Futter für die Bestie
Futter für die Bestie
Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
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Nachtschicht | Juli 2012
Wer schichtet die Nacht …
von Asla Kant

Unter den Schichten einer fremden, schweren Last erlosch das Licht, verlor ich mich.

Wohin, vergaß ich.


***

„Dekontaminieren! Untenherum freilegen, schnell!“

Das Warum interessierte mich nicht, ich spürte nichts.

„Seien Sie unbesorgt, wir helfen Ihnen.“

Ich schwieg.

„Das Aufnahmeprotokoll entspricht weder den lebensbedrohlichen Verletzungen noch dem Geschlecht. Auf dem Tisch liegt eine Frau. Fragen Sie nach, was schiefgelaufen ist! … Bitte entspannen Sie sich.“

Wo war das Licht, das ich nicht vermisste …?

„Enthaart ist sie wie alle aus dem Milieu …, spülen. Sauerstoff, Katheter und Infusion anlegen! Relaxieren, Dosis verdoppeln, Desinfektion verstärken! Leute, geht das ein bisschen zügiger?“

Es floss aus mir, tropfte und strömte in mich hinein. Empfinden konnte ich es nicht …,

„Sind Sie taub? Ich sagte, endotracheal intubieren!“

… doch ich hörte es noch eine Weile, bis es mich verließ wie das Licht.

„Abgleich erfolgt: In OP 8 liegt ein Patient, der in derselben Zone und am gleichen Tatort gefunden wurde …, vermutlich Mittäter und Ersthelfer …“

***

Sind Sie allein?
Wissen Sie, wo Sie sind?
Ist jemand bei Ihnen?


Es regnete, als ich ihn hörte. Schwarzer Regen. Er sprach nicht. Seine Lippen, zusammengepresst, zuckten ein wenig. Dünnes, milchig trockenes, zerfurchtes Fleisch schien bewegungslos zu lachen. Er bewegte sich auf mir, lachte mich schweigend an und ich lauschte.

Zufriedenheit umfing mich, als ich erkannte, wo ich war und begriff, warum ich ihn sehen konnte. In einem Nachtzug lagen wir, nur er und ich. Still war es in ihm. Um ihn, um mich. Seine Worte liebkosten diese Stille, paarten sich mit der Dunkelheit, durchdrangen die Schichten meiner ewigen Nacht und gelangten als Schimmer einer wärmenden Flamme zu mir.

Sie lagen auf einer Straße am Waldrand, als es begann.

Ich vermisste weder den Tag noch unsere schlagende Herzen. Seine Worte erfüllten mich.

Ein stiller Beobachter war ich, der Sie liegen ließ. Und Sie doch mitnahm. Erinnern Sie sich?
Wissen Sie, wo Sie sind?
Warum sind Sie hier?
Gehen Sie!

***

„Blutdruck fällt, kein Puls …“

***

Geh doch endlich!


Ich wollte nicht.
Ich blieb.

Darum ließ er mich sehen, was mit mir geschehen war und ihn erwartete:
Schatten um Schatten, Schicht für Schicht legten sich auf dich. Wurden schwerer und schwerer, drangen ein. Einer nach dem anderen. Einem geheuchelten Frieden hast du dich hingegeben und dich zugleich verloren. Nichts als Lügen, als sie dich nahmen. Ich blieb untätig. Anstatt dir zu helfen, schaute ich gierig zu und weidete mich daran. Nun kommen sie zu mir und treiben ihr Spiel mit mir, weil ich es verdient habe. Sie kommen in Scharen, bleiben und weichen nicht, vertreiben mich aus meinem Ich, bis ich im Schatten ertrinke. Du nicht!

***

„Reanimieren! Alles runter vom Tisch!“

***

Wir standen gemeinsam auf und setzten uns. Unsere Körper schienen miteinander verwachsen zu sein. Er atmete und schwitzte nicht. Die Schichten der Nacht legten sich wie eine zweite Haut auf sein Gesicht, als seine wärmende Flamme verging und ich ihn zum letzten Mal hörte.

Bei dir wird es Liebe sein, die deine Seele auf Wanderschaft schicken wird, wenn es so weit ist. Geh in Frieden und lass mich für immer schlafen. Wach auf!

***

„Puls!“

***


Unter ihm begraben, berührte ich seine Stirn, bevor sie ihn von mir losschnitten. Kalt war sie, leblos, als ich ihm dankte.

Wofür, vergaß ich nicht.


©anahtar.thereshouldbenodeathsdue …

Letzte Aktualisierung: 23.07.2012 - 17.09 Uhr
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