Der Cousin im Souterrain
Der Cousin im Souterrain
Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Aus der Kurve geflogen | August 2012
Die Liebe im Allgemeinen
von Andrea Will

Es wurde dunkel um mich herum. Diese Kopfschmerzen. Stimmengewirr, das ich nicht zuordnen konnte. Und dann noch die Lähmung meines Körpers. Wie Totenstarre.
„Geht es Ihnen besser?“, fragte eine besorgte Frau, die sich neben mich kniete.
„Was ist passiert? Ich kann mich an nichts erinnern.“
„Sie standen vor den Umkleidekabinen und sind einfach umgekippt. Ich habe hier ein Glas Wasser für Sie.“
Umkleidekabinen? Diese schrecklichen Kopfschmerzen. Ich glaube, mir wird schlecht.
„Soll ich einen Arzt holen?“
„Nein, danke. Ich möchte mich nur ein wenig hinsetzen.“
Die Frau half mir auf die Beine und führte mich zu einem Stuhl.
„Hier Ihre Tasche. Sollen wir Sie nach Hause bringen? Wo wohnen Sie denn?“
So viele Sachen auf einmal. Ich wusste auf ihre Fragen keine Antwort. Aber vielleicht befand sich in meiner Tasche etwas, das mir dabei weiterhelfen konnte.
Wie heiße ich? Wo wohne ich? Oh mein Gott.
Als ich in meiner Tasche nach etwas suchte, was mir hätte Erklärungen geben können, entdeckte ich auf dem Boden etwas, das in ein Taschentuch eingewickelt war. Es war eine Pistole.
Ich fand auch eine Geldbörse mit fast 400 Euro und einen Ausweis, der auf den Namen Silke Klaus ausgestellt war. Mir gegenüber hing ein Spiegel. Dasselbe Bild wie auf dem Ausweis blickte mir entgegen. Ich war es. Das also war mein Name? Daneben die Adresse: Blumengasse 12.
Silke Klaus. Blumengasse 12. Und dann noch mit Pistole! Vielleicht war ich auf der Flucht und man suchte mich bereits. Egal, was dabei ans Tageslicht kam. Ich musste einfach die Wahrheit über mich herausfinden. Und das schnell.
„Rufen Sie mir bitte ein Taxi.“
Einige Minuten später kam der Taxifahrer hinein und begleitete mich zum Wagen.
„Blumengasse 12“, sagte ich, als er mich nach der Adresse fragte.
Wir fuhren in ein nobles Villenviertel. Vor der Tür stand ein großer Mercedes in Schwarz. Ich bezahlte den Fahrer und nahm einen Schlüssel aus meiner Tasche. Er passte ins Schloss.
Eine riesige Eingangshalle. Weißer Marmor.
Ein riesiges Bild hing über der Treppe. Ein Hochzeitsfoto. Ich erkannte mich. Ich war die Braut. Es schien noch nicht lange her zu sein. Daneben ein Mann. Gut aussehend.. Sportliche Figur. Markantes Gesicht.
Doch etwas trübte. Passte nicht zum Vollkommenen. Kleidungsstücke lagen verstreut auf den Stufen herum, die in den ersten Stock führten. Ich folgte ihnen nach oben.
Oben angekommen hörte ich Stimmen. Ein Mann und eine Frau. Ich machte die Tür auf. Der Mann war jener auf dem Hochzeitsbild. Beide lagen nackt im Bett und bemerkten mich nicht, als ich eintrat.
Ich, Silke Klaus war also mit diesem Mann verheiratet? Der nackt im Bett mit einer anderen Frau lag?
Dann auf einmal Totenstille. Sie hatten mich entdeckt. Sie zuckten zusammen und zogen sich die Decke über ihre Körper.
Der Mann, dessen Namen mir im Moment nicht einfiel, fing an zu reden: „ Es tut mir leid, dass du es so erfährst. Eigentlich wollte ich es Dir selber sagen. Ich verlasse Dich. Ich habe mich in diese Frau verliebt.“
Wie von Geisterhand gesteuert zog ich die Pistole aus meiner Tasche und zielte auf die Frau, die unsere Ehe zerstört hatte. Was dann geschah? Daran habe ich nur eine vage Erinnerung. Ich weiß nur, dass Schüsse fielen. Wie viele? Das entzieht sich meiner Kenntnis. Auf einmal stand mein Mann neben mir. Die Frau war tot. Er fasste ihren leblosen Körper und zog sie an seine Brust.
„Was hast du nur getan? Mörderin!“
Er legte die mir unbekannte Frau wieder auf das Bett und kam zu mir. Wollte mir die Pistole aus der Hand nehmen. Doch ich war stärker. Und drückte abermals ab. Der Schuss ging direkt in sein Herz. Er fiel nach hinten. Der Kopf schlug auf die Tischplatte. Ich stand wie gelähmt da. Wusste nicht was ich tun sollte.
Nachbarn, die die Schüsse hörten riefen die Polizei.
Das Urteil lautete Mord im Affekt.

Letzte Aktualisierung: 09.08.2012 - 20.03 Uhr
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