen stand er da und starrte zur Schlafzimmertür.
Eine Fliege landete auf dem Tellerrand, lief zunächst unruhig hin und her und setzte sich schließlich auf die Salamischeibe.


©Anne Zeisig Version 2

Letzte Aktualisierung: 26.07.2012 - 17.47 Uhr
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