Ganz schön bissig ...
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Aus der Kurve geflogen | August 2012
Skylly und Charybda, zahnlos
von Helga Rougui

Er ist undicht, und sie fällt dauernd um.

Beide sind alt, er nicht so, aber doch, sie dagegen schon sehr.

Wenn er sich vornimmt, geradeaus zu laufen, dann tut er das auch, gnadenlos, aus beginnendem Altersstarrsinn heraus.
Er tut das, egal, ob dem Verlauf des Weges zu folgen vielleicht bedeuten könnte, einer Kurve weiche Rundung nachzuvollziehen.
Was weiche Rundungen bedeuten, hat er längst vergessen.
Eher landet er geradeaus rennend im schlimmsten Brombeergestrüpp, als vom verlegenen Asphalt geführt nach rechts oder links zu stürmen.
Der Asphalt flüstert ihm wohlwollend zu, wo es langgeht, er erreicht jedoch des Läufers Ohren nicht. Die wehen im Wind, sie haben ihre eigentliche Funktion verloren.
Solange der Läufer in Bewegung ist, muß er aber nicht Pipi machen.
Wobei, wenn er in den Brombeeren landet, er vor Schreck doch unverzüglich Pipi macht.
Es bleibt ihm nicht erspart.

Während sie, wenn sie lostrippelt, zwar jede Kurve nimmt - aber sofort, wenn sie stehenbleibt, fällt sie um, auf die Seite, sie fliegt ihre eigene Kurve.
Sie wird wieder auf die Beine gestellt, allein kann sie das nicht mehr, sich auf die Beine stellen, sie verfolgt die Strecke weiter, wobei es egal ist, ob diese sich schnurgerade auseinanderrollt oder einen Bogen macht.
Nach einer Weile hält sie an, um zu verschnaufen, die Lunge pocht, und sie fällt um.
Gleiches Spiel von vorn.

Wenn sie sich was wünschen dürften, wie möchten sie dann sein?
Am liebsten wären sie jung an Körper, reif an Geist, unverletzt an Seele.
Oder wenigstens gesund.
Aber das steht nicht zur Wahl.
Mööglicherweise ein winziges Ersatzteillager neuer Köörperteile oder Sinnesfunktionen? Nicht mal das. (Sorry, Herr G.)

Sie werden wahrscheinlich in schöner Eintracht pipimachend geradeaus bretternd aus der Kurve segeln und im nächsten Brombeergestrüpp nicht mal umfallen dürfen, weil tausend Dornen sie widerwillig mit spitzen Fingern in tödlicher Schwebe halten.
So verbinden sich ihre Schicksale, und das ist ihr einziger Trost, denn diese Gemeinsamkeit bis zum Schluß, die hat auch nicht jeder. Manch einer hatte sie nicht mal zu Beginn.
In ihnen allen steckt eine Art kreatives Genie, wahlweise der Geist des Abenteuers, manchmal beides zugleich ... und so leben sie ihr Leben, hier und jetzt. Wenn, ja, wenn sie das Spiel spielen. Und nicht nur Zuschauer bleiben.

Die Rechnung präsentiert der Wirt.
Aber besser wie auch immer verewigt als gar nicht gelebt - ?

Letzte Aktualisierung: 09.08.2012 - 00.19 Uhr
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